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Umstellung schwierig
Wer von der Mehrwertsteuer-Senkung profitiert - und wer nicht

Bei Dennis Klein in der Bäckerei bleiben die Preise und die Preisschilder wie sie sind – der Aufwand, sie zu ändern, würde sich für ihn nicht lohnen.
  • Bei Dennis Klein in der Bäckerei bleiben die Preise und die Preisschilder wie sie sind – der Aufwand, sie zu ändern, würde sich für ihn nicht lohnen.
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sp Siegen. „Die Unternehmen haben vor allem einen hohen bürokratischen Aufwand“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen – und nicht für alle lohne sich dieser. Mit Start des heutigen Tages liegt die Mehrwertsteuer nur noch bei 16 statt 19 bzw. bei 5 statt 7 Prozent. Die verminderten Sätze gelten aber nur bis zum Jahresende. Zwischen dem anfänglichen Vorschlag und dem Beschluss des Bundestages verging nicht viel Zeit, was die Unternehmen und Geschäfte vor eine besondere Herausforderung gestellt hat – und auch immer noch stellt.
Viele Einzelhändler sehen Merwertsteuer-Senkung skeptischNach Einschätzung der IHK Siegen lehnen etwa zwei Drittel der Händler die Senkung der Mehrwertsteuer ab, nur ein Drittel begrüßen sie.

sp Siegen. „Die Unternehmen haben vor allem einen hohen bürokratischen Aufwand“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen – und nicht für alle lohne sich dieser. Mit Start des heutigen Tages liegt die Mehrwertsteuer nur noch bei 16 statt 19 bzw. bei 5 statt 7 Prozent. Die verminderten Sätze gelten aber nur bis zum Jahresende. Zwischen dem anfänglichen Vorschlag und dem Beschluss des Bundestages verging nicht viel Zeit, was die Unternehmen und Geschäfte vor eine besondere Herausforderung gestellt hat – und auch immer noch stellt.

Viele Einzelhändler sehen Merwertsteuer-Senkung skeptisch

Nach Einschätzung der IHK Siegen lehnen etwa zwei Drittel der Händler die Senkung der Mehrwertsteuer ab, nur ein Drittel begrüßen sie. Und nicht alle Unternehmen könnten oder wollten die Ersparnis durch die Steuersenkung an ihre Kunden weitergeben, so die Kammer. Es müsse in jedem Fall differenziert werden, um welches Handels- oder Marktsegment es gehe, sagt Gräbener. Es sei ein Unterschied, ob ein T-Shirt für wenige Euro oder ein Neuwagen gekauft werde.

Die SZ hat sich umgehört bei Unternehmen und Geschäften und gefragt, wie sie die Senkung des Mehrwertsteuersatzes bewerten:

• Die Bäckerei Klein (Weidenau) senkt ihre Preise nicht. Das teilte Geschäftsführer Dennis Klein mit: „Die bleiben, wie sie sind, weil es hier um wenige Cent geht. Da kommen wir schon in die Nachkommastellen. Neue Schilder drucken zu lassen, wäre ein Riesenaufwand.“ Andere Bäcker, mit denen er sich unterhalten habe, handhabten es ähnlich. „Durch Corona und die Auflagen hatten wir einen hohen Mehraufwand“, so Klein, dafür solle das wenige Geld, das jetzt zusammenkomme, verwendet werden. Die Umstellung der Kasse im alltäglichen Geschäft sei „sehr kompliziert“. Das dafür zuständige Unternehmen schaffe das erst Mitte Juli. „So lange wird das Finanzamt auch noch die vollen Sätze abrechnen.“

• Die Umstellung des Kassensystems sei einfach zu händeln, sagt ChristophBurghaus, Geschäftsführer des gleichnamigen Modehauses in Betzdorf. Die Mehrwertsteuersenkung werde nur für nicht reduzierte Ware gelten. Alles andere sei nicht zu stemmen. Die Preise würden nicht neu ausgezeichnet, erst an der Kasse gebe es den Nachlass. Es sei „ein Gebot der Fairness“ mitzumachen, sagt Burghaus. Aber: „Den Unternehmen hilft es erst einmal gar nicht.“ Der Geschäftsführer ist skeptisch. Man habe mehr Aufwand, und ob es am Ende zusätzliche Umsätze gebe, sei abzuwarten. „Die Politik hat es sich vielleicht ein bisschen zu einfach gemacht, und die Arbeit an andere weitergeschoben.“

• Reinhard Quast, Vorstand der Otto Quast Bau AG, sieht für Unternehmen des Baugewerbes ebenfalls einen hohen Organisationsaufwand, der mit mehr Kosten verbunden ist. Für einen Bauauftrag müssten Leistungsabschnitte definiert und mehrere Verträge abgeschlossen werden. Den erhöhten Aufwand sieht Quast vor allem bei den zusätzlichen Terminen auf der Baustelle und bei der Umstellung des Buchführungssystems. Der Einfluss der Mehrwertsteuersenkung könne für das Baugewerbe aber auch positiv sein, wenn mehr neugebaute Wohnungen verkauft würden.

• Kreishandwerksmeister Frank Clemens (Olpe) sieht für das Handwerk in erster Linie einen bürokratischen Aufwand, „der erst einmal Zeit und auch Geld kostet“. Ob die Investitionen wirklich steigen und die Wirtschaft angekurbelt wird, bezweifelt der Dachdeckermeister. „Aber man darf jetzt nicht alles kaputt reden, man muss erst einmal abwarten.“ Damit die Senkung „eine gute Sache“ werde, müssten die Menschen das Geld, das sie an der einen Stelle sparten, auch ausgeben und nicht aufgrund der unsicheren Situation zurückhalten, sagt Clemens.

• Der regionale Supermarkt-Betreiber Dornseifer richtet sich als Partner von Rewe nach den Vorgaben des Branchenriesen. Der Preis von 5000 Eigenmarken- und von 3000 Markenartikeln wird gesenkt – stärker als durch die veränderte Mehrwertsteuer. Dafür ändert sich der Preis bei anderen Artikeln nicht. „Bei den Frischeabteilungen sind wir unseren eigenen Weg gegangen und haben die Mehrwertsteuer eins zu eins runtergerechnet“, sagt Vertriebsleiter Markus Daub. Auch er spricht von einem relativ großen Aufwand, denn schließlich müssten Tausende Etiketten neu erstellt und neue Plakate gedruckt werden. Am Montag hätten sie damit angefangen, so Daub, und fertig seien sie damit wohl erst Ende der Woche.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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