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Lange Schlange vor der Kfz-Zulassungsstelle
Wartezeit aber nicht länger als sonst

Über zwei Stunden Geduld musste Ilka Teschner mitbringen, ehe sie Schild mit Plakette und die erforderlichen Papiere in den Händen hielt.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

jak Siegen. Ist es normale Freude oder Schadenfreude, als Ilka Teschner das Kennzeichen mit der Plakette des Kreises Siegen-Wittgenstein in den Händen hält? Wohl von beidem ein bisschen. Denn nun endlich kann das geliebte Zweirad auch im Straßenverkehr bewegt werden. Aber der Weg bis dahin? Steinig und langatmig. „Wir sind jetzt seit über zwei Stunden hier“, ärgert sich ihr Ehemann Rainer im Gespräch mit der SZ. Er steht draußen auf dem Parkplatz, denn das Coronavirus und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen machen auch vor der Zulassungsstelle des Kreises nicht Halt.
Wartezeit nicht länger als sonstDoch die Wartezeit der Teschners, so macht es Pressesprecher Torsten Manges deutlich, habe nichts mit der Pandemie zu tun.

jak Siegen. Ist es normale Freude oder Schadenfreude, als Ilka Teschner das Kennzeichen mit der Plakette des Kreises Siegen-Wittgenstein in den Händen hält? Wohl von beidem ein bisschen. Denn nun endlich kann das geliebte Zweirad auch im Straßenverkehr bewegt werden. Aber der Weg bis dahin? Steinig und langatmig. „Wir sind jetzt seit über zwei Stunden hier“, ärgert sich ihr Ehemann Rainer im Gespräch mit der SZ. Er steht draußen auf dem Parkplatz, denn das Coronavirus und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen machen auch vor der Zulassungsstelle des Kreises nicht Halt.

Wartezeit nicht länger als sonst

Doch die Wartezeit der Teschners, so macht es Pressesprecher Torsten Manges deutlich, habe nichts mit der Pandemie zu tun. Dass Menschen beim Zulassen ihres Autos warten, falle jetzt einfach nur mehr ins Auge. Denn: Seit die Zulassungsstelle wieder normal geöffnet hat, ist ein Teil der Prozedur nach draußen verlegt worden. Ein Security-Mitarbeiter übergibt die Wartemarke, die sonst in der Zulassungsstelle von einem Automaten ausgespuckt wird. Und so blicken zahlreiche Augenpaare nun vom Parkplatz aus auf den Monitor, der an der Glasfassade der Behörde hängt. Wer dran ist, wird von dem Sicherheitsmann in gelber Weste hereingeführt und an den zuständigen Schalter verwiesen.

Terminvergabe nicht die Lösung

Geht das nicht anders? Ohne Wartezeit? Ja und nein, sagt der zuständige Amtsleiter Thomas Schneider: „In anderen Landkreisen oder kreisfreien Städten müssen Termine gemacht werden. Die Dauer eines Vorgangs ist aber höchst unterschiedlich.“ Ein Blick nach Berlin oder Gelsenkirchen, teilweise sogar in die SI-Nachbarkreise, offenbart das Dilemma: Dort wird eine Standardzeit für einen „Kundenbesuch“ angenommen, beispielsweise eine Viertelstunde. „Eine Standard-Anmeldung schaffen wir aber in viel kürzerer Zeit“, sagt Schneider. Das Ergebnis in Berlin und Co.: wochenlange Wartezeit auf einen freien Termin in der Zulassungsstelle.

Nachfragespitzen in der Zulassungsstelle

Im Schnitt, so Thomas Schneider, müsse man beim Kreis Siegen-Wittgenstein rund 25 Minuten warten, keinesfalls aber Tage oder Wochen. Aber natürlich gebe es auch Nachfragespitzen – beispielsweise war das zu Beginn des Monats Juli so. Einer der Gründe: Die Senkung der Mehrwertsteuer hat zahlreiche Menschen dazu veranlasst, ein Auto zu kaufen – oder eben zu verkaufen: „Es gibt eben Tage, da staut es sich hier.“
Brückentage seien beispielsweise ebenfalls dafür bekannt, lange Wartezeiten zu verursachen. Wohl dem, der sein Auto bei einem heimischen Händler gekauft hat. Hier fällt die Wartezeit weg. Schneider: „Rund 70 Prozent unserer Zulassungen sind Händlerzulassungen.“ Und für die restlichen 30 Prozent gibt es Alternativen.

Zulassungsdienste nicht unbedingt günstig

Zulassungsdienste bieten beispielsweise den Service an, sich um alles zu kümmern: Vom Wunschkennzeichen über die Prägung der Schilder bis zum Versand des Fahrzeugscheins an den Kunden. Der Haken: Im Vergleich zum „Selbstanstellen“ ist diese Variante nicht ganz billig. Bei einer SZ-Stichprobe verlangt ein Unternehmen für seine Dienste beispielsweise 139 Euro.

Online-Zulassung kaum genutzt

Ebenfalls für viele machbar: Die Online-Zulassung. Doch erfahrungsgemäß nehmen diesen Service der Zulassungsstelle bis heute nur wenige Menschen wahr. „Die Leute haben ein Problem damit, ihre Daten online zu nutzen.“ Denn für diesen Verwaltungsakt via World Wide Web ist der elektronische Personalausweis nötig. Normalerweise. Doch was ist in Coronazeiten schon normal? So hat der Kreis vor einigen Wochen sogar die Online-Zulassung ohne die Nutzung der digitalen Ausweisfunktion eingeführt. „Die Kunden können ihre Ausweisdaten jetzt auch so eingeben“, sagt Schneider. Rund 100 Fahrzeughalter haben von dem Service bislang Gebrauch gemacht. Und selbst wer seine Unterlagen per „Schneckenpost“ an die Zulassungsstelle sendet, wird laut Kreis derzeit bedient: „Innerhalb weniger Tage kommen die Unterlagen per Post zurück.“

100.000 Vorgänge im Jahr 2019

Die Mitarbeiter in der Zulassungsstelle haben also auch derzeit alle Hände voll zu tun. „Rund 100.000 Vorgänge haben sie im Jahr 2019 bearbeitet“, sagt Torsten Manges. Wann sie gerade wenig auf dem Schreibtisch haben, erfahren Autokäufer aber weiterhin erst, wenn sie an der St.-Johann-Straße angekommen sind. Entweder stehen sie in einer Schlange – oder eben nicht.

Autor:

Jan Krumnow aus Wilnsdorf

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