Was passierte am Bahnhof?

Was ist in einer Nacht Ende 2014 am Siegener Bahnhof passiert? Das muss derzeit das Jugendschöffengericht klären. Archivfoto: ihm
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stö - „Ich habe an ihrem Gesichtsausdruck gesehen, dass nicht alles gut war“, sagte die Freundin des Opfers gestern vor dem Jugendschöffengericht in Siegen aus. Verhandelt wurde der Fall einer Vergewaltigung, bei dem sich ein 29-Jähriger verantworten muss. Als die heute 18-jährige Nebenklägerin ihre Aussage machte, wurde die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Rückblick: Samstagabend, 15. November 2014, Bahnhof Siegen. Zwei junge Frauen sind nach dem Feiern auf dem Weg nach Hause. Sie verpassen ihren Zug. Rund eine Stunde müssen sie warten, dann erst kommt der nächste. Die Schülerinnen sprechen zwei Männer an, deren Kleidung deutlich macht, dass sie für ein Bahnunternehmen arbeiten und wollen von ihnen die Abfahrt des nächsten Zuges bestätigt haben. Die beiden Männer, für die Reinigung der Züge verantwortlich, sollen den jungen Frauen angeboten haben, in ihrem Pausenraum die Zeit zu überbrücken.

Eine der Frauen muss auf die Toilette. Da das WC im Gebäude nicht genutzt werden kann, soll der Angeklagte ihr einen Zug aufgeschlossen haben, sodass sie die Toilette dort nutzen konnte. Er soll die junge Frau in einen anderen Teil des Zuges geführt haben, sie dort bedrängt, bedroht und gezwungen haben, sexuelle Handlungen vorzunehmen – so lautet die Anklage. Der Angeklagte gab am Donnerstag an, die Frau erst zweimal gesehen zu haben. Vor Gericht und, wie sich herausstellte, bei einer zweiten Begegnung am Bahnhof, die mit einer weiteren Straftat einherging. Das Opfer diesmal: der Angeklagte. Denn zu diesem Treffen kam es eine Woche nach der am Donnerstag verhandelten, mutmaßlichen Tat, als die Nebenklägerin mit ihren Freunden wieder feierte und sie den Zug von Siegen aus nehmen wollten. Die 18-Jährige glaubte, ihren Peiniger wiederzuerkennen. Ein Freund von ihr, als Zeuge geladen, ging damals auf ihn los (seine Verhandlung ist bereits abgeschlossen). Die junge Frau hatte sich dem 19-jährigen Freund anvertraut. Sie sei jetzt „nicht mehr so lebensfroh wie vorher“, erzählte der und meinte damit vor der mutmaßlichen Tat in dem Zug.

Die Freundin der Nebenklägerin, die sie begleitet haben soll, habe damals ein ungutes Gefühl gehabt, ihr sei bei dem Ganzen nicht wohl gewesen. Das betonte die 17-Jährige immer wieder. Ihre Freundin sei manchmal etwas naiv, bewerte Situationen anders, als sie selbst es tue. Sie habe gar nicht erst mitgehen wollen, doch ihre Freundin habe keine Gefahr darin gesehen. In letzter Minute habe das Duo an jenem Abend endlich seinen Zug bekommen, und eben da habe sie schon gemerkt, dass etwas nicht stimme. Ihre Freundin habe angefangen zu weinen, sich selbst zu verletzten, den Kopf gegen die Sitze zu stoßen und ihre Arme blutig zu kratzen. Dann habe sie erzählt, was passiert sei – und daran zweifle sie als Freundin nicht.

Die Aussagen aber, die vor Gericht getroffen wurden, wiesen Widersprüche auf. Die ehemaligen Kollegen des Angeklagten bestritten beispielsweise, jemals nur eine Frau mit in den Pausenraum genommen zu haben, geschweige denn mit zweien irgendwo gewartet zu haben. Auch widersprüchlich: Ob und wie lange Pausen gemacht wurden, in denen eine solche Tat möglich gewesen wäre. Der Verteidiger beantragte die Aufnahme eines weiteren Beweises. Wie genau werden die Türen des Zuges geöffnet? Wann geht das Licht an in den Waggons und wie lange brennt es? Das soll mit dem Beweis geklärt werden. Die Staatsanwältin und die Vertreterin der Nebenklage lehnten ab. Das habe mit der eigentlichen Tat nichts zutun. Über die technischen Vorgänge wollten der Richter und die Schöffen jedoch genauer Bescheid wissen. Richter Peter Kolb betonte, dies habe „keinen unerheblichen Einfluss auf die Entscheidung“ und könne die Glaubwürdigkeit der Nebenklägerin in Frage stellen. Warum diesbezüglich nicht bereits ermittelt worden sei, hinterfragte er. Dem Beweisantrag wurde stattgegeben. Jetzt wird die Verhandlung voraussichtlich am 20. Februar fortgesetzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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