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Unterschiedliches Vorgehen wegen Corona
Wen Zahnärzte jetzt noch behandeln

Zahnmediziner haben zu ihren Patienten naturgemäß einen engen Kontakt; die Ansteckungsgefahr hinsichtlich des Coronavirus ist besonders hoch. Yana Marmann (l.) aus Wenden verweist aber darauf, dass vor allem das Personal sich schützen müsse – gesunde Patienten dagegen könnten auch zu Routine-Untersuchungen bedenkenlos die Praxis aufsuchen. Andere Einrichtungen bitten dagegen um die Verschiebung von nicht unbedingt notwendigen Terminen.
  • Zahnmediziner haben zu ihren Patienten naturgemäß einen engen Kontakt; die Ansteckungsgefahr hinsichtlich des Coronavirus ist besonders hoch. Yana Marmann (l.) aus Wenden verweist aber darauf, dass vor allem das Personal sich schützen müsse – gesunde Patienten dagegen könnten auch zu Routine-Untersuchungen bedenkenlos die Praxis aufsuchen. Andere Einrichtungen bitten dagegen um die Verschiebung von nicht unbedingt notwendigen Terminen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Wenden/Erndtebrück/Burbach. Sie stehen in Zeiten der Corona-Krise mit an vorderster Front. Kaum jemand kommt dem gefährlichen Virus potenziell so nah wie Zahnärzte, die zu ihren Patienten im Alltag naturgemäß ganz besonders engen Kontakt pflegen und etwa beim Bohren feines Aerosol erzeugen – Sprühnebel, der in den Mund gespritzt wird und sich von dort ausbreitet, im Zweifel vollgepackt mit Viren und Bakterien. Das Ansteckungsrisiko für Zahnmediziner und ihre Mitarbeiter ist dementsprechend hoch, enorm hoch sogar. Die Unsicherheit bei den Patienten ist groß, hiesige Praxen berichten von teils massiven Nachfragerückgängen und erheblichen finanziellen Einbußen. Dabei gehen die Einrichtungen durchaus unterschiedlich mit der Situation um.

cs Wenden/Erndtebrück/Burbach. Sie stehen in Zeiten der Corona-Krise mit an vorderster Front. Kaum jemand kommt dem gefährlichen Virus potenziell so nah wie Zahnärzte, die zu ihren Patienten im Alltag naturgemäß ganz besonders engen Kontakt pflegen und etwa beim Bohren feines Aerosol erzeugen – Sprühnebel, der in den Mund gespritzt wird und sich von dort ausbreitet, im Zweifel vollgepackt mit Viren und Bakterien. Das Ansteckungsrisiko für Zahnmediziner und ihre Mitarbeiter ist dementsprechend hoch, enorm hoch sogar. Die Unsicherheit bei den Patienten ist groß, hiesige Praxen berichten von teils massiven Nachfragerückgängen und erheblichen finanziellen Einbußen. Dabei gehen die Einrichtungen durchaus unterschiedlich mit der Situation um. Während die einen versuchen, alle nicht notwendigen Termine zu verschieben, verweisen die anderen auf ein extremes Maß an Hygiene. Patienten sollten also bei „ihrem“ Zahnarzt nachfragen, vor allem hinsichtlich von Routine-Behandlungen. Die Versorgung im Notfall ist ohnehin stets sichergestellt.

"Der Patient ist hier nicht gefährdet"

