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Trotz leicht gestiegener Todeszahl
Weniger hängen an der Nadel

Auch wenn die Zahl der Drogentoten in Siegen-Wittgenstein 2018 leicht angestiegen ist, soll der Trend in der Region allgemein rückläufig sein. Die Szene hat sich aus dem Stadtbild zurückgezogen, der Konsum läuft mehr im privaten Rahmen ab.
  • Auch wenn die Zahl der Drogentoten in Siegen-Wittgenstein 2018 leicht angestiegen ist, soll der Trend in der Region allgemein rückläufig sein. Die Szene hat sich aus dem Stadtbild zurückgezogen, der Konsum läuft mehr im privaten Rahmen ab.
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juka  Siegen/Bad Berleburg. Die Zahl der Drogentoten in Siegen-Wittgenstein ist zuletzt leicht angestiegen. Das geht aus den Zahlen des Statistikamts IT NRW hervor. So starben 2018 sieben Personen drogenbedingt, 2017 waren es nur vier. (Die Zahlen für 2019 liegen den Statistikern noch nicht vor.) Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle von 32 auf 19. „Es ist natürlich erfreulich, dass diese Zahl zurückgegangen ist. Ich bin bei solchen Statistiken aber auch immer etwas vorsichtig“, erklärt Volker Schneider von der Beratungsstelle des Kreises auf SZ-Nachfrage. „Dabei kommt es auch immer darauf an, wer die Todesursache eingibt.“ Denn die Dunkelziffer sei besonders in Sachen Drogentote wohl deutlich höher.

juka  Siegen/Bad Berleburg. Die Zahl der Drogentoten in Siegen-Wittgenstein ist zuletzt leicht angestiegen. Das geht aus den Zahlen des Statistikamts IT NRW hervor. So starben 2018 sieben Personen drogenbedingt, 2017 waren es nur vier. (Die Zahlen für 2019 liegen den Statistikern noch nicht vor.) Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle von 32 auf 19. „Es ist natürlich erfreulich, dass diese Zahl zurückgegangen ist. Ich bin bei solchen Statistiken aber auch immer etwas vorsichtig“, erklärt Volker Schneider von der Beratungsstelle des Kreises auf SZ-Nachfrage. „Dabei kommt es auch immer darauf an, wer die Todesursache eingibt.“ Denn die Dunkelziffer sei besonders in Sachen Drogentote wohl deutlich höher. „Laut Auskunft von der Polizei kann oft die Todesursache nicht eindeutig zugeordnet werden, häufig wird daher eine natürliche Todesursache festgehalten“, bestätigt auch Elise Fricke von der Suchthilfe der AWo.

Sucht kein "Aussteigerthema" mehr

Dennoch: Eine Verschärfung des Problems in den vergangenen Jahren ist nicht auszumachen. „Allgemein ist der Trend rückläufig“, stellt Schneider klar. Das Verhalten insgesamt habe sich verändert, es werde weniger intravenös konsumiert, sondern eher geraucht. „Das hat zur Folge, dass die Notfälle ein Stück weit abgenommen haben“, erläutert Schneider. Auch die Intention des Drogenkonsums habe sich gewandelt. „Es geht nicht mehr darum, anders zu sein“, zeigt der Kreismitarbeiter auf. Stattdessen gehe es um eine Art Anpassung. „Schnellmacher“, wie zum Beispiel „Speed“, die eine höhere Leistungsfähigkeit bieten sollen, seien da besonders gefragt.

Szene ins Private verlagert

Da es nun nicht mehr um einen gesellschaftlichen Ausstieg gehe, habe sich auch die Szene an sich verändert. „Hotspots, wie es sie früher in Siegen gab, sind weitestgehend verschwunden. Die Szene hat sich privatisiert“, erklärt Schneider. „Es hat sich mehr an den Stadtrand von Geisweid oder Weidenau verlagert. Auch, weil Ordnungsamt und Polizei häufiger Platzverweise aussprechen“, fügt Fricke an.

Für den Kreis und weitere Hilfsangebote geht es daher insbesondere darum, das Netz der Angebote auszubauen. Substitutionsangebote, also die Behandlung mit Ersatzstoffen, zumeist mit Methadon, spielen dabei eine entscheidende Rolle. In manchen Arztpraxen und im Weidenauer Krankenhaus sei dies momentan möglich. „Zum Glück“, schnauft Schneider durch. Allerdings gebe es weiter ein Unterangebot, wie Fricke klarstellt. „Die Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung und der Richtlinien der Bundesärztekammer hat nicht den gewünschten Effekt.“ Besonders in ländlichen Gebieten sei die Versorgung oft nicht gegeben, weite Strecken müssten in Kauf genommen werden. „Es wäre wünschenswert, wenn es noch mehr Einrichtungen geben würde, die Substitution anbieten“, schließt sich Schneider an.

Zu wenig Substitutionsärzte

Momentan sei das Problem zwar noch nicht so akut, perspektivisch könnten jedoch Lücken entstehen, so Schneider. Die große Herausforderung sei, dass ein solches Angebot unattraktiv für die meisten niedergelassenen Ärzte sei. „Das ist schon ein deutlicher Mehraufwand und auch am Wochenende muss die Versorgung natürlich sichergestellt sein. Oft ist es nicht damit getan, den Patienten die Stoffe mitzugeben. Mittelfristig bekomme ich bei dieser Thematik schon graue Haare“, sagt Schneider. „Wir haben Sorge, dass die Sicherstellung der Substitutionstherapie nicht erfolgt, wenn sich bisherige Behandler zur Ruhe setzen“, weist auch Fricke auf das Problem hin, das in Zukunft noch größer werden könnte ...

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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