BIS AUF WEITERES
Was soll ich tun?

SZ-Redakteur Dr. Andreas Göbel.
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Mein neuerdings beschädigtes Festnetztelefon der Marke Panasonic ruft Erinnerungen in mir wach an den Science-Fiction-Film „Lautlos im Weltraum“ von 1972. In dem Klassiker geht es um eine Raumschiffflotte, die seit acht Jahren im Sonnensystem herumkurvt. Es sind keine gewöhnlichen Schiffe, sondern sie transportieren jedes eine große Glaskuppel mit den letzten Wäldern der unbewohnbar gewordenen Erde. Als der Befehl an die Flotte ergeht, die Kapseln zu sprengen und zur Erde zurückzukehren, weil die Schiffe anderweitig gebraucht werden (ich vermute mal Krieg), nimmt das Drama seinen Lauf. Astronaut Freeman Lowell widersetzt sich der Order, es bricht ein Kampf an Bord der Valley Forge aus, in deren Verlauf seine drei Kollegen ihr Leben verlieren. Zurück bleiben Lowell und zwei Roboter, einer davon, der kleinere namens Huey, defekt.

Mein Telefon hatte ich auf dem Balkon liegengelassen, als ein Siegerländer Platzregen niederging. Ähnlich wie mit Huey kann man mit ihm noch kommunizieren, aber es hat sichtbare Schäden davongetragen, denen ich auch mit Zerlegen, Fönen und Einbetten in ein Glas mit Reiskörnern nicht beikommen konnte. Es gibt am Tag und in der Nacht seltsame Töne von sich und das Display zeigt alle Arten von nervösem Grau, als ob man im dichten Nebel nachts über die Themse durch London schippert.

Im Laufe des Films werden die Roboter, die nicht sprechen können, dafür aber Geräusche von sich geben, immer menschlicher. Sie sorgen nicht nur für den Wald, auch der lädierte Huey begreift die Grundzüge des Pokerspiels und kann einfache chirurgische Eingriffe vornehmen. Ich habe gelesen, dass in den Robotern jeweils beidseitig beinamputierte Menschen steckten, die auf Händen laufen, was die tapsige Art erklärt, mit der sie sich fortbewegen. Der Shitstorm, der wegen Verstoßes gegen die Political Correctness losbrechen würde, wenn man das heute in irgendwelchen Studios so drehen würde, übersteigt meine Vorstellungskraft. Am Ende sprengt Freeman sich und Huey in die Luft, während die Kapsel und der andere Versorgungsroboter lautlos durch das All treiben, einem unbestimmten Schicksal entgegen. – Was soll jetzt aus meinem Telefon werden?

a.goebel@siegener-zeitung.de

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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