„Wenn nicht heute, wann dann?”

Siegener Stadtrat votierte mit 37 zu 18 Stimmen für Apollo – Keine neuen Argumente

sz Siegen. Nach fast dreistündiger Debatte sprach sich gestern der Rat der Stadt Siegen für das Apollo-Theater Siegen aus. 37 Kommunalpolitiker/innen votierten für den Umbau des ehemaligen Kinos, 18 stimmten dagegen, zwei enthielten sich der Stimme. Neben Bündnis 90/Die Grünen, entschieden die Einmann-Fraktion der STATT Partei sowie große Teile von SPD und UWG gegen den Vorschlag der Verwaltung. Obwohl engagiert um die vielfach beschworene historische Entscheidung gerungen wurde, brachte die intensiv geführte, von persönlichem Engagement – auf der Pro- wie der Contra-Seite – geprägte Diskussion kaum neue Erkenntnisse. Die Stellungen sind schließlich nicht erst seit der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der vergangenen Woche bezogen. Die Kritiker des Projekts – von denen es viele bei einer besseren Haushaltslage durchaus für wünschenswert hielten – konzentrieren sich bekanntlich auf die jährlichen Folgekosten, die von der Stadt für das Theater aufgebracht werden müssen. Je nach Standpunkt differenziert die Summe zwischen 450000 DM und 1 Mill. DM. Keine Chance hatte die bekannte Forderung der Grünen, die Durchführungsentscheidung für ein Theater in Siegen bis zur Haushaltsverabschiedung 2001 auszusetzen, um „seriöse” Deckungsvorschläge für den städtischen Eigenanteil, besonders bei den Betriebskosten, zu entwickeln. Noch weiter wollte Thomas Morgenschweis von der „STATT Partei”, der sich offensichtlich mit vermeintlich launigen Einlagen in der Rolle des Politclowns gefällt, gehen. Alle Theaterbauprojekte sollten für diese Ratsperiode verworfen und ein Bürgerentscheid herbeigeführt werden. Bürgermeister Ulf Stötzel machte zum Auftakt der Debatte noch einmal die Bedeutung des Apollo-Projekts für die Stadtentwicklung klar: „Alle bisher erstellten Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass das fehlende Theater für Siegen einen Standortnachteil bedeutet.” Innenstädte müssten neben Funktionalität auch Erlebnisqualität bieten. Das Apollo wolle kein Musentempel für eine elitäre Schicht sein, sondern sich der freien Kulturarbeit von Chören, Orchestern, und Theatergruppen öffnen. Zum wiederholten Male wies der Bürgermeister daraufhin, dass die in Aussicht gestellte Landesförderung von 26,5 Mill. DM nur für das Apollo-Projekt fließt. Für den Ausbau von Stadtbühne oder Gläsersaal (in beiden Fällen lägen die Kosten laut Stötzel bei mindestens je 12 Mill. DM) gebe es keine Landeszuschüsse. Selbst wenn das Apollo nicht realisiert würde, hätte Siegen nicht eine zusätzliche Mark mehr für Schulen (siehe Lokalteil), Sport oder Kultur. Dann gingen die 26,5 Mill. DM in andere Kommunen. Ulf Stötzel pries das einmalige bürgerschaftliche Engagement (die SZ berichtete), bezeichnete das Apollo nicht als das Ende, sondern einen Anfang der Siegener Kommunalpolitik. Wichtig ist für ihn auch die Akzeptanz des Gebäudes in der Bevölkerung: „Das Apollo gehört zu Siegen wie Henner und Frieder!” Besonders dankte Stötzel dem ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten Loke Mernizka, ohne den es die Landeszuschüsse in dieser Form nicht geben würde. Während die Argumentationslinien von CDU, SPD, Bündnis-Grünen und UWG sich an den Aussagen der Fraktionen im Hauptausschuss orientierten, lieferte Dr. Reinhold Schultze für die FDP ein leidenschaftliches Plädoyer für das Theater. Er machte deutlich, wie die Alternative zum Apollo aussähe. Unter baupolizeilichen Gesichtspunkten, erklärte er, ließe sich der Spielbetrieb in der Stadtbühne nicht mehr sehr lange aufrechterhalten. Die Alternative wäre die Schließung oder die Renovierung. Der Kämmerer habe ihm, so Schultze, in seiner Stellungnahme das überzeugendste Argument für das Theater gegeben: „Auch in den nächsten Jahren wäre die Stadt zu einer solchen Investition nicht im Stande. Also, wenn nicht heute, wann dann wollen wir diese Aufgabe schultern?”bö

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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