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Busunternehmen ausgebremst
„Wer Reisen liebt, verschiebt!“

Die  Fuhrparks der Reisebusunternehmen stehen seit Wochen ungenutzt in den Hallen – wie hier in Kredenbach die Gefährte von "Ideal Reisen". Die Coronakrise bremst die Branche derzeit aus.
  • Die Fuhrparks der Reisebusunternehmen stehen seit Wochen ungenutzt in den Hallen – wie hier in Kredenbach die Gefährte von "Ideal Reisen". Die Coronakrise bremst die Branche derzeit aus.
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  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Siegen/Freudenberg/Niederfischbach/Drolshagen Ob ein Kulturtrip nach Mailand mit Besuch der weltberühmten Oper, eine Tagesfahrt nach Nordwijk an der niederländischen Küste, Kuren in Marienbad oder eine gesellige Exkursion mit der Tennismannschaft wohin auch immer (manchmal soll ja sogar der Weg das Ziel sein...): Reisen in Gemeinschaft mit anderen, ohne selbst die Verantwortung am Steuer übernehmen zu müssen, erfreuen sich längst nicht mehr nur bei Senioren großer Beliebtheit. Auch diese Freizeitgestaltung aber wird derzeit vom Coronavirus ausgebremst. Dieser Stillstand ist bedauerlich für die Kunden, vor allem aber schlimm für die Unternehmer.

nja Siegen/Freudenberg/Niederfischbach/Drolshagen Ob ein Kulturtrip nach Mailand mit Besuch der weltberühmten Oper, eine Tagesfahrt nach Nordwijk an der niederländischen Küste, Kuren in Marienbad oder eine gesellige Exkursion mit der Tennismannschaft wohin auch immer (manchmal soll ja sogar der Weg das Ziel sein...): Reisen in Gemeinschaft mit anderen, ohne selbst die Verantwortung am Steuer übernehmen zu müssen, erfreuen sich längst nicht mehr nur bei Senioren großer Beliebtheit. Auch diese Freizeitgestaltung aber wird derzeit vom Coronavirus ausgebremst. Dieser Stillstand ist bedauerlich für die Kunden, vor allem aber schlimm für die Unternehmer.

Corona-Krise führt zu vielen Problemen

Der Reisebus-Branche beschert Covid- 19 gleich mehrfach Probleme, die ins Geld gehen: Neben den seit zweieinhalb Wochen gesetzlich vorgeschriebenen Absagen samt Entschädigungspflicht für die Kunden – Stichwort Pauschalreisen – treiben darüber hinausgehende Stornierungen bis in den Herbst hinein und ausbleibende Buchungen Sorgenfalten in die Stirn.

Kunden werden entschädigt

Das Problem nahm schon vor dem „Shutdown“ vor zwei Wochen seinen Anfang. „Seit Mitte Februar erreichten uns deutlich weniger Anfragen. Anfang März kamen keine Buchungen mehr hinzu“, erzählt Andreas Theis von Ideal Reisen mit Sitz in Siegen. Die letzte Tour führte vom 12. bis 15. März nach Dresden. Dort geplante Höhepunkte wie der Besuch der Semperoper „wurden vom Veranstalter abgeblasen, als wir schon unterwegs waren“. Zwölf Mitarbeiter, darunter sechs in Vollzeit, zählt sein Unternehmen; drei Reise- und zwei Kleinbusse stehen zur Beförderung bereit: „Ich habe die Fahrzeuge abgemeldet. So kann ich wenigstens die Versicherung sparen.“ Kurzarbeit wird beantragt. „Was nach dem 19. April sein wird, weiß niemand.“ Die Kunden, die nun wegen des derzeitigen Verbots ihre Reise nicht antreten können, haben nach dem Pauschalreise-Gesetz ein Recht auf Kostenrückerstattung. Der Reiseveranstalter steht hier in der Pflicht – und bemüht sich seinerseits, nicht erbrachte Leistungen von Fluggesellschaften, Reedereien oder Hotels, die aber schon bezahlt wurden, geltend zu machen. Mit unterschiedlichem Erfolg. Was mit Hotels klappe – „ihnen liegt ja auch etwas daran, weiter mit uns zusammenzuarbeiten“ –, erweise sich bei Fluggesellschaften und Reedern oft als frustrierend: „Die sitzen auf dem hohen Ross und wollen von uns Stornokosten.“ 2019 sei ein gutes Jahr für das Unternehmen gewesen, das finanzielle Polster ermögliche es, die kommenden zwei, drei Monate zu überstehen. Man hoffe auf eine Gesetzesänderung. Das Ziel für Zeiten des Beförderungsverbots: Gutscheine statt kompletter Kostenrückerstattung. „Ansonsten könnte es eng werden.“ Ein Wunsch, den Theis auch schon auf der Firmenhomepage äußert: „Wer Reisen liebt, verschiebt!“

"Einige Fluggesellschaften bieten nur Gutscheine"

Das sieht Elmar Buschhaus, Geschäftsführer der Firma Elbus-Reisen, einem Vier-Personen-Unternehmen mit einem Bus aus Freudenberg, ähnlich. Ausgerechnet im Jahr des Silberjubiläums trifft ihn das Coronavirus bis ins Mark. „Bis vor fünf Wochen waren wir ein bestens aufgestelltes Unternehmen – und jetzt überrollt uns diese weltweite Katastrophe. Es ist der helle Wahnsinn“, fasst er seine Fassungslosigkeit in Worte. Für seine drei Angestellten habe er Kurzarbeit beantragt. Einen funkelnagelneuen Hightechbus mit Bistro hat er im vergangenen Jahr angeschafft. Eine Investition in Service, Umweltschutz – und in die Zukunft.

