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Datenschutz im Gemeindebrief
Wenn die Gratulanten ausbleiben

Gemeindebriefe sind ein wichtiges Instrument der Kommunikation für die Kirchengemeinden. Der Datenschutz macht die Sache allerdings kompliziert.
  • Gemeindebriefe sind ein wichtiges Instrument der Kommunikation für die Kirchengemeinden. Der Datenschutz macht die Sache allerdings kompliziert.
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ihm Siegen. Oma Hilde versteht die Welt nicht mehr. 90 Jahre alt wird sie, erfreut sich bester Gesundheit und würde so gerne die Glückwünsche der Nachbarschaft entgegennehmen. Aber nur eine Handvoll Nachbarn kommt, wenige rufen an. Ganz anders als vor zehn Jahren, beim 80sten. Damals stand das Telefon nicht still, denn viele hatten im Gemeindebrief von dem Jubeltag gelesen. 2019 stehen in den kirchlichen Nachrichten, die von Haus zu Haus verteilt werden, keine Geburtstage mehr. Der Datenschutz, so hat Hilde erfahren, erlaube das nicht mehr.

Tatsächlich haben manche Gemeinden im Kirchenkreis sich entschlossen, auf das Abdrucken der Geburtstage zu verzichten. Die viel diskutierte Datenschutz-Grundverordnung wirft ihre Schatten eben auch auf noch so hohe Kirchtürme.

ihm Siegen. Oma Hilde versteht die Welt nicht mehr. 90 Jahre alt wird sie, erfreut sich bester Gesundheit und würde so gerne die Glückwünsche der Nachbarschaft entgegennehmen. Aber nur eine Handvoll Nachbarn kommt, wenige rufen an. Ganz anders als vor zehn Jahren, beim 80sten. Damals stand das Telefon nicht still, denn viele hatten im Gemeindebrief von dem Jubeltag gelesen. 2019 stehen in den kirchlichen Nachrichten, die von Haus zu Haus verteilt werden, keine Geburtstage mehr. Der Datenschutz, so hat Hilde erfahren, erlaube das nicht mehr.

Tatsächlich haben manche Gemeinden im Kirchenkreis sich entschlossen, auf das Abdrucken der Geburtstage zu verzichten. Die viel diskutierte Datenschutz-Grundverordnung wirft ihre Schatten eben auch auf noch so hohe Kirchtürme. Die SZ sprach mit der neuen Pressereferentin des Kirchenkreises, Jasmin Maxwell-Klein, über dieses Thema.

EKD legt Kerngrundsätze fest

Vorweg: Es gibt im Siegerland ganz unterschiedliche Wege beim Datenschutz – die Gemeinden und Presbyterien können selbst entscheiden, welchen sie einschlagen. Allerdings hat die EKD in ihrer Handreichung „Datenschutz im Gemeindebrief“ Kerngrundsätze festgelegt, nach denen zu verfahren ist. Die ev. Kirche von Westfalen hat sich dem angeschlossen.

Wichtig ist zunächst die Frage, wie „öffentlich“ der Gemeindebrief ist. Wird er nur in der Kirche und im Gemeindebüro ausgelegt und an die Gemeindeglieder verteilt? Oder wird er auch in Geschäften,. Bankfilialen etc. für jedermann zugänglich ausgelegt bzw. an alle Haushalte verteilt? Dritte und öffentlichste Variante: Der Gemeindebrief wird auch im Internet verbreitet.

Im gedruckten, nur kirchenöffentlichen Gemeindebrief dürfen Daten über Amtshandlungen (Taufe, Konfirmation, Trauung, Bestattung) veröffentlicht werden. Die EKD empfiehlt, dabei auf Adressen grundsätzlich zu verzichten. Wichtig: Wer keine Veröffentlichung wünscht, kann ihr widersprechen. Diesen Widerspruch soll die Gemeinde beachten.

Geburtstage nur mit Zustimmung

Bei Geburtstagen, Ehe- und Konfirmationsjubiläen ist dagegen grundsätzlich die Einwilligung der Betroffenen einzuholen, sagt die EKD. Dabei empfiehlt sie zum Beispiel bei Geburtstagen, lediglich den Monat, den Namen und das Alter der Jubilare zu nennen. Also weder Adresse noch genaues Datum sollen im Gemeindebrief stehen – für Gratulanten sicher ein Problem.

