SZ

Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Wegezeichner des SGV im Einsatz

Hier stand Helmut Fick, Wegewart der SGV-Abteilung Krombach, in der jüngsten Vergangenheit noch „in dunklem Tann“. Der Borkenkäfer setzte den Fichten auch auf der Kaiserhöhe mächtig zu. Derzeit wird dort fleißig gefällt. Gerade an Gabelungen wird die Arbeit der ehrenamtlichen Wegezeichner schwierig. Wenn gar keine Stämme mehr stehen, müssen Pfähle in den Waldboden eingepflockt werden.
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  • Hier stand Helmut Fick, Wegewart der SGV-Abteilung Krombach, in der jüngsten Vergangenheit noch „in dunklem Tann“. Der Borkenkäfer setzte den Fichten auch auf der Kaiserhöhe mächtig zu. Derzeit wird dort fleißig gefällt. Gerade an Gabelungen wird die Arbeit der ehrenamtlichen Wegezeichner schwierig. Wenn gar keine Stämme mehr stehen, müssen Pfähle in den Waldboden eingepflockt werden.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Siegen/Bad Berleburg. Erinnerungen an die Wochen nach „Kyrill“ werden wach: Wer damals, nachdem der Orkan über die Region gefegt war und ungezählte Bäume hatte in die Knie gehen lassen, selbst auf lang bekannten Pfaden unterwegs war, geriet hier und dort gedanklich ins Straucheln: Wo, bitte schön, ist meine Abbiegung geblieben?
China benötigt Käferholz für boomende Baubranche
Seit geraumer Zeit nun setzt der Borkenkäfer dem heimischen Forst mit rücksichtslosem Heißhunger hemmungslos zu, und das dadurch unverzichtbare massenhafte Fällen von Fichte und Co. führt zu vergleichbaren Situationen. Immer wieder verlieren Ortsfremde und -kundige die Orientierung, weil bekannte „Landmarken“ fehlen.

nja Siegen/Bad Berleburg. Erinnerungen an die Wochen nach „Kyrill“ werden wach: Wer damals, nachdem der Orkan über die Region gefegt war und ungezählte Bäume hatte in die Knie gehen lassen, selbst auf lang bekannten Pfaden unterwegs war, geriet hier und dort gedanklich ins Straucheln: Wo, bitte schön, ist meine Abbiegung geblieben?

China benötigt Käferholz für boomende Baubranche

Seit geraumer Zeit nun setzt der Borkenkäfer dem heimischen Forst mit rücksichtslosem Heißhunger hemmungslos zu, und das dadurch unverzichtbare massenhafte Fällen von Fichte und Co. führt zu vergleichbaren Situationen. Immer wieder verlieren Ortsfremde und -kundige die Orientierung, weil bekannte „Landmarken“ fehlen. Kaum ist man mehrere Wochen nicht über die Hausstrecke gejoggt, schon kann es passieren, dass man die Orientierung verliert.

Borkenkäfer beschert dem SGV große Probleme

Erschwerend kommt hinzu: An etlichen der gefällten Bäume prangten bis vor Kurzem noch die Wegezeichen des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV). „Der Borkenkäfer beschert uns große Probleme“, bestätigt Udo Reik-Riedesel, Vorsitzender des SGV-Bezirks Siegerland. „Einige Markierer wissen schon nicht mehr, was sie machen sollen. Sie kommen nicht mehr hinterher.“ Ideal wäre es, wenn die jeweiligen Waldbesitzer sich vor größeren Fällaktionen – insbesondere, wenn diese Waldwege berühren – mit den SGV-Abteilungen in Verbindung setzten. „Dann könnten z. B. zumindest einzelne Baum–stümpfe stehen bleiben, damit dort unsere Markierungen aufgeklebt werden können“, so Reik-Riedesel. „Ansonsten haben wir ja keine Chance!“ Die einzige Alternative für die Wegewarte: „Sie müssen gegebenenfalls Pfosten in die Erde rammen – das wiederum geht aber nur mit Zustimmung der Grundstückseigentümer.“ Auch dies ist nicht „mal eben schnell“ getan, verdeutlicht der erste Mann des Siegerländer SGV: „Auf einem 20 km langen Verbindungsweg gibt es durchaus mehrere Besitzer.“ Er selbst war kürzlich auf dem Deuzer Richard-Müller-Weg unterwegs: „Auch dort gibt es Abschnitte, die erheblich abgeforstet sind.“

