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Pedelecs als Einsteigerräder nicht geeignet
Warum Kinder keine E-Bikes brauchen

Ein seltenes Bild: Kinder sind kaum mit dem E-Bike unterwegs.

tile Siegen/Olpe/Freudenberg. Massenbewegungen in den Wäldern, Lieferengpässe und politische Ambitionen, das Radwegenetz auszubauen – die neue Lust am Fahrradfahren lässt sich an verschiedenen Indizien ablesen. E-Bikes und Pedelecs haben die Menschen buchstäblich elektrifiziert. Corona sorgt seit dem Frühjahr für einen zusätzlichen Anreiz, sich auf das Zweirad zu schwingen. Gerade älteren Semestern kommt die Antriebsunterstützung entgegen. Aber wie sieht es bei der anderen Gruppe aus, für die das Treten in die Pedale hier und da noch sehr anstrengend ist: den Kindern. Schlägt der Trend bis zu ihnen durch?
Kein E-Bike-Boom bei KindernEinen E-Bike-Boom bei Kindern kann Silke Genehr nicht bestätigen.

tile Siegen/Olpe/Freudenberg. Massenbewegungen in den Wäldern, Lieferengpässe und politische Ambitionen, das Radwegenetz auszubauen – die neue Lust am Fahrradfahren lässt sich an verschiedenen Indizien ablesen. E-Bikes und Pedelecs haben die Menschen buchstäblich elektrifiziert. Corona sorgt seit dem Frühjahr für einen zusätzlichen Anreiz, sich auf das Zweirad zu schwingen. Gerade älteren Semestern kommt die Antriebsunterstützung entgegen. Aber wie sieht es bei der anderen Gruppe aus, für die das Treten in die Pedale hier und da noch sehr anstrengend ist: den Kindern. Schlägt der Trend bis zu ihnen durch?

Kein E-Bike-Boom bei Kindern

Einen E-Bike-Boom bei Kindern kann Silke Genehr nicht bestätigen. Pedelecs in der Größe 24 Zoll beispielsweise würden nur eine Handvoll im Jahr verkauft, sagt die Verkaufsleiterin von Bicycles & More in Freudenberg. Ab dem Teenager-Alter sei ebenfalls nur eine ganz leicht erhöhte Nachfrage zu erkennen. „Diese Kinder fahren dann in der Regel schon ein paar Jahre Fahrrad“, sagt Silke Genehr.
Pedelecs in der Größe 20 Zoll? Da erteilt Thorsten Feldmann von Fahrrad Feldmann in Olpe den Herstellern eine klare Absage: „Das machen wir nicht mit, da hört der Spaß auf!“ Als Händler trage man auch eine Verantwortung. Selbst 24er-E-Räder „verkaufen wir nicht, weil es das Kind unbedingt will, sondern nur, wenn die Familie dahinter steht und ebenfalls mit Pedelecs unterwegs ist“. Die Nachfrage sei aber ohnehin nicht hoch. Nicht zuletzt, weil es auch eine Preisfrage sei. So mit zwölf oder 13 Jahren würden sich die Jugendlichen allerdings schon vermehrt auf das Leasing-Bike der Eltern schwingen – aber eben mit Fahrerfahrung.

Räder wachsen mit Kindern mit

Als Problem im öffentlichen Raum sind „E-Kids“ noch nicht auffällig geworden, erklärt der Polizeisprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein, Michael Zell. Auch bei der Verkehrswacht Siegerland schrillen noch keine Alarmglocken. Der E-Bike-Boom sei insgesamt ja noch recht jung, sagt Geschäftsführer Norbert Schellmann. Natürlich beobachtet man die Entwicklung. Aber gerade bei den Modellen für Kinder bis zehn oder zwölf Jahren sei es aus seiner Sicht fraglich, ob sich Pedelecs im Markt überhaupt durchsetzten. Da es sich empfehle, die Räder mit den Kindern mitwachsen zu lassen, stünde theoretisch alle zwei Jahre ein größeres an. E-Bikes seien dafür einfach zu teuer.
Dennoch bedeuten Kinder auf E-Rädern eine potenzielle Gefahr im Straßenverkehr – für sich und andere. „Bis zum zehnten Lebensjahr sind Kinder gar nicht in der Lage, sich verkehrsgerecht zu verhalten“, verweist Norbert Schellmann auf entsprechende Untersuchungen. Daher fänden die Fahrradprüfungen auch erst in den 4. Klassen statt.

Motorik schlechter ausgeprägt

Insgesamt stellt die Verkehrswacht Siegerland eine schlechter ausgeprägte Motorik als noch vor einigen Jahren bei den Kindern fest. Der frühe Zugang zu neuen Medien, aber auch das abnehmende Engagement in Familien, die Kinder ans Fahrradfahren heranzuführen, führten zu mehr Unsicherheit auf dem Rad. Ein seltenes Bild: Kinder sind kaum mit dem E-Bike unterwegs. Foto: Pixabay
Dass die individuellen Fahrerfahrungen sehr unterschiedlich sind, bestätigt Apl.-Prof. Dr. Helmut Lötzerich an der Deutschen Sporthochschule Köln. Als Einsteigerräder seien Pedelecs – Kindermodelle unterstützten bis zu 20 km/h – ohnehin nicht geeignet. Zwar gelte die Faustformel, je höher die Geschwindigkeit, desto einfacher ist es, die Balance zu halten. Gleichzeitig aber müsse man mit dieser Schnelligkeit, gerade im öffentlichen Verkehr, auch umgehen können. Der Sportwissenschaftler meint allerdings auch: „Wenn es dazu führt, dass Kinder öfter und auch weitere Strecken fahren, ist das erst einmal positiv.“ Aus gesundheitlicher Sicht müsse man wiederum feststellen, dass die Herzfrequenz beim Radeln mit Antriebshilfe deutlich niedriger sei als beim normalen Fahrradfahren.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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