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Tier in Not: Augenmaß gefragt
Wann muss die Feuerwehr wirklich helfen?

Keine Frage, das eingeklemmte Reh braucht unbedingt die Hilfe der Feuerwehr. Ohne menschliches Zutun und den Einsatz schweren Geräts wäre das Tier verendet.
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  • Keine Frage, das eingeklemmte Reh braucht unbedingt die Hilfe der Feuerwehr. Ohne menschliches Zutun und den Einsatz schweren Geräts wäre das Tier verendet.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

bjö Siegen/Kreuztal. Kater Snoopys morgendlicher Ausflug auf ein Eichener Hausdach mit schnellem Happy End könnte alle Tierliebhaber zum Nachdenken anregen: Ist ein Einsatz der Feuerwehr immer nötig, um tierische Mitgeschöpfe aus vermeintlich prekären Situationen zu holen?
Snoopys Besitzer jedenfalls hatten sich am Donnerstagmorgen dazu entschlossen, die Hilfe der Eichener Feuerwehr in Anspruch zu nehmen: Der fünfjährige Kater hatte über ein geöffnetes Dachfenster einen Ausflug auf das Schrägdach unternommen. Dass er seit gut einer Stunde in Höhe des Schneefangs an der Dachkante in knapp 8 Metern Höhe die Aussicht genoss, beunruhigte die Besitzer derart, dass sie glaubten, hier sei die Hilfe Dritter erforderlich.

bjö Siegen/Kreuztal. Kater Snoopys morgendlicher Ausflug auf ein Eichener Hausdach mit schnellem Happy End könnte alle Tierliebhaber zum Nachdenken anregen: Ist ein Einsatz der Feuerwehr immer nötig, um tierische Mitgeschöpfe aus vermeintlich prekären Situationen zu holen?
Snoopys Besitzer jedenfalls hatten sich am Donnerstagmorgen dazu entschlossen, die Hilfe der Eichener Feuerwehr in Anspruch zu nehmen: Der fünfjährige Kater hatte über ein geöffnetes Dachfenster einen Ausflug auf das Schrägdach unternommen. Dass er seit gut einer Stunde in Höhe des Schneefangs an der Dachkante in knapp 8 Metern Höhe die Aussicht genoss, beunruhigte die Besitzer derart, dass sie glaubten, hier sei die Hilfe Dritter erforderlich.

Kater Snoopy braucht keine Hilfe

Die Unterstützung rückte in Form einer Mannschaft der Löschgruppe Eichen an und brachte eine tragbare Leiter in Stellung. Doch der Anblick der sich nähernden Hilfe reichte schon aus, um Snoopy zur Aufgabe zu bewegen: Noch bevor ein Feuerwehrmann nach oben klettern konnte, trennte sich der Kater von seinem Panoramablick und verschwand mit eleganter Leichtigkeit im Dachfenster.
Es ist das aktuellste Beispiel für Einsätze der Feuerwehr, bei der die Frage nach der Notwendigkeit im Raum steht. Matthias Ebertz, Leiter der Feuerwehr Siegen, über diesen Einsatz: „Wenn eine Katze an einer Dachkante sitzt, ist das alles, aber keine Notlage.“

Höhe meist kein Problem für Katzen

Er selbst erinnert sich an eine Katzenrettung, bei der er als junger Feuerwehrmann mit Muskelkraft einen Baum erklimmen sollte, um eine vermeintlich in Not befindliche Katze zu retten. „Und als ich ganz oben war, ist die Katze gesprungen.“ Bis zu 12 Meter Höhe sei für eine Katze kein ernsthaftes Problem, beruhigt Matthias Ebertz überbesorgte Katzenfreunde; er selbst wohnt seit drei Jahrzehnten mit flauschigen Vierbeinern zusammen.

Häufig hilft Abwarten

Ähnlich denkt auch Kreuztals Feuerwehrchef Berthold Braun: „Wo eine Katze hinaufgekommen ist, kommt sie in der Regel auch wieder herunter.“ Eine Ausnahme könne sein, so Ebertz, wenn Jungtiere sich womöglich verstiegen hätten, ohne genau zu wissen, wie der Rückweg aussehen könnte. „Unter Umständen muss man den Leuten auch mal sagen, dass sie etwas warten sollen.“ Geduld kann bei Tieren ebenso helfen wie vielleicht das Klappern mit dem Futternapf.

Mindestens sechs Einsatzkräfte

Das bei der Kreisleitstelle fest hinterlegte Einsatzstichwort „Tier in Not“ führt eine technische Hilfeleistung nach sich, bei der entweder eine Drehleiter oder ein Löschfahrzeug mit mindestens sechs Mann Besatzung in Marsch geschickt wird. Ob wirklich eine lebensbedrohliche Notlage vorliegt, ist auch der entscheidende Faktor für die Frage, ob eine Kommune berechtigt ist, solch einen Feuerwehreinsatz für den Tierbesitzer kostenpflichtig zu machen. Matthias Ebertz: „Wenn einer seinen Papagei fliegen lässt und wir ihn einfangen sollen, muss er einfach etwas dafür bezahlen.“

Unentgeltliche Hilfe bei echter Gefahr

Das sieht auch Netphens Wehrführer Sebastian Reh, zugleich stellv. Kreisbrandmeister, nicht anders: Wenn das Leben eines Tieres nicht akut bedroht sei, betrachte er den Einsatz der Feuerwehr als „Serviceleistung, die nicht zu Lasten der Steuerzahler bzw. der Arbeitgeber von Feuerwehrleuten gehen darf“. Ein Einsatz mit Mannschaft und Drehleiter könne dann schnell mal einige Hundert Euro kosten.
Unstrittig ist hingegen, dass die Feuerwehr unentgeltlich hilft, wenn Leib und Leben von Tieren in Gefahr sind: Dazu zählte sicher das Reh, das vor vier Wochen in einem Stahlzaun in Kreuztal festhing und mit der Rettungsschere befreit wurde. Oder das Pferd, das in Netphen kopfüber im Futtertrog nur durch hydraulisches Gerät der Feuerwehr wieder seine Freiheit gewann. Auch die Entenfamilie im Vorfluter des Vorstaubeckens der Obernautalsperre zog einen unzweifelhaften Rettungseinsatz nach sich.

Augenmaß gefragt

Kurzum: Menschliches Augenmaß ist bei tierischen Kuriositäten gefragt, um abzuwägen, ob die vielgeforderten Feuerwehrleute dafür in ihre Einsatzuniformen steigen müssen. Menschliche Sorge dürfe nicht mit echter Gefahrenabwehr verwechselt werden. Matthias Ebertz diagnostiziert daher für überschnelle Notruf-Wähler: „Meistens haben die Leute die Notlage, aber nicht das Tier.“

Keine Frage, das eingeklemmte Reh braucht unbedingt die Hilfe der Feuerwehr. Ohne menschliches Zutun und den Einsatz schweren Geräts wäre das Tier verendet.
Die Katze auf dem Dach bedeutet noch keine Gefahr. In dem Fall entschwand der kleine Tiger auf vier Pfoten elegant durchs Dachfenster.
Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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