Oldtimer-Rallye "Marathon de la Route"
Wellness endete direkt in Spa

Das eingespielte „Moritz-Terrier-Racing-Team“: Fahrer Dr. Jörg Olzem (r.) und sein Co-Pilot Thomas Wagener fuhren mit dem MG B Baujahr 1976 beim „Marathon de la Route“ in Belgien und Frankreich mit.
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  • Das eingespielte „Moritz-Terrier-Racing-Team“: Fahrer Dr. Jörg Olzem (r.) und sein Co-Pilot Thomas Wagener fuhren mit dem MG B Baujahr 1976 beim „Marathon de la Route“ in Belgien und Frankreich mit.
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js Siegen/Eichen. Gemütliches Fahren ist nicht ihr Ding: Der Siegener Dr. Jörg Olzem und sein Stendenbacher Kumpel Thomas Wagener mögen es vielmehr sportlich – und außergewöhnlich. Beide sind seit jeher große Fans von Autos mit Charakter und dem gewissen Etwas, ihr Herz schlägt für Oldtimer. Mit dem bloßen Polieren und Bestaunen chromblitzender Schätzchen ist es für die beiden allerdings nicht getan; vielmehr möchten sie die alten Karossen auf Fahrt bringen.

Schon bei Rallye Monte Carlo Historique mitgefahren

Bei regionalen Oldtimer-Touren sind die beiden Siegerländer stets mit von der Partie. In jüngster Zeit aber juckt es die beiden nicht nur im Bleifuß, sie packt auch das Fernweh: Vor knapp zweieinhalb Jahren gehörten sie daher zum Starterfeld der Rallye Monte Carlo Historique (RMC). Auf die waren sie über ihren Mechaniker Charlie Fuhrländer gekommen, den sie bei dessen eigener Teilnahme im 1967er-Mini Cooper 2016 als Serviceteam begleitet hatten. Sein eigener Porsche war dem 41-jährigen Jörg Olzem zu schade für eine solche Tortur. Ein von Fuhrländer rallyetauglich umgerüsteter MG B, Baujahr 1976, ermöglichte es dem Begleitteam, zu Teilnehmern zu avancieren.

2500 Kilometer lange Tour

Im vergangenen Winter fehlte den beiden zwar nicht die Lust, wohl aber die Zeit, um an der Winterrallye an die Côte d’Azur an den Start zu gehen. Über die Pfingsttage wagten sie sich daher an eine etwas „kleinere“ Nummer heran – wobei sich diese als nicht weniger anspruchsvoll erweisen sollte: Der „Marathon de la Route“, mit 2500 Kilometern etwa halb so lang wie die historische Variante der legendären „Monte“, sorgte für eine viertägige Herausforderung der Extraklasse. Die Oldtimer-Rallye, an der 50 Teams aus Frankreich, Belgien, Großbritannien und Deutschland teilnahmen, führte zunächst aus drei Startpunkten nach Nancy.

Für das „Moritz-Terrier-Racing-Team“, benannt nach dem Hund des Autobesitzers und Piloten, fiel der Startschuss im belgischen Spa. Mit Wellness hatte die nun folgende Tour indes nichts zu tun – vielmehr war sie harte Arbeit für den lenkenden Hals-Nasen-Ohren-Arzt und seinen 38-jährigen Navigator, der selbst beruflich im Fahrzeugbau tätig ist.

Auf das Durchschnittstempo kam es an

Die Strecke führte über Besançon und Grenoble, über Vals-les-Bains nach Beaune. 44 Gleichmäßigkeitsprüfungen gab es auf dieser Route zu bestreiten – denn bei dieser Rallye geht es nicht darum, wer am schnellsten im Ziel ist; vielmehr muss unterm Strich die Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h erreicht werden. Um sich dem gewünschten Durchschnittstempo anzunähern, mussten die beiden zudem eine vorgegebene Schnitttabelle im Auge behalten, die mal mehr, mal weniger Tempo im ständigen Wechsel erforderte.

