Warteliste darf nicht länger werden

Krankenhausvertreter der Region diskutierten über Organspende und Transplantationen

sz Siegen. Chefärzte und Leiter der Krankenhäuser aus Siegen und der umliegenden Region sowie Vertreter der Krankenhausgesellschaft, des Gesundheitsministeriums, der Krankenkassen und ihrer Verbände trafen sich jetzt im Evangelischen Jung-Stilling-Krankenhaus Siegen. Zentrales Thema war die notwendige Erhöhung der Anzahl von Organspendern und Transplantationen. Die Organspendezahlen in Nordrhein-Westfalen sind laut Mitteilung im Jahr 2005 erstmals um 25 Prozent, die Anzahl der Transplantationen um etwa vier Prozent gestiegen, dennoch warten rund 2600 schwer kranke Menschen in NRW noch immer auf ein Spenderorgan.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann liegt das Thema sehr am Herzen. »In der Transplantationsmedizin haben wir in Nordrhein-Westfalen hoch leistungsfähige Zentren, aber bei der Organ-spende sind wir leider Schlusslicht. Um schwerkranken Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, die Chance auf ein Überleben zu geben, müssen wir die Zahl der Organspenden deutlich erhöhen. Dazu müssen sich alle Beteiligten noch stärker in das Thema einbringen.«

Auch Staatssekretär außer Dienst Richard Zimmer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und Organisator der Veranstaltung, wies darauf hin, dass durch spezifische organisatorische Vorschläge und Verfahrensregeln sowie durch gemeinschaftliches Engagement die Zahl der Organspenden gesteigert werden muss. »Die Krankenhäuser werden hierbei verantwortungsvoll mitwirken.«

»Ohne die Problematik des Organmangels könnten heute fast alle chronisch Kranken, die an einem Organversagen leiden, gerettet werden. Wir müssen verhindern, dass die Liste der Patienten, die auf ein entsprechendes Organ warten, immer länger wird«, erklärte Jörg Hoffmann, Vorstandvorsitzender des BKK-Landesverbandes NRW. »Deshalb werben wir sehr für Organspendeausweise, aber jeder Einzelne muss sich seiner moralischen Verpflichtung zur Organsspende bewusst werden.«

In ihrem Bericht über die aktuellen Zahlen und die Arbeit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) appellierte Dr. Ulrike Wirges, Geschäftsführende Ärztin der DSO-Region NRW, an die Krankenhäuser, ihrer nach dem Transplantationsgesetz vorgeschriebenen Mitwirkungspflicht am Organspendeprozess nachzukommen: »2005 spendeten in NRW 196 Menschen nach ihrem Tod 622 Organe. Um diese Zahl zu steigern, muss jede Möglichkeit einer Organspende im Krankenhaus erkannt werden.«

Dr. Klaus Kobert, Evangelisches Krankenhaus Bielefeld, erläuterte den Mangel an Spenderorganen aus Sicht des Klinischen Ethikers: »Die Organspende ist eine selbstlose Tat und damit Ausdruck gesellschaftlicher Solidarität. Krankenhäuser sind gefordert, die dafür notwendigen Strukturen und Möglichkeiten vorzuhalten. Im klinischen Alltag ist es dabei vorrangig, den ethischen Belangen der Spender, denen ihrer Angehörigen sowie denen des Krankenhauspersonals gerecht zu werden. Die Klinische Ethik unterstützt dabei die Beteiligten und hilft bei den Entscheidungsprozessen.«

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann äußerte sich nach dieser Veranstaltung zuversichtlich. »Ich bin sicher, dass wir gemeinsam mit den Verantwortlichen der Krankenhäuser in NRW zu verbesserten Organisationsabläufen der Organspende kommen werden und damit den Menschen auf den Wartelisten helfen. Gesprächsrunden wie heute unterstützen diesen Weg, deshalb werden wir diese ––da sind sich alle Initiatoren einig ––auch in den nächsten Monaten fortsetzen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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