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Besucherregeln in Kliniken werden akzeptiert
Wenn das Herz steril bleibt

Fühlt  sich " abgeschoben“: Eberhard Wied  liegt nach einem  Schlaganfall im Siegener Kreisklinikum.
  • Fühlt sich " abgeschoben“: Eberhard Wied liegt nach einem Schlaganfall im Siegener Kreisklinikum.
  • Foto: ap
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

ap Weidenau. Flatterband, Fiebermessen, Desinfizieren, Drehtür, Dienstbeginn. Bettina Neumann atmet noch einmal tief durch. Bis zu 700 Anrufe werden sie und ihre Kolleginnen in den nächsten acht Stunden entgegennehmen – normalerweise. „Im Moment kann man da jeden Tag noch ein gutes Drittel draufrechnen“, sagt die Mitarbeiterin an der Information des Siegener Kreisklinikums. Durch neue Regelungen und eingeschränkte Besucherzahlen sowie -zeiten gleicht Bettina Neumanns Arbeitsplatz mehr einer „Telefonzentrale“ als einer direkten Anlaufstelle vor Ort, wie sie schildert. „Es gibt einfach unheimlich viel Erklärungsbedarf.“ Verständnis für die derzeitige Situation hätten aber die meisten.

ap Weidenau. Flatterband, Fiebermessen, Desinfizieren, Drehtür, Dienstbeginn. Bettina Neumann atmet noch einmal tief durch. Bis zu 700 Anrufe werden sie und ihre Kolleginnen in den nächsten acht Stunden entgegennehmen – normalerweise. „Im Moment kann man da jeden Tag noch ein gutes Drittel draufrechnen“, sagt die Mitarbeiterin an der Information des Siegener Kreisklinikums. Durch neue Regelungen und eingeschränkte Besucherzahlen sowie -zeiten gleicht Bettina Neumanns Arbeitsplatz mehr einer „Telefonzentrale“ als einer direkten Anlaufstelle vor Ort, wie sie schildert. „Es gibt einfach unheimlich viel Erklärungsbedarf.“ Verständnis für die derzeitige Situation hätten aber die meisten.
„Wir hatten noch keine handfesten Auseinandersetzungen an der Tür“, bestätigen die beiden Security-Mitarbeiter vor dem Haupteingang, an denen jeder Angehörige ohne Fieber und mit Besucherausweis erst einmal vorbei muss. „Viele sind das im Moment aber nicht“, nimmt einer der Sicherheitsleute vorweg. Das liege unter anderem daran, dass in den ersten fünf Tagen kein Besuch empfangen werden darf. „Aber genauso ist es ja auch gewollt.“

„Soziale Kontakte sind sehr sehr wichtig"

Perspektivwechsel. Da steht sie nun in der Kälte vor der großen Scheibe. Andrea Leukel hält den Blick suchend nach ihrem Vater, den sie schon sehnlich mit gepackter Tasche erwartet. Zwei, drei... dreizehn Umdrehungen der rotierenden Eingangstür, bis sich die Beiden endlich wieder erleichtert in die Augen blicken können. Gefehlt hat ihnen nämlich vor allem eines: Nähe. Andrea Leukel findet: „Soziale Kontakte sind sehr sehr wichtig. Und viele Menschen, vor allem ältere, sind schlichtweg überfordert mit dieser Situation.“

„Sitze ich hier wie abgeschoben“

Seit Tagen sein eigenes Kind nicht einfach mal fest in die Arme schließen zu können, fällt auch Eberhard Wied besonders schwer. Nach einem plötzlichen Schlaganfall ging alles ganz schnell: Einlieferung, Zimmerbezug, die gepackte Tasche musste seine Tochter an eine Informations-Mitarbeiterin übergeben. „Seitdem sitze ich hier wie abgeschoben“, sagt der Busunternehmer. Emotionale Unterstützung bekommt auch er nur aus der Distanz über eine Telefonleitung. „Die Situation ist so unpersönlich und schlimm für mich. Warum gibt es für Angehörige keine Schnelltests?“, fragt der 65-jährige Rentner aus Feudingen verzweifelt. Das Personal bemühe sich zwar sehr um menschliche Wärme – seine Familie könne das aber lange nicht ersetzen.
Der Kontakt zum Partner, den Kindern und engen Angehörigen könne wirklich nur in Ausnahmefällen nach weniger als fünf Tagen ermöglicht werden, erklärt Florian Lemmer, Leiter der Patientenaufnahme. Er verspricht jedoch: „Kein Patient, um den es wirklich schlecht steht, wird bei uns allein gelassen.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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