Experten am SZ-Telefon
Was man zum Thema Impfen wissen sollte

Dr. Michael Klock (r.) und Dr. Thomas Gehrke klären bei der SZ-Telefonaktion viele offene Fragen.

ap Eiserfeld. Die Telefone standen nicht einmal still. Bei der gemeinsamen Aktion der SZ und des Siegen-Wittgensteiner Impfzentrums haben drei Experten eine Stunde lang Fragen rund um das Thema Impfen beantwortet – und davon gab es viele. „Ich denke, wir haben einiges klären können“, zeigt sich Dr. Michael Klock optimistisch. Doch was hat die Anrufer am meisten beschäftigt? Wo gab es die größten Unsicherheiten? Die SZ hat die wichtigsten Anliegen und Fakten zusammengefasst.

Der Termin

„Im Fernsehen wurde gesagt, dass telefonische Termine nur dann gültig sind, wenn sie anschließend per Brief oder vom Hausarzt bestätigt wurden. Das ist falsch! Die Leute sollen trotzdem kommen und können gewiss sein, dass sie nicht zurückgewiesen werden“, nimmt Dr. Thomas Gehrke, Leiter des Impfzentrums, vorweg. Mitgebracht werden sollten dann ein gültiger Personalausweis, die Versichertenkarte sowie die Bestätigung – wenn vorhanden.

Der Impfstoff

Welcher Impfstoff injiziert wird, ist nicht frei wählbar und richtet sich rein nach dem Alter: Ab 65 Jahren gibt es die Biontec-Impfung, alles darunter wird mit AstraZeneca geimpft. Während der Impfstoff von AstraZeneca frühestens nach neun bis zwölf Wochen zum zweiten Mal injiziert werden kann, muss der von Biontec in einem Zeitraum von 21 bis 42 Tagen zum zweiten Mal verabreicht werden, um eine volle Wirksamkeit zu garantieren. Grund dafür ist die unterschiedliche Wirkweise. Besonders im Hinblick auf den AstraZeneca-Wirkstoff gibt es große Unsicherheiten. Weder zur Wirksamkeit, noch zu den vermeintlichen Nebenwirkungen gibt es bislang eine klare Datenlage. „Das sind teilweise Mutmaßungen“, erklärt Klock, „aber was ich sagen kann: Der Impfstoff ist gewissenhaft hergestellt.“ Der Geisweider Geriatrist stellt außerdem klar: „Ja, der Impfstoff macht Reaktionen.“ Diese könnten beispielsweise grippeähnlichen Symptomen gleichen und je nach Alter oder Gesundheitszustand unterschiedlich stark ausfallen. „Aber er macht keine Erkrankungen.“
Er helfe über die kalten Monate, bis die warme Jahreszeit kommt und das Infektionsrisiko wieder sinkt, so Gehrke. Dadurch habe man Corona in seiner Ursprungsform erst einmal im Griff. Zeit gewinnen lautet also die Devise. Sollten dann die Mutanten kommen, könne man mit Biontec weiterimpfen. „Deshalb ist es sinnvoll, auch den AstaZeneca Impfstoff zu nehmen. Wir können damit Massen von Menschen schützen.“

Nebenwirkungen und Impfreaktionen

Es sind keine großen Nebenwirkungen zu erwarten. Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten sind keine Hinderungsgründe für eine Impfung. Das gilt auch für Antibiotika- oder Penicillin-Unverträglichkeiten. Auch blutverdünnende Mittel führen in der Regel zu keinen Problemen bei der Impfung. Vorsichtig sollte man lediglich bei schwerwiegenden allergischen Reaktionen, beispielsweise auf Insektenstiche, sein.
Sollte es dennoch nach einer Impfung zu einer sogenannten anaphylaktischen Reaktion kommen, können Gegenmaßnahmen direkt im Impfzentrum vorgenommen werden. „Dafür sind wir voll ausgestattet, und die meisten Kollegen waren früher Notarzt.“

Chronische Erkrankungen

In erster Linie erfolgt eine Priorisierung nach dem Alter. Nur bei schwerwiegenden chronischen Erkrankungen, wie etwa Lungenerkrankungen, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Immunerkrankungen wie MS oder HIV, ist eine vorgezogene Impfung durch eine ärztliche Bescheinigung möglich – und auch dringend empfohlen.
Impfung nach einer Corona-Infektion
Wenn die Covid-19-Infektion weitestgehend symptomarm war, ist eine Impfung ratsam und erforderlich. Bei stärkeren Symptomen wie Fieber, Husten mit Auswurf oder Gliederschmerzen sollte man ein halbes Jahr mit der Impfung warten. Gleiches gilt für starke Nebenwirkungen nach der ersten Impfung – auch dann sollte man dem Körper bis zur zweiten Impfdosis diese Zeit zur Regeneration geben.

Verfügbarkeit des Impfstoffs

Das Impfzentrum bestellt den Impfstoff direkt beim Ministerium. Dort werden die Dosen vergeben und per Spedition verschickt. Ein Engpass ist folglich auf den Speditionsdienst und nicht das Ministerium oder etwa das Impfzentrum selbst zurückzuführen. „Das hat rein was mit der Logistik zu tun“, informiert Klock. Derzeit seien jedoch genügend Impfdosen vorrätig.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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