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Land- und Forstwirtschaftsverbände fordern Perspektiven fürs Mittelgebirge
Waldbauern mit Windkraft retten

Der stolze Wald ist zu einem Stapel Stämme geworden. Der Borkenkäfer hat hier am Fuß der Ginsburg gewütet und das Landschaftsbild völlig verändert. Das auf Nachhaltigkeit angelegte „Geschäftsmodell“ der Waldbauern funktioniert nicht mehr.
  • Der stolze Wald ist zu einem Stapel Stämme geworden. Der Borkenkäfer hat hier am Fuß der Ginsburg gewütet und das Landschaftsbild völlig verändert. Das auf Nachhaltigkeit angelegte „Geschäftsmodell“ der Waldbauern funktioniert nicht mehr.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ihm Siegen/Bad Berleburg/Olpe. „Wir wollen keine Dauersubventionen, sondern wir können uns eine Impulsförderung vorstellen.“ Philip Freiherr Heereman von Zuydtwyck, der Vorstandsvorsitzende des Waldbauernverbands NRW, erläuterte am Dienstag im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz das Mittelgebirgsprogramm, das sein Verband gemeinsam mit drei weiteren Interessenverbänden – dem westfälisch-lippischen und dem rheinischen Landwirtschaftsverband sowie der Vereinigung Familienbetriebe Land und Forst – aufgestellt hat. Kern des Programms, das mit „Perspektiven für das Mittelgebirge“ überschrieben ist: das Einkommen der land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen auf Dauer sichern und stärken. Ausdrücklich mit gemeint sind dabei die vielen Nebenerwerbsbetriebe.

ihm Siegen/Bad Berleburg/Olpe. „Wir wollen keine Dauersubventionen, sondern wir können uns eine Impulsförderung vorstellen.“ Philip Freiherr Heereman von Zuydtwyck, der Vorstandsvorsitzende des Waldbauernverbands NRW, erläuterte am Dienstag im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz das Mittelgebirgsprogramm, das sein Verband gemeinsam mit drei weiteren Interessenverbänden – dem westfälisch-lippischen und dem rheinischen Landwirtschaftsverband sowie der Vereinigung Familienbetriebe Land und Forst – aufgestellt hat. Kern des Programms, das mit „Perspektiven für das Mittelgebirge“ überschrieben ist: das Einkommen der land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen auf Dauer sichern und stärken. Ausdrücklich mit gemeint sind dabei die vielen Nebenerwerbsbetriebe.

Keine Erträge in den nächsten 20 bis 30 Jahren

Den privaten Waldbesitzern ist durch den Klimawandel und die zerstörerische Kraft des Borkenkäfers ihre wirtschaftliche Grundlage gerade in Südwestfalen weggebrochen. Und das, so Heereman, bleibe auch dann so, wenn sich die Holzpreise irgendwann wieder einmal erholen würden. Selbst wenn man jetzt aufforste – wozu vielerorts schlicht das Kapital fehlt – werde man in den kommenden 20 bis 30 Jahren keine Erträge erwirtschaften. Heereman nannte nicht nur die Fichte als ausfallende Baumart, sondern auch die Buche sei, verteilt übers Land, geschädigt. „Andere Baumarten kränkeln auch schon.“

Windenergie und Klimaschutz-Prämie

Diesen düsteren Prognosen setzen die Verbände zwei Ideen entgegen: Windenergie im Wald bzw. auf ehemaligen Waldflächen und eine Klimaschutzvergütung für die Bäume, die ja als CO2-Speicher dienen.

  • Windkraft: Bäuerliche Bürgerwindenergiekonzepte halten die Waldbauern für den richtigen Weg. Der Grundgedanke: „Waldbauern entwickeln und überplanen partnerschaftlich mit der lokalen Kommune mögliche Windenergieflächen. Dies sind gerade Standorte auf den von Dürre und Borkenkäfern geschädigten Waldflächen. Mit den Erlösen kann die Wiederaufforstung finanziert und die Flächen können langfristig gesichert werden. Die Waldbauern sind dabei nicht reine Verpächter, sondern auch Mitbetreiber und erzielen nachhaltig Einkünfte aus den Windenergieanlagen durch Pacht und Betrieb.“ Durch die bürgerschaftliche Beteiligung erhofft man sich man sich mehr Akzeptanz im Wohnumfeld.
  • Klimaschutz-Prämie: Die Klimaschutzleistung des Waldes werde noch gar nicht von der Gesellschaft vergütet, beklagte Max Freiherr von Elverfeldt im Namen der Familienbetriebe Land und Forst. Er rechnete vor, dass ein Hektar Wald 8 Tonnen Kohlendioxid im Jahr absorbiere. Das entspreche ziemlich genau dem jährlichen Ausstoß von Kohlendioxid eines Bürgers in Deutschland. Der Vorschlag: 112,50 Euro pro Hektar soll als Klimaschutzvergütung an die Waldbesitzer gezahlt werden. Die Kalkulation beruht auf dem CO2-Preis, der für das klimaschädliche Gas zu zahlen ist.