Handarbeit hinterm Armaturenbrett

Für das Duo Olzem/Wagener bedeutete dies nicht nur Teamwork, sondern auch präzise Handarbeit. Denn während einige der Konkurrenten sich moderner technischer Hilfsmitteln bedienten, hatten die Siegerländer sich mit ihrem analogen Wegstreckenzähler und Stoppuhr zu begnügen. Die richtige Route konnten die Teilnehmer aus einem Heft herauslesen, in dem die Organisatoren sie mit Hilfe von Chinesenzeichen ausgewiesen hatten. Anweisungen wie „in 150 Metern scharf links“ ließen sich dort herauslesen, mehr nicht. Ein Moment der Unachtsamkeit konnte somit verhängnisvoll sein. „Dann muss man wieder einen Einstiegspunkt finden“, schmunzeln die beiden Oldtimerfans, die sich einmal verfahren haben und eine Prüfung sausen lassen mussten.

Die Strecke selbst führte die alten Autos – zugelassen sind alle Fahrzeuge, deren Modell es Ende 1979 gab – praktisch über Stock und Stein. Gut ausgebaute Landstraßen, schmale Ortsdurchfahrten und unbefestigte Schotterwege wechselten sich ab. Insbesondere bei den Fahrten in die Nacht hinein war dies mitunter abenteuerlich. „In Frankreich ist nicht jede Straße mit Leitplanken abgesichert.“ Olzem und Wagener wussten daher oftmals nicht, ob es sich bei dem Dunkel abseits der Scheinwerferkegel um eine Wiese oder einen Abgrund handelte. Auch mit starkem Regen und Gewitter hatten die Rallye-Fahrer zu kämpfen.

Begleitfahrzeug blieb auf der Strecke

Besonders großes Pech hatte das „Moritz-Terrier-Racing-Team“, was die Begleiter betraf. Das Service-Fahrzeug von Charly Fuhrländer hatte eine Panne, streikte bereits nach dem zweiten Tag in Besançon und musste schließlich abgeschleppt werden. Auf der Strecke blieb damit nicht nur der Mann für alle Fälle, sondern auch das Gepäck der beiden Piloten. „Wir mussten uns also eine Zahnbürste besorgen“, erzählt Jörg Olzem. An Pfingsten sei auch nicht mal eben so an Einkaufen zu denken gewesen. Die Geschäfte in Frankreich hatten geschlossen. „Das war eine oberspannende Angelegenheit, wir mussten irgendwie zurechtkommen.“

Pleiten, Pech und Pannen

Gebraucht hätten die beiden den Mechaniker leider durchaus: Am Rande einer Wiese kollidierte der MG mit einem dicken Stein, der ihm einen ordentlichen Schlag versetzte. Nicht nur die Felge habe „ganz schön einen mitbekommen“, auch die Spurstange musste wieder zurechtgerückt werden. Ein belgisches Team half aus. Trotz Pleiten, Pech und Pannen: „Man darf erst aufgeben, wenn die Rallye vorbei ist“, betont Olzem – zu recht: Mit Platz 35 sind die Siegerländer gar nicht mal so schlecht weggekommen.

Bis zu den heimischen Oldtimer-Touren im Hochsommer soll der rote Flitzer aber wieder auf vier gesunden Rädern stehen. Dann wollen Jörg Olzem und Thomas Wagener sich erneut in das enge Fahrzeug zwängen und sich warmfahren für den kalten Winter: Ende Januar geht’s zur 23. Rallye Monte Carlo Historique. Die Vorfreude darauf lässt sich von einem Stein so schnell nicht ausbremsen.

Das eingespielte „Moritz-Terrier-Racing-Team“: Fahrer Dr. Jörg Olzem (r.) und sein Co-Pilot Thomas Wagener fuhren mit dem MG B Baujahr 1976 beim „Marathon de la Route“ in Belgien und Frankreich mit.
Harter Schlag: Ein dicker Stein am Wegesrand sorgte für einen beachtlichen Schaden am MG – das Service-Team war zu diesem Zeitpunkt längst aus dem Rennen.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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