Wenn die Worte ihre Grenzen finden

Uni Siegen lädt am 14./15. März zur Fachtagung »Musiktherapie und soziale Arbeit« ein

kk Siegen. »Die Sprache ist nur ein Mittel der Kommunikation. Die Musik ist ein anderes.« Wenn die Grenzen der Worte erreicht sind, wenn Sprache den Adressaten nur unzureichend oder überhaupt nicht erreicht, dann kann es an der Musik sein zu heilen. Davon ist Prof. Hartmut Kapteina, Musikpädagoge an der Uni Siegen, Komponist und Psychotherapeut, fest überzeugt.

Die Erfahrungen des Hochschullehrers mit der heilenden Wirkung von Klängen gehen bis in die 60er Jahre zurück: »Ich habe mit meinen Schülern nach Möglichkeiten gesucht, den Musikunterricht interessanter zu gestalten.« Heraus kamen Experimente mit Klängen, Kompositionen. »Die Methode heißt Gruppen-Improvisation.« Mit der kam Kapteina 1972 auf den Haardter Berg. In der Suchtkrankenberatungsstelle der Inneren Mission führte er erste Musiktherapien mit Patienten durch. Bis vor zwei Jahren war er als Musiktherapeut am Kreiskrankenhaus, Haus Hüttental, tätig.

»Die Musiktherapie ist eine handfeste und tief gehende Psychotherapie«, weiß er zu berichten. Zwar werde sie hierzulande von den Krankenkassen nicht bezahlt. Dennoch steige der Bedarf an Fachkräften mit einer musiktherapeutischen Ausbildung. Vor allem im schulischen Sektor. Aber auch in der Psychiatrie, in Krankenhäusern und der Behindertenhilfe. Kapteina: »Im sozialpädagogischen Bereich gibt es mehr Spielraum bei der Verwendung der Mittel.«

Die berufs- und studienbegleitende Zusatzqualifikation wird an der Universität Siegen seit 1989 angeboten. Kapteina: »Wir haben ständig etwa 350 Teilnehmer.« Die kommen aus Deutschland und der ganzen Welt. Voraussetzung ist ein helfender Beruf. Vor allem Sozialpädagogen, Lehrer, Therapeuten, Ärzte und Psychologen sind vertreten.

Wer die Ausbildung durchlaufen und mindestens ein Jahr lang mit der Musiktherapie unter Supervision in einer Einrichtung gearbeitet hat, dem bleibt nur noch eine Hürde bis zum Zertifikat: Er muss seine Arbeitsergebnisse einer Fachöffentlichkeit vorstellen. Das geschieht zum nächsten Mal im Rahmen einer Fachtagung »Musiktherapie und soziale Arbeit«, die am 14. (ab 16 Uhr) und 15. März (ab 11.30 Uhr) im Ä&K-Pavillon auf dem Haardter Berg stattfindet.

Sechs Referentinnen und Referenten geben Einblicke in ihre Tätigkeitsfelder. Die Themenpalette ist breit. Sie reicht von der »Musiktherapeutischen Einzelarbeit mit Jungen in einer Erziehungsberatungsstelle« über die »Musiktherapie in der Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie« bis hin zur »Musiktherapie mit chronisch kranken Menschen im ambulanten Hospiz und in der Onkologie eines Akutkrankenhauses«, der »Musiktherapeutischen Arbeit in einer Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung« und der »Musiktherapie mit psychisch Beeinträchtigten in einer Werkstatt für behinderte Menschen«.

Prof. Hartmut Kapteina gehört zur Gründergeneration der Musiktherapie. »Die Musik hat die Besonderheit, dass sie sehr nah an den Gefühlen ist«, erklärt der Experte und führt dabei einige Instrumente aus dem umfangreichen Fundus vor. Da ist zum Beispiel das Monochord in seinen verschiedenen Ausführungen. Auf dem einen kann man liegen, das andere lädt zum Sitzen ein, ein Drittes zum bloßen Lauschen. Prof. Kapteina: »Die Saiten müssen allesamt auf den selben Ton gestimmt sein.« Werden sie nacheinander angeschlagen, lösen sich Obertonspektren. »Hören, Gleichgewicht und Tastsinn sind eng miteinander vernetzt und bereits sehr frühzeitig ausgebildet.« Die Klangwiege ähnelt den Erfahrungen im Mutterleib. Prof. Hartmut Kapteina: »Man kommt an die ganz frühen Erlebnisschichten heran.«

Wichtig sei die Vielfalt der Instrumente. Kapteina: »Ein großes Arrangement von Musikinstrumenten gibt den Patienten die unterschiedlichen Möglichkeiten, mit sich selbst und mit anderen in Kontakt zu treten.« Grundvoraussetzung ist, dass die Trommeln, Schüttel- und Holzinstrumente, die Gongs, Klangschalen, Becken und mehr ohne Übung zu gebrauchen sind.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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