Alle sollen wissen, wo es lang geht

Grundsätzlich sorgten die Wegemarkierer dafür, dass pro Jahr etwa ein Drittel der Wege gezeichnet würden. „In Netphen aber z. B. gibt es 180 km, das sind dann also 60 pro Jahr. Wenn nun das Borkenkäferholz nicht genau dort fällt, wo in diesem Jahr Markierungen turnusmäßig anstehen, gibt es Probleme!“ Alles sei nicht sofort zu schaffen. Schließlich sorgen sich die Männer und Frauen ja auch ehrenamtlich darum, dass Wanderer, Radler und Jogger allzeit wissen, wo es lang geht.
Einer von ihnen ist Helmut Fick, der für die SGV-Abteilung Krombach rund 45 Kilometer „unter sich“ hat. Dort schaut er auch in diesen Tagen und Wochen nach dem Rechten und zeigt der SZ Gemarkungen, die ihr Antlitz schon deutlich verändert haben oder es gerade verlieren.

Dankbar sind Wegezeichner des SGV wie Helmut Fick, wenn Forstarbeiter Kalamitätsbäume oberhalb der Markierungen stehen lassen.
  • Dankbar sind Wegezeichner des SGV wie Helmut Fick, wenn Forstarbeiter Kalamitätsbäume oberhalb der Markierungen stehen lassen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Auf der Kaiserhöhe z. B. geht es beim Rundgang mit der SZ rund: Ein Hauptweg ist wegen Forstarbeiten und damit einhergehender Lebensgefahr gesperrt. Am Abzweig von A 1 und A 3 ist eine Markierung hinter Holzstapeln nahezu in der Versenkung verschwunden. Wo Wanderweg A 1 lang geht, ist also nicht sofort ersichtlich. Fick greift zu seinem Holzkistchen, in dem sich Kleber und Wegezeichen befinden, und rüstet einen Baum nach.

Alte Markierungen werden zügig erneuert

„Hier war einmal dunkler Tann“, erzählt er – auf einer weiten Lichtung stehend. Im weiteren Verlauf der Routen werde er wohl markierte Pfosten einfügen müssen. Birken markiert er ungern. Ein Grund: „Auf der schwarz-weißen Rinde sieht man unsere Schilder kaum.“ Auf der Krombacher Höhe, Richtung Altes Heck, hat sich das Gelände ebenfalls schon stark gelichtet. Da freut es den Wegewart, wenn der Pfad erst einmal keine Abzweigungen hat. Auf Wiederholungszeichen kann dann in der Not mal verzichtet werden. An einem einsamen noch grünen Tann prangt ein Zeichen-Trio. Wie lange noch? Wenn man das wüsste. Er freut sich, dass Forstarbeiter auf der Krombacher Höhe mitgedacht und einen stattlichen Stumpf haben stehen lassen. Die alte Markierung wird sogleich erneuert.