Anreiz für Wiederaufforstung schaffen

Wie Elverfeldt auf Nachfrage erklärte, soll diese Prämie als Anreiz für die Wiederaufforstung von Borkenkäfer-Flächen dienen. Auch wenn im ersten oder zweiten Jahr noch kein nennenswerter Speichereffekt entstehe, „hat man aber ab dem dritten Jahr einen deutlichen Zuwachs an Masse“. Er plädierte dafür, die Förderhöhe von der Festmeterzahl pro Hektar abhängig zu machen. Das sei zwar etwas aufwendiger zu berechnen als eine Pauschale, aber „sonst hätten wir eine Flächenprämie, und das wollen wir nicht. Es soll schon eine Zahlung für eine tatsächlich erbrachte Leistung sein.“

WLV: Landwirte fühlen sich überfordert

„Es geht uns gar nicht darum, mehr Staatsknete einzufordern“, brachte Henner Braach als Vizepräsident des westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) eine grundsätzliche Komponente in die Diskussion. Die Landwirte fühlten sich überfordert von immer mehr Anforderungen, Auflagen und Gesetzen. Vor allem die Wasserqualität stehe zum Beispiel im Fokus der neuen Düngeverordnung. „Dabei ist unsere Wasserqualität doch gut, unser Wasser ist begehrt. “ Die neuen Vorschriften träfen die Landwirte massiv. Henner Braach: „Man verlangt von uns, Probleme zu lösen, die wir gar nicht haben.“
Das Mittelgebirgsprogramm verlangt bei der Düngeverordnung Ausnahmen für die bodennahe Ausbringung von Wirtschaftsdünger. Die Dokumentationsanforderungen beim Weidegang müssten möglichst einfach gehalten werden. Und die Vorschriften beim Bau von Ställen und Silagelagern müssten stärker auf Verhältnismäßigkeit überprüft werden. Wiesen sind Teil der landschaftlichen Vielfalt im Mittelgebirge. Die extensive Art der Bewirtschaftung reiche aber angesichts der Dürrejahre nicht überall aus, um das Vieh mit Futter zu versorgen. Eine „maßvolle Lockerung des Dauergrünland-Umbruchverbots“ fordern die Verbände deshalb.

Marktpreis für Fleisch und Milch reicht nicht aus

Die Tierhaltung im Mittelgebirge halte größere Herausforderungen als im Flachland bereit, finden die Landwirte. Hanglagen, kleinere Grünlandflächen und geringe Betriebsgrößen sind die Stichworte. „Der Weidegang von Mutterkühen und vielen Milchkühen bereichert nicht nur die Landschaft und fördert die Biodiversität, sondern stellt auch eine wichtige Maßnahme zu mehr Tierwohl dar“, unterstrich WLV-Präsident Hubertus Beringmeier.
Aber der Marktpreis für Fleisch und Milch vergüte diese Leistungen nicht mehr ausreichend. Deshalb sei eine Förderung dieser gesellschaftlich gewünschten Formen von Landwirtschaft nötig. Beringmeier bezog Schafe und Ziegen in diese Forderung ein.

Im Wald auf den Wegen bleiben „Ich will nicht den Wald sperren, aber ich appelliere an die Menschen: Bleibt auf den Wegen!“ Philipp Freiherr Heereman von Zuydtwyck, der Chef des Waldbauernverbands NRW, machte voller Sorge auf die nicht zuletzt Corona-bedingte intensive Freizeitnutzung der Wälder aufmerksam. Menschen aus den Ballungsräumen führen nicht nur nach Winterberg, sondern gingen auch in großer Zahl im Winterwald auf Wanderschaft. Dadurch könnten die Waldbesitzer mitunter weder die Holzabfuhr ungestört fortsetzen noch könnten sie oder ihre Pächter die Jagd ausüben. Und das angesichts endlich gefrorener Waldböden und mitten in der Jagdzeit.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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