Bitte: "Verschieben statt stornieren"

Der derzeitige Stillstand und die Entschädigungszahlungen seien schon für sich allein belastend. Dass nun aber schon für Sommer und Herbst Stornierungen eingingen, treffe ins Herz. Auch er versteht nicht: Einige Fluggesellschaften und Kreuzfahrtanbieter fertigen mittlerweile die Kunden mit Gutscheinen ab – „und wir müssen die Kunden vollumfänglich entschädigen“. „Verschieben statt stornieren“ – mit dieser Bitte wendet er sich an die Kunden.

Umsätze rasant eingebrochen

Die Firma „Sauerlandgruss“ aus Drolshagen hat in ihren 94 Jahren schon einiges erlebt – vor allem natürlich unterwegs auf den Straßen Europas. Die jetzige Viruskrise aber ist auch für sie Neuland. „Bis nahezu Ende Februar waren die Aussichten auf ein gutes Jahr vielversprechend. Die Buchungszahlen waren im Soll und darüber. Der Anmietbereich und das Gruppengeschäft versprachen gute Geschäfte für 2020. Mit Beginn der Coronakrise aber sind die Umsätze von heute auf morgen zu 100 Prozent eingebrochen.“ Das teilt Geschäftsführer Stefan Heuel mit. Für den kompletten April stehe ein Null-Umsatz zu Buche. Die Josef Heuel GmbH beschäftigt rund 65 Mitarbeiter. Zehn Reise-, vier Kombi- und zwölf Linienbusse warten darauf, den Fahrgästen die Welt zu erschließen bzw. sie von A nach B zu fahren. Auch für den Mai wurden schon viele Reisen abgesagt. „Aus Verunsicherung haben viele Vereine und Gruppen ihre Vereinsfahrt für 2020, wenn auch erst für August oder September geplant, schon abgesagt. Über die letzten sechs Wochen haben wir tausenden Reisenden absagen müssen oder die Gäste haben ihrerseits storniert.“

"Hotelbranche leidet genau so wie wir"

Vorleistungen an Vertragspartner seien erbracht worden, das Geld aber kommt auch hier nicht immer zurück. „Mit den meisten Partnern konnten Vereinbarungen getroffen werden. Zu vielen unserer Vertragshotels bestehen persönliche Kontakte – und die Hotelbranche leidet genau wie wir.“ Nicht nur die Reisebusse stünden abgemeldet in den Hallen, sondern auch ein großer Teil der Linienbusse: „Durch die vorzeitigen Schließungen der Schulen ab 18. März sind auch die im ÖPNV zu erbringenden Leistungen zwangsläufig gekürzt worden.“ In der kaufmännischen Abteilung sei schon seit 1. März Kurzarbeit angemeldet, für die Busfahrer sei ab dem heutigen 1. April 100 Prozent Kurzarbeit angesagt. Heuel spricht von einer belastenden Situation für alle: „Für zwei bis drei Monate ist dies zu stemmen, danach wird es für viele schon schwierig.“  Vor knapp 93 Jahren hat der Großvater von Lars Becker das Busunternehmen August Becker mit Sitz in Niederfischbach und einem Büro in Haiger gegründet. 29 Mitarbeiter stark ist das Team heute. 25 Busse sind im Linienverkehr, auf der Fernlinie und auf Reisen unterwegs. „Ich habe derzeit Arbeit für acht, der Rest ist in Kurzarbeit“, so der Geschäftsführer am SZ-Telefon. „Unseren Kunden haben wir alles, was storniert werden musste, bis auf den letzten Cent zurückgezahlt. Wir gehen davon aus, dass auch im Mai noch nichts laufen wird.“ Stornierungen über Ende April hinaus liegen bereits vor. Eine 93-köpfige Gruppe wollte z. B. Anfang Mai nach Kühlungsborn – Stammkunden, die nun Angst um ihre Gesundheit hätten. „Denen kann ich doch nicht sagen: Ihr fahrt!“ Andererseits habe er jetzt Auseinandersetzungen mit dem gebuchten Hotel. Immer wieder seien zudem Gasthäuser telefonisch gar nicht mehr für Absprachen zu erreichen.

Ärger:  Andere Bundesländer - andere Angebote

Becker: „Was mich auch ärgert: Warum gibt es die Soforthilfe des Bundes nur für Firmen mit bis zu zehn Angestellten? Ich habe doch die gleichen Kosten!“ Und: Wäre sein Unternehmen in NRW angesiedelt, könne er auf 25 000 Euro Soforthilfe hoffen. „Für ein Darlehen über 30 000 Euro gibt es in Rheinland-Pfalz 9000 Euro Hilfe dazu. Das muss aber alles über die Hausbank laufen. Auf ein KfW-Darlehen brauche er auch nicht hoffen, denn: Nach Angaben seiner Hausbank sei eine 41-prozentige Sicherheit erforderlich: „Welches Unternehmen hat das schon?“ Lars Becker befürchtet: „Es werden viele Firmen in unserer Branche auf der Strecke bleiben. Ich würde nie sagen: Wir schaffen das auf alle Fälle.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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