SGV hat die Lizenz zum „Zeichnen“ Nach § 59 des Landesnaturschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen ist der SGV die von der höheren Landschaftsbehörde befugte Organisation zur Markierung der Wanderwege in seinem Vereinsgebiet. Dieser Auftrag verpflichtet zu einer einheitlichen und qualitätsvollen Wegemarkierungsarbeit „mit Qualitäts-Wegemarkierungs-Material“. Ob Qualitätsweg, Hauptwanderweg, Naturerlebnispfad oder Ortsrundweg – im gesamten SGV-Gebiet erstreckt sich das Wegenetz auf über 43 000 Kilometer. Im Geltungsbereich des SGV-Bezirks Siegerland befinden sich davon rund 2620 Kilometer, im Bezirk Wittgenstein sind es 2100 Kilometer. Der Katalog der amtlich anerkannten Markierungszeichen im SGV-Vereinsgebiet umfasst ca. 800 Symbole – https://sgv.de/wegezeichen.html.

Für das Markieren – das Zeichnen wurde vor ein paar Jahren vom Kleben abgelöst – gibt es Vorgaben: Die Wegweiser müssen möglichst auf Augenhöhe, in Schrittrichtung links des Wegs angebracht werden – etwa alle 250 Meter eines, und natürlich an jeder Wegekreuzung und an jedem Abzweig. Was zu schaffen sei, werde erledigt, sagt Udo Reik-Riedesel: „Unsere Jahreshauptversammlung findet im März kommenden Jahres statt“, so der Bezirks-Vorsitzende: „Dann werden die Wege wohl ein Hauptthema sein.“

Blick in den SGV-Bezirk Wittgenstein

Im SGV-Bezirk Wittgenstein werden mehr als 2100 Kilometer Wanderwege betreut, die insbesondere in Corona-Zeiten intensiv genutzt werden. „Je nach Hanglage sind Gebiete intensiver betroffen als andere. Solche Gebiete hat aber jede SGV-Abteilung.“ Das teilte der Wittgensteiner SGV-Bezirksvorsitzende Dr. Torsten Spillmann auf SZ-Anfrage zum Thema mit.
Er hörte sich im Bezirkswegewarte-Team, speziell für den Bereich Banfe, um und erfuhr: Die Kalamitätsschäden sind kreisweit recht hoch – punktuell in verschiedenem Ausmaß. Im Gebiet Wittgenstein gibt es nur noch sehr wenige Bestände, die wenig bzw. gar nicht geschädigt sind. Ein Aktiver, der ehrenamtlich als Delegierter in der Waldbesitzervereinigung Wittgenstein tätig sei, habe seine Forstkollegen schon recht früh in Sitzungen gebeten, markierte Bäume oberhalb der Wegezeichen zu fällen und den Stumpf stehen zu lassen.
Im Bereich Banfe-Feudingen-Ilsetal sei dies auch so erledigt worden. An Punkten, wo Baumbestände komplett fehlen, haben die Wander- und Heimatfreunde Banfetal eine Lösung mit ca. 1 Meter hohen druckimpregnierten Kanthölzern und Bodeneinschlaghülsen erfolgreich praktiziert.“ Not macht erfinderisch!
Dieses Jahr waren aufgrund der Pandemie im Bereich Banfe laut SGV erfreulicherweise sehr viele Wanderer unterwegs. An den Wanderwegportalen wurde ich mittels Aushang vor den Gefahren durch geschädigte Baumbestände gewarnt. Negative Rückmeldungen gab es bislang keine – sicherlich ein Verdienst der ehrenamtlichen Wegemarkierer!
„Unsere Wegezeichner machen sehr gute Arbeit“, freut sich Spillmann dankbar. Ebenso funktioniere die Abstimmung mit den Waldbesitzern bzw. Forstunternehmen: „Die Wanderwege sind gut gezeichnet. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich die Wanderrouten digital auf das Handy oder GPS-Gerät zu laden.
Welche Herausforderungen durch die Trockenheit in den nächsten Jahren auf uns zukommt, bleibt abzuwarten.“ Beschwerden von Wanderern liegen momentan keine vor, hätten ihm die „Touristiker“ mitgeteilt. „Sollte eine Markierung fehlen, so wird der Wanderweg möglichst zeitnah kontrolliert.“ Für solche Rückmeldungen sei der SGV-Bezirk dankbar.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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