Bauernregeln auf dem Prüfstand
Wetter-Experten zweifeln an Prognosen

Ungemütlich war es in den vergangenen Wochen: Ob uns das Siegerländer „Usselwetter“ der Krönchenstadt noch ein bisschen erhalten bleibt oder ob der Frühling endlich kommt, das prognostizieren alte Bauernweisheiten – und zwei hiesige Meteorologen.
  • Ungemütlich war es in den vergangenen Wochen: Ob uns das Siegerländer „Usselwetter“ der Krönchenstadt noch ein bisschen erhalten bleibt oder ob der Frühling endlich kommt, das prognostizieren alte Bauernweisheiten – und zwei hiesige Meteorologen.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

ap Siegen. Bauernregeln gibt es viele – doch ist da wirklich etwas dran? Zu diesem Monat hat die SZ zwei Meteorologen sowie einen Obstbaumexperten befragt.

„Je nasser ist der Februar, desto nasser wird das ganze Jahr.“ – Müssen wir uns also schon jetzt auf ein Schlechtwetterjahr einstellen? „In Zeiten des Klimawandels denke ich nicht, dass Bauernweisheiten wie diese noch viel Wahrheitsgehalt haben“, gibt Carsten Beyer von Meteo Siegerland (erste) Entwarnung. „Ich finde sie eher amüsant, als dass ich daran glaube“, verrät der Meteorologe.

Und was meint Kollege Julian Pape von den Wetterportalen Sauerland und Wittgenstein? „Ich würde sagen, das trifft in 60 Prozent der Fälle zu. Aber eben auch zu 40 Prozent nicht.“ Oftmals bleibe das Wetter zwar für einen längeren Zeitraum beständig, jedoch habe das vergangene Jahr gezeigt, dass man keine pauschalen Aussagen treffen kann. „2020 hatten wir einen extrem nassen Februar und den großen Sturm Sabine. Ab März war es dann aber für viele Monate sehr warm und viel zu trocken“, erklärt Pape.

Nur wärmer, weil Sonne höher steigt

Ist somit auch auf die Bauernregel „Ist der Februar trocken und kalt, kommt im März die Hitze bald“ kein Verlass? „Auch hierbei geht man schlichtweg davon aus, dass eine Hochdruckwetterlage länger andauert“, sagt der Wetterexperte, „aber eigentlich wird es nur wärmer, weil die Sonne höher steigt und mehr Kraft hat als im Winter.“ Zudem findet Pape: „Das kann man nicht als Hitze, sondern mehr als Frühlingswärme interpretieren.“

Doch nicht nur das Wetter versuchen Bauernregeln zu prognostizieren. Häufig geht es dabei auch um Erträge und Verluste bei der Ernte: „Im Februar zu viel Sonne am Baum, lässt dem Obst keinen Raum.“ Inwieweit sich diese These bestätigen oder widerlegen lässt, weiß Friedhelm Geldsetzer, Vorsitzender des Obstbaumvereins Freudenberg. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass man sich auf die vermeintlichen Weisheiten nicht (immer) verlassen kann.

„Damit bin ich immer ein bisschen vorsichtig“, nimmt Geldsetzer vorweg. „Ich mache den Obstbau weit über 50 Jahre und das habe ich so noch nicht beobachtet“, begründet er seine Skepsis. Aber: Alte Pflanzen reagierten auf Warmwetterperioden und Nachtfröste anders als neue. „Sie entwickeln eine Nachblüte, sodass man dann wenigstens ein bisschen Obst hat.“

Das Siegerland sei vom Klima und Boden aber ohnehin „keine begnadete Region“ für Obstbäume. Eine Erklärung liefert Geldsetzer gleich mit: „Der Frost bleibt länger in den Tälern stehen, das ist unser generelles Problem im Mittelgebirge.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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