SZ

Inobhutnahmen 2020 NRW-weit rückläufig
Weniger Schutzmaßnahmen durch Jugendämter

Immer wieder ordnen die Jugendämter Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche an. NRW-weit ist die Zahl der Inobhutnahmen im vergangenen Jahr zurückgegangen. In Siegen-Wittgenstein sind diese Zahlen jedoch nicht ganz klar.
  • Immer wieder ordnen die Jugendämter Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche an. NRW-weit ist die Zahl der Inobhutnahmen im vergangenen Jahr zurückgegangen. In Siegen-Wittgenstein sind diese Zahlen jedoch nicht ganz klar.
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js/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Im Coronajahr 2020 haben die nordrhrein-westfälischen Jugendämter nicht so viele Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche ergriffen wie in den Jahren zuvor – laut IT NRW, dem statistischen Landesamt in Düsseldorf, waren es 8,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Eine mögliche Erklärung dafür: Kinder gingen in Lockdownzeiten seltener in Schule und Kita, waren weniger präsent – sodass manche Probleme weniger ans Licht kamen.

Auch in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind die Zahlen demnach spürbar zurückgegangen im vergangenen Jahr – obwohl dies zumindest nach Angaben der Jugendämter der Stadt Siegen und des Kreises Siegen-Wittgenstein nicht zutrifft. Beide sprechen gegenüber der SZ von in etwa konstanten Fallzahlen.

js/sz Siegen/Bad Berleburg/Olpe. Im Coronajahr 2020 haben die nordrhrein-westfälischen Jugendämter nicht so viele Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche ergriffen wie in den Jahren zuvor – laut IT NRW, dem statistischen Landesamt in Düsseldorf, waren es 8,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Eine mögliche Erklärung dafür: Kinder gingen in Lockdownzeiten seltener in Schule und Kita, waren weniger präsent – sodass manche Probleme weniger ans Licht kamen.

Auch in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sind die Zahlen demnach spürbar zurückgegangen im vergangenen Jahr – obwohl dies zumindest nach Angaben der Jugendämter der Stadt Siegen und des Kreises Siegen-Wittgenstein nicht zutrifft. Beide sprechen gegenüber der SZ von in etwa konstanten Fallzahlen.

13 308 Inobhutnahmen in NRW

Zunächst zurück auf Landesebene: 13 308 Inobhutnahmen gingen insgesamt in die Statistik ein, im Jahr zuvor waren es 13 503. Derartige Maßnahmen werden von den Jugenämtern angeordnet, wenn ein unmittelbares Handeln zum Schutz von Minderjährigen in Eil- und Notfällen als geboten erscheint. 56,2 Prozent der 2020 in NRW unter Jugendamtsschutz gestellten Minderjährigen waren 14 Jahre oder älter, der Rest folglich jünger. Rund die Hälfte (50,9 Prozent) der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund.

Als häufigsten Grund für eine vorläufige Schutzmaßnahme geben die Ämter eine Überforderung eines oder beider Elternteile an (36,5 Prozent). 14,6 Prozent der Fälle gehen auf eine unbegleitete Einreise aus dem Ausland zurück. Anzeichen von Vernachlässigung wurden bei 13,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen aktenkundig. Es können aber durchaus mehrere Faktoren ausschlaggebend sein.

2291 Fälle durch Kinder selbst angezeigt

In 2291 Fällen wurden die Maßnahmen auf Wunsch der Kinder selbst in die Wege geleitet, in 10 017 Fällen gingen die Jugendämter von einer Gefährdung aus. 56 Prozent der Schutmaßnahmen wurden von sozialen Diensten oder Jugendämtern angeregt, 13,3 Prozent der Inobhutnahmen wurden von Polizei oder Ordnungsamt angeregt. In acht von zehn Fällen fanden die Minderjährigen Schutz in Einrichtungen, 15,3 Prozent wurden bei „geeigneten Personen“ und 5,6 Prozent in sonstigen betreuten Wohnformen untergebracht.

Die beiden Jugendämter im Kreis Siegen-Wittgenstein gingen mit insgesamt 148 Fällen in die Statistik ein, in den Jahren zuvor waren es 191 (2019), 211 (2018), 222 (2017) und 309 (2016). Zur Erklärung: 2016 und 2017 war die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Migranten aufgrund der Flüchtlingswelle besonders groß.

Geringe Abweichungen gegenüber Vorjahr

Dass die Zahlen 2020 so deutlich unter denen von 2019 gelegen haben sollen, lässt sich aus den Angaben der Jugendämter vor Ort allerdings nicht belegen. Beide sprachen gegenüber der SZ nur von geringen Abweichungen zum Vorjahr – eine Erklärung für andere Angaben in der Landesstatistik gibt es bislang nicht, sie sind laut Kreis aber keine Seltenheit.

Georg Ritter vom städtischen Jugendamt Siegen gibt 82 Fälle an für 2020 (63 in Einrichtungen und 19 in Bereitschaftspflegefamilien) und für das Jahr zuvor 88 (66 bzw. 22). Das Kreisjugendamt wiederum spricht von 111 Inobhutnahmen im Jahr 2020, im Jahr zuvor seien es 110 gewesen, fast punktgenau gleich viele also. Unterm Strich müssten 2020 also 192 Fälle stehen – also nicht weniger als im Jahr zuvor. Die Zahlen vor Ort dürften dabei die verlässlicheren sein, dort wurden sie schließlich erhoben, dort sind sie mit „echten Geschichten“ hinterlegt.

Südsauerländer ordnen  wenige Inobhutnahmen an

Beim Kreis Olpe ist die Landesstatistik offenbar genauer – laut Kreisverwaltung stimmen die Zahlen hier überein mit den selbst erhobenen und nach Düsseldorf gemeldeten. Auffallend hier ist jedoch, dass die Südsauerländer stets relativ wenige Inobhutnahmen anordnen. 27 waren es im Jahr 2020, 38 im Jahr zuvor, 53 (2018), 46 (2017) und 67 (2016) in den Jahren nach der Flüchtlingswelle. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl des Kreises – etwa die Hälfte von „SI“ – liegt die Zahl der Inobhutnahmen in „OE“ deutlich unter denen in Siegen-Wittgenstein im Süden und auch dem Märkischen Kreis als nördlichem Nachbarn.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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