„Es geht um das Überleben der Praxis“, sagt etwa Zahnärztin Yana Marmann aus Wenden, „aber auch um das unserer Mitarbeiter.“ Dass die Menschen den Termin beim Zahnarzt gegenwärtig meiden oder verschieben, vermag Marmann nicht nachzuvollziehen. „Der Patient ist hier nicht gefährdet“, stellt die Medizinerin mit Schwerpunkt auf Parodontologie klar und verweist auf „extrem hohe Hygienestandards“, die in zahnmedizinischen Einrichtungen ohnehin zum täglich Brot gehören. Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus habe man die Maßnahmen noch einmal verschärft, es säßen nie mehr als ein oder zwei Personen im großen Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis am Rathausplatz, Mitarbeiter öffneten die Tür, damit Patienten die Klinke nicht berühren müssten, sämtliche Gläser und Zeitschriften habe man aus den Räumlichkeiten verbannt. Yana Marmann: „Warum es dann in den Medien heißt ,Bloß nicht zum Zahnarzt’, kann ich nicht nachvollziehen.“ Auch die Wendener Praxis verzeichne einen deutlichen Rückgang der Patientenzahl, „50 Prozent weniger sind es auf jeden Fall. Dabei haben die Praxen Fixkosten“, sagt Marmann und spricht damit die Ausgaben für Miete, Material und Investitionen sowie nicht zuletzt natürlich die Gehälter für die Mitarbeiter an. Es müsse ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass nicht für die Patienten die Gefahr einer Ansteckung in den Zahnarztpraxen hoch sei, sondern für das Personal – obwohl Schutzkleidung und Desinfektionsmittel (noch) in ausreichender Menge vorhanden seien. Yana Marmanns Appell: „Seien Sie ehrlich und fair.“ Wer im Urlaub gewesen ist oder Kontakt zu einem Infizierten gehabt habe, solle den Gang zum Zahnarzt natürlich meiden, um das Risiko für das Personal zu minimieren.

Eva-Kathrin Linde schiebt alle nicht dringend notwendigen Termine auf

Deutlich ruhiger als in „normalen“ Phasen geht es derzeit auch in der Erndtebrücker Praxis von Eva-Kathrin Linde zu. Viele Patienten sagten Termine ab, „andererseits versuchen auch wir, alle nicht dringend notwendigen Behandlungen zu verschieben“, meint die Wittgensteinerin. Natürlich spüre man die finanziellen Auswirkungen – keine leichte Situation, aber: „Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass das Coronavirus vielleicht doch hier in der Praxis weitergegeben wird.“
Ja, man habe ohnehin strenge Hygienestandards, aber trotz allem wisse man nicht genau, wie lange sich das Aerosol auf den Oberflächen der Behandlungszimmer halte – trotz aller Desinfektionsmaßnahmen. Auch wegen dieser unterschiedlichen Vorgehensweisen ruft Yana Marmann Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu auf, klare Regelungen vorzugeben. „Dann könnte etwa ein kreisbezogener Notdienst eingerichtet werden.“

Dr. Sven Hoffmann: "Wir sind da!"

„Am meisten beeindruckt mich im Moment, wie selbstverständlich unsere Mitarbeiter dabei helfen, dass geholfen werden kann. Sie sind eine ganz große Stütze, das macht uns sehr stolz“, meint indes Dr. Sven Hoffmann. Dem Landzahnarzt aus der Gemeinde Burbach liegt vor allem eine Botschaft am Herzen: „Wir sind da!“ Das liege auch daran, dass die Zahnärzte im Siegerland ein enges Miteinander pflegten. Die Praxen hätten Vorgaben bekommen und setzten diese gewissenhaft um: spezielle Wartebereiche, Schleusen, Händedesinfektion.
Dennoch: Zahnärztliche Behandlungen sollten auf das Notwendige reduziert werden. „Das ist ein bisschen interpretierbar“, gibt Sven Hoffmann zu und meint, dass eine Routine-Untersuchung auch um drei Monate verschoben werden könne, während ein starkes Parodontose-Leiden eben sofort behandelt werden müsse.
Alle Zahnärzte ließen verlauten, dass sie sich anfangs seitens der Politik im Stich gelassen fühlten, mittlerweile aber habe man die Situation im Bundesgesundheitsministerium erkannt – jedenfalls im Großen und Ganzen, siehe die Forderung von Yana Marmann. Dr. Sven Hoffmann: „Man hat sich darauf verlassen, dass wir die Situation meistern können, jetzt nimmt die Politik die Sorgen ernst“ – das gelte etwa hinsichtlich der Auslieferung neuer Schutzkleidung.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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