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Bio-Bauer Kurt Ohrndorf aus Langenholdinghausen
Wallach „Paul“ ist besser als ein Schlepper

Bio-Bauer Kurt Ohrndorf bei der Arbeit auf dem Kartoffelfeld, Wallach „Paul“ zieht den mechanischen Pflug, Baujahr 1953. Mensch und Tier bilden eine Einheit.
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  • Bio-Bauer Kurt Ohrndorf bei der Arbeit auf dem Kartoffelfeld, Wallach „Paul“ zieht den mechanischen Pflug, Baujahr 1953. Mensch und Tier bilden eine Einheit.
  • Foto: Rita Zimmermann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mir Langenholdinghausen. Biobauer Kurt Ohrndorf ist mit seinen 63 Jahren keinesfalls ein Frührentner, das käme einer Beleidigung gleich. Ganz im Gegenteil, er ist von seinem biologisch-dynamischen Tun im Sinne einer CO2-neutralen Produktion von Lebensmitteln total überzeugt. Vor einigen Tagen durfte SZ-Leserin Rita Zimmermann den Landwirt aus Leidenschaft bei der Feldarbeit mit seinem Kaltblüter „Paul“ fotografieren. „Vergessene Arbeit“, so hat die Fotografin ihre Aufnahmen genannt. In der Tat, eine vergessene Gerätschaft zieht Paul, der Wallach, hinter sich her.
Bio-Bauer Kurt Ohrndorf aus Langenholdinghausen setzt auf "Paul"
Kurt Ohrndorf klärt auf: „Das ist ein einreihiger Häufelpflug, Baujahr 1953.

mir Langenholdinghausen. Biobauer Kurt Ohrndorf ist mit seinen 63 Jahren keinesfalls ein Frührentner, das käme einer Beleidigung gleich. Ganz im Gegenteil, er ist von seinem biologisch-dynamischen Tun im Sinne einer CO2-neutralen Produktion von Lebensmitteln total überzeugt. Vor einigen Tagen durfte SZ-Leserin Rita Zimmermann den Landwirt aus Leidenschaft bei der Feldarbeit mit seinem Kaltblüter „Paul“ fotografieren. „Vergessene Arbeit“, so hat die Fotografin ihre Aufnahmen genannt. In der Tat, eine vergessene Gerätschaft zieht Paul, der Wallach, hinter sich her.

Bio-Bauer Kurt Ohrndorf aus Langenholdinghausen setzt auf "Paul"

Kurt Ohrndorf klärt auf: „Das ist ein einreihiger Häufelpflug, Baujahr 1953. Mit dem Pflug wird als letzte Maßnahme vor der Ernte nochmals Erde aufgeschüttet, also aufgehäufelt.“ Drei Wochen brauchen die Frühkartoffeln noch auf dem Hof Heckseifen kurz hinter der Ortslage von Langenholdinghausen. Dann wird Kurt Ohrndorf mit Wallach Paul zur Tat schreiten und die Knollen ausmachen, also aus der Erde holen.

Zum Häufelpflug von 1953 kennt Ohrndorf noch mehr Details. Produziert von der Firma Stoll, die Werbung anno 1953 habe so geklungen: „Ein Mann, ein Pferd, ein Morgen, eine Stunde.“ Ein Morgen war die Fläche, die ein Bauer früher mit einem Pferdegespann an einem Morgen, also von 6 bis 12 Uhr, pflügen konnte. 2500 Quadratmeter.
Zurück zu Ohrndorfs Kartoffeln: Die landen alle im Hofladen und werden verkauft. Mit der Knollenernte ist es allein nicht getan. Wallach Paul muss noch öfter aufs Feld, schließlich steht ja auch noch die Gemüseernte an. Auch da geht alles von Hand, kein Trecker, nur der fünfjährige Kaltblüter hilft mit.

Bauer Kurt Ohrndorf arbeitet seit 25 Jahren mit Pferden

Seit 25 Jahren arbeitet Kurt Ohrndorf mit Pferden. Alles im Bio-Takt des Lebens. So ein Arbeitstier wie Paul frisst Futter nur vom Hof, ist eine robuste Antriebsmaschine. Kurt Ohrndorf ist überzeugt, „Paul leistet bessere Arbeit als ein Schlepper. Abends stell ich ihn auf die Wiese, morgens ist er quasi aufgetankt, voll gefüttert.“ Pauls Tempo auf dem Feld sei genauso hoch wie ein Trecker, er als Bauer komme mit dem Tier allein zurecht. Beim Einsatz von Geräten müsste noch eine zweite Person helfen. „Ich rede mit Paul, er hört auf mich und hält die Reihen“, ist Kurt Ohrndorf von seinem tierischen Mitarbeiter voll begeistert. „Paul ist mein Ein und Alles, ich habe ihn selbst ausgebildet.“

Die Arbeit in der Landwirtschaft ist für den Bauern eine Besonderheit, „es macht einfach Spaß“, er fühlt sich mit der Scholle verbunden. „Auch wenn es körperlich anstrengend ist.“ Die Hüften haben gelitten. Trotzdem verspürt Kurt Ohrndorf nach eigener Aussage Glücksgefühle, wenn er auf dem Feld gearbeitet hat. „Joggern habe ich mal gesagt, ihr führt nur noch euren nutzlos gewordenen Körper Gassi“, plaudert der Biobauer aus, was manch einer nicht zu denken wagt. Ein humorvoller Scherz halt, aber einer mit einem Tropfen Wahrheitsgehalt.

Der Bio-Bauer kennt nicht nur Langenholdinghausen und seinen Hof Heckseifen. In den USA hat er sich bei den Amish People, einer freikirchlich-protestantischen Glaubensgemeinschaft, umgesehen. „Auch die lehnen Schlepper ab.“ Für Kurt Ohrndorf genau die passende Ausrichtung. Landwirtschaftliche Geräte müssen seiner Auffassung nach von Pferden gezogen werden können. 80 Stück hat er selbst gebaut und überall in der EU verkauft. Aber das ist ein eigenes Kapitel.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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