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Benteler schließt Standort mit 270 Beschäftigten
Warmformwerk eiskalt abserviert

Die Tage des Benteler-Warmformwerks an der Industriestraße in Weidenau sind offenbar gezählt. Wie aus heiterem Himmel verkündete die Geschäftsführung die Aufgabe des Standortes Mitte nächsten Jahres.
  • Die Tage des Benteler-Warmformwerks an der Industriestraße in Weidenau sind offenbar gezählt. Wie aus heiterem Himmel verkündete die Geschäftsführung die Aufgabe des Standortes Mitte nächsten Jahres.
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vö Weidenau. Wut, Enttäuschung, Trauer und eine große Portion Unverständnis: Die am Donnerstag angekündigte Schließung des Benteler-Warmformwerks in Weidenau zur Jahresmitte 2022 (die Siegener Zeitung berichtete kurz) hat die Belegschaft eiskalt erwischt. Für 270 Mitarbeiter beginnt eine mehr als ungewisse Zukunft, die IG Metall spricht sogar von 285 Arbeitsplätzen. „Die Art und Weise, wie diese Entscheidung hier einen Tag vor den Ferien verkündet wurde, ist unfassbar. In der Kälte habe ich so etwas noch nie erlebt“, sagt Peter Richter, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Siegen.

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Weidenau. Wut, Enttäuschung, Trauer und eine große Portion Unverständnis: Die am Donnerstag angekündigte Schließung des Benteler-Warmformwerks in Weidenau zur Jahresmitte 2022 (die Siegener Zeitung berichtete kurz) hat die Belegschaft eiskalt erwischt. Für 270 Mitarbeiter beginnt eine mehr als ungewisse Zukunft, die IG Metall spricht sogar von 285 Arbeitsplätzen. „Die Art und Weise, wie diese Entscheidung hier einen Tag vor den Ferien verkündet wurde, ist unfassbar. In der Kälte habe ich so etwas noch nie erlebt“, sagt Peter Richter, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Siegen.

Die Kollegen seien am Boden zerstört, es seien nicht wenige Tränen geflossen. An der Industriestraße in Weidenau ist Benteler auf Warmformung für Automobilkunden spezialisiert.

"Die Art und Weise,
wie diese Entscheidung hier
einen Tag vor den Ferien verkündet wurde."
ist unfassbar."

Peter Richter
IG Metall Siegen

Und wie begründet die Benteler-Gruppe ihre Entscheidung? Mit diesem Schritt reagiere das Unternehmen auf die anhaltend herausfordernde Lage im deutschen Automobilmarkt, heißt es in einer Stellungnahme. Die Entwicklung sei bereits seit einiger Zeit durch eine deutlich reduzierte Nachfrage gekennzeichnet. Eine Ursache hierfür sei, dass Automobilhersteller zunehmend außerhalb Deutschlands produzierten oder ihre Lieferungen bezögen. Hinzu kommt, dass es in Europa insgesamt einen erheblichen Überschuss an Warmformkapazität im Markt gebe, der langfristig keine Erholung des Marktes in Aussicht stelle.

Durch Pandemie Marktlage schwieriger

Durch die Pandemie habe sich die schwierige Marktlage weiter verschärft: Benteler werde verschiedene Aufträge, die ursprünglich für das Werk Weidenau geplant gewesen seien, nicht erhalten. Aufgrund der reduzierten Nachfrage im Markt und nicht erfolgter Aufträge sei die langfristige Auslastung des Werkes somit nicht mehr möglich.

Benteler-Werk in Weidenau schließt

„Wir bedauern sehr, das Werk in Weidenau schließen zu müssen. Dies ist ein außerordentlich schwerer Schritt. Aber trotz intensivster Anstrengungen in den vergangenen Jahren ist es uns nicht gelungen, ausreichend Aufträge für das Werk in Weidenau zu sichern. So ist die Auslastung bereits seit Jahren schrittweise zurückgegangen. Dies wird sich leider nicht ändern, da es in Westeuropa nicht ausreichend Neuprojekte gibt, die dem Produktportfolio des Werkes entsprechen“, wird Bertrand Faulconnier, Vize-Chef der Region Nordeuropa, in einer Pressemitteilung zitiert. Er nahm nach SZ-Informationen auch an der Informationsveranstaltung am Donnerstag in Weidenau teil.

Sozialverträglicher Personalabbau

Benteler habe – so die Darstellung des Unternehmens – bereits Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. „Wir werden versuchen, den geplanten Personalabbau im Zuge der Werksschließung möglichst sozialverträglich zu gestalten. Brücken in den Ruhestand, eine mögliche Weiterbeschäftigung an einem anderen Benteler-Standort oder aber die Unterstützung bei der Suche nach neuer Beschäftigung können mögliche Angebote sein. Unser Ziel ist es, so zügig wie möglich den bestmöglichen Umsetzungsweg zu finden, um die Zeit der Unsicherheit für die Belegschaft möglichst gering zu halten“, so Bertrand Faulconnier.

Dass es bereits Gespräche zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt, bestreitet IG-Metall-Vertreter Peter Richter. Es noch nicht einmal der Versuch unternommen worden, die Arbeiternehmervertretung in den Prozess mit einzubinden. „Es ist unglaublich, wie leicht man sich das hier macht.“ In den vergangenen Jahren habe die Belegschaft durch Lohn- und Gehaltseinbußen und erhebliche Einschnitte auf insgesamt rund 6 Millionen Euro verzichtet. Rund 15 Millionen Euro habe Benteler in das Weidenauer Werk investiert. Im vergangenen Jahr sei der Tarifvertrag ausgelaufen – und jetzt werde der Radikalschnitt vollzogen.

Keine widerstandslose Werksaufgabe

Die IG Metall werde die nächsten Tage in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat dazu nutzen, so Peter Richter, um sich aufzustellen. Widerstandslos werde die Aufgabe des Werkes nicht stattfinden.

28 000 Mitarbeiter an 170 Standorten Die Benteler-Gruppe ist mit rund 28 000 Menschen an 170 Standorten in 38 Ländern tätig und zählt nach eigenen Angaben zu den 100 größten Industrieunternehmen Deutschlands. Darum steckt in den meisten Autos, die heute weltweit gebaut werden, ein Stück Benteler. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 betrug der Umsatz der Gruppe 6,36 Milliarden Euro. Die Produkte umfassen Komponenten und Module für Fahrwerk, Karosserie, Motor- und Abgassysteme sowie Lösungen für Elektrofahrzeuge.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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