Es gibt Siegerländer Gemeinden, die sich über die Empfehlungen hinwegsetzen und – mit ausdrücklicher Zustimmung der Jubilare – den Namen, die Adresse, das Alter und den genauen Geburtstag abdrucken. Die ev. Kirchengemeinde Trupbach-Seelbach erläutert Hintergründe: „Im Sommer 2018 wurde vom Presbyterium aufgrund der Datenschutzgesetze beschlossen, Geburtstage nicht mehr im Gemeindebrief zu veröffentlichen. Aufgrund vieler Anfragen aus der Gemeinde hat sich nun das Presbyterium entschlossen, eine Möglichkeit zu schaffen, um auf ausdrücklichen Wunsch in der Geburtstagsliste aufgeführt zu werden. Dazu müssen Sie das untenstehende Formular ausfüllen, ausschneiden und an die Kirchengemeinde senden.“ Ergebnis dieser Initiative: Die Geburtstagsliste gibt es wieder – mit Geburtsdatum und Adresse.

Auch in Niederdresselndorf und Oberfischbach wird das schriftliche Einverständnis der Geburtstagskinder eingeholt – und diese erteilen es offenbar gern. 69 Geburtstage listet der Gemeindebrief Oberfischbach allein im Juli und August 2019 auf. Hier fehlen zwar die Adressen, aber zumindest sind die Ortsteile angegeben. Genauso hält man es in der Kirchengemeinde Niederdresselndorf, wo 57 Jubilare für Juli und August aufgeführt sind.

Fleißig Unterschriften gesammelt

Ob es viele oder wenige Namen sind, hat nach Ansicht von Jasmin Maxwell-Klein wohl auch damit zu tun, dass in manchen Gemeinden Mitglieder des Presbyteriums fleißig von Haus zu Haus gehen und persönlich die Zustimmungsformulare bringen – eine aufwendige Aktion.

Noch an der früher geltenden Widerspruchsregelung hält die Kirchengemeinde Rödgen-Wilnsdorf fest. Hier finden sich reichlich Geburtstage im Gemeindebrief – mit Namen und Datum. Unten auf der Seite heißt es: „Sie wünschen keine Veröffentlichung Ihrer Daten in den Rubriken Geburtstage und Familiennachrichten, dann wenden Sie sich bitte vor Redaktionsschluss an das Gemeindebüro.“ Diese Regelung ist allerdings durch die aktuelle Handreichung der EKD nicht mehr gedeckt.

Ganz auf Geburtstage und Ehejubiläen verzichtet die Kirchengemeinde Weidenau in ihrem Gemeindebrief. Pfarrerin Karin Antensteiner gibt zu bedenken, dass nicht nur das Einverständnis ein Problem sei, sondern auch die Tatsache des relativ frühen Redaktionsschlusses, der das Risiko birgt, dass Jubilare in der Zwischenzeit verstorben sind.

Strenge Vorgaben für Internet

Noch strenger als im gedruckten Gemeindebrief sind die Vorgaben für die im Internet – also im Prinzip weltweit – verbreiteten Nachrichten. Begründung der EKD: Der Internet-Gemeindebrief eröffne eine „deutlich größere Missbrauchsmöglichkeit“. Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Bestattungen dürfen deshalb nur nach vorheriger Einwilligung der Betroffenen veröffentlicht werden.

Das führt zu der etwas skurrilen Situation, dass Gemeinden ihren gedruckten Gemeindebrief als PDF (das ist ein verbreitetes Datenformat) ins Netz stellen, aber die Namen auf der Seite „Freud und Leid“, die in der gedruckten Version enthalten sind, löschen. Das ist zum Beispiel bei der ev. Kirchengemeinde Burbach, in Kreuztal oder in Dreis-Tiefenbach der Fall. Dort erscheinen dann praktisch leere Seiten. Etwas weniger auffällig die Praxis zum Beispiel in Oberfischbach oder in Ferndorf: Hier wird die „Geburtstagsseite“ einfach aus dem PDF entfernt. Das bemerken nur aufmerksame Leser anhand der Seitenzahlen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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