Wertvollem Gut droht böses Ende

 Roland Syring, Betriebsleiter der Kläranlage, und Stadtwerke-Chef Werner Otto (r.) hoffen darauf, dass ihr wertvoller Kompost nicht in einer Verbrennungsanlage endet. Gern möchten sie ihn wieder kostenlos abgeben. Foto: Jan Schäfer
  • Roland Syring, Betriebsleiter der Kläranlage, und Stadtwerke-Chef Werner Otto (r.) hoffen darauf, dass ihr wertvoller Kompost nicht in einer Verbrennungsanlage endet. Gern möchten sie ihn wieder kostenlos abgeben. Foto: Jan Schäfer
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js - Im Fachhandel darf er gekauft werden, an der zertifizierten Kläranlage der Stadtwerke Hilchenbach im Kredenbacher Gewerbgebiet Ferndorftal hingegen gilt seit einigen Monaten ein Abgabestopp. Nur zu gern würden die beiden Betriebsleiter Roland Syring und Werner Otto wie in den vergangenen Jahrzehnten auch das wertvolle Abfallprodukt der Anlage an die Gartenbesitzer der Region verschenken – seit dem 2. Oktober aber macht ihnen eine neue Klärschlammverordnung einen Strich durch die Rechnung. Seither wird kein Kompost mehr abgegeben; die Kapazitätsgrenzen der Lagerstätte sind bereits in Sicht.

Mit der Klärschlammverordnung (kurz und kompliziert: AbfKlärV) regelt die Bundesregierung die Anforderungen an die Verwertung von Klärschlamm, Klärschlammgemisch und Klärschlammkompost neu. Sie fordert nicht nur weitere umfangreiche Untersuchungen des Klärschlamms, sondern auch nicht weniger umfangreiche Bodenuntersuchungen für diejenigen Böden, auf denen der Kompost verteilt werden soll. Bodenbeschaffenheit, Bodenart, Phosphatgehalt, Schadstoffe wie Schwermetalle müssten überprüft werden, bevor der Kompost ausgetragen wird. Die Kosten für diese Untersuchungen würden bei bis zu 1000 Euro liegen – die bisherige Kompost-Abgabepraxis ist damit nicht mehr umsetzbar.

Anders als die anderen Kläranlagen in der Umgebung setzen die Hilchenbacher nicht auf konventionelle Faulung. Die Wahl des Verfahrens hatte historische Gründe, da die Anlage – die auch die Abwässer des Kreuztaler Stadtteils Kredenbach und das Sickerwasser der Winterbach-Deponie behandelt – seinerzeit für die Reinigung chromhaltiger Abwässer der Lederwerke ausgerichtet war. Deshalb betreiben die Stadtwerke Hilchenbach in der Region die einzige Anlage, die am Ende das Abfallprodukt als Kompost anbietet. Die Abwasserschlämme aus den beiden kommunalen Anlagen (die zweite steht im Edertal bei Lützel) werden mit Sägemehl versetzt in einem Bioreaktor aufgearbeitet und zu einem Produkt veredelt, das seit 2004 mit dem RAL-Gütezeichen „AS-Humus“ zertifiziert ist und durch seine Phosphor- und Stickstoff-Anteile für langfristig verbesserte Bodenfruchtbarkeit sorgt. Guter Gratisdünger also, dem nunmehr die Verbrennungsanlage droht.

Denn: Wenn die Stadtwerke ihr Produkt nicht mehr verschenken dürfen (ihr Einzugsgebiet reicht bis Lüdenscheid und in den Westerwald), müssen sie es anderweitig entsorgen. Vorerst üben sie sich noch in Geduld, aber auch die geht demnächst an ihre Grenzen: Spätestens im Sommer, so befürchten Syring und Otto, wird der Lagerplatz auf dem Klärwerksgelände voll sein – die Zeit drängt. Was geschieht, wenn der Gesetzgeber bei seiner Linie bleibt? „Dann müssen wir uns einen Entsorger suchen“, erklärt der Stadtwerke-Chef. Die erstbeste Alternative für das bisherige Abgeben an Gartenbesitzer und Gartenbauer sei die Landwirtschaft. Sollte das nicht möglich sein, müsse das kostbare Material verbrannt werden. Das sei nicht nur eine bedauerliche Verschwendung eines Qualitätsprodukts, sondern auch sehr kostspielig. „Die Preise auf dem Markt explodieren“, weiß Otto aus seinem Kollegen-Netzwerk. 

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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