Was wandert - Mühle oder Grenze?

 Blick in die Mennekes-Wälder um Heiligenborn. Das hier geplante Windrad wird nun nicht „mittendrin“ errichtet, sondern außerhalb des künftigen Wildnisgebiets. Entweder wandert das Windrad oder die Grenze des Wildnisgebiets. Foto: Archiv
  • Blick in die Mennekes-Wälder um Heiligenborn. Das hier geplante Windrad wird nun nicht „mittendrin“ errichtet, sondern außerhalb des künftigen Wildnisgebiets. Entweder wandert das Windrad oder die Grenze des Wildnisgebiets. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

nik - Kaum war es vollbracht, zogen auch schon Wolken auf über Heiligenborn: Erst vor wenigen Tagen hatte Dieter Mennekes als erster Privatwaldbesitzer in Nordrhein-Westfalen eine Fläche von 350 Hektar in die europäische Wildnisgebiets-Kulisse integriert (die Siegener Zeitung berichtete). Unberührt von menschlicher Hand, darf hier in Zukunft alles wachsen und gedeihen. Dies zu ermöglichen, musste Mennekes die umgerechnet 500 Fußballfelder in eine eigene Naturschutzstiftung überführen. NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte noch beim Pressetermin in Heiligenborn seiner Begeisterung in warmen Worten Ausdruck verliehen: „Wildnisgebiete sind die Urwälder von morgen. Sie sind Garanten für die biologische Vielfalt in unserem Land und Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten.“ Der Stifter selbst, 73-jähriger Ex-Unternehmer aus Kirchhundem und heute in Sachen Umweltschutz engagiert, sprach davon, „Waldmystik“ und „Waldästhetik“ vermitteln zu wollen. Die Menschen sollten den Schutzgedanken der wertvollen Wälder begreifen.

Angesichts dessen ging Leser Lothar Hayo der Hut hoch. Der Sprecher der Bürgerinitiative WEGAS (Windenergie aber sinnvoll) aus Bad Laasphe hat auf die geplanten Windkraftanlagen in Sohl, Heiligenborn und Umgebung ohnehin ein kritisches Auge und wandte sich an die SZ: Er vermisse in der Berichterstattung den Hinweis darauf, dass für den zukünftigen Urwald zwei Windkraftanlagen beantragt wurden, „die aus diesem herrlichen Naturparadies herausragen sollten“. Und weiter: „Wie kann man nur so schizophren sein und hier Dinge, die sich eigentlich ausschließen, zusammenfassen? Es kommt einem schon sauer hoch, wie sich hier zwei sogenannte Naturfreunde öffentlich feiern lassen.“

Eine Nachfrage beim Kreis brachte Klarheit. Tatsächlich: Eine der sieben von Betreiber Juwi Wind geplanten Anlagen war für die künftige Naturwaldzelle vorgesehen. Die hieraus erwachsende Pacht wollte Dieter Mennekes wiederum in die Naturschutzstiftung fließen lassen. Ursprünglich waren sogar zwei Anlagen auf diesem Gebiet genehmigt worden. Da sich eine davon jedoch in unmittelbarer Nähe zur Ilsequelle befunden hätte – die nicht zum künftigen „Urwald“ zählt –, sah der Betreiber vom geplanten Bau ab. 

Blieb die Frage, ob sich ein solches Bauvorhaben in einem künftigen Wildnisgebiet nicht mit dem hier propagierten Naturschutzgedanken beißt. Helmut Kneppe, zuständiger Dezernent beim Kreis Siegen-Wittgenstein, war im Gespräch mit der SZ nicht dieser Ansicht. Ob es sich bei dem betreffenden Gebiet um eine Wildnis oder um keine Wildnis handele, spielt im Zuge des Genehmigungsverfahrens zunächst einmal keine Rolle. In diesem Fall waren alle erforderlichen und üblichen Kriterien hinsichtlich Artenschutz, Naturschutz, Landschaftsschutz etc. erfüllt, was auch für die Zu- und Abwege galt. Wenig Besorgnis, dass Windrad und Wildnis einander künftig in die Quere kommen könnten, hegte man auch beim Landesbetrieb Wald und Holz: Der Forstbetrieb hatte unter Bezugnahme auf sämtliche erfüllten Kriterien die Umwandlung des Waldes in ein Wildnisgebiet durchgewunken – mit dem Windrad darin. Die Anfrage der SZ ergab jedoch eine Überraschung: „Das Windrad wird außerhalb errichtet“, erklärte Sprecher Michael Blaschke.

Die Kurskorrektur begründete Blaschke damit, dass besagter Pressetermin in Heiligenborn eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt hätte stattfinden sollen. In diesem frühen Stadium seien schlicht die Verträge noch nicht unter Dach und Fach. Tatsächlich sollen diese erst im Sommer unterzeichnet werden. Blaschke: „Es gab hier noch einige Unschärfen.“ Zu denen offenbar auch der Standort einer geplanten Windkraftanlage zählte. Nun sind zwei Optionen im Gespräch.

Möglichkeit eins: Die Grenzen des Wildnisgebiets werden verschoben, dessen Fläche dadurch „geringfügig“ verkleinert. Möglichkeit zwei: Der Standort der Anlage wird neu bestimmt. Dies zöge ein neuerliches Genehmigungsverfahren nach sich und könnte dem Bauherrn eine Verzögerung von einem halben Jahr eintragen. Michael Blaschke: „Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Windrad nicht in der Wildnis stehen wird.“

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