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Keine Messungen von Flugzeugen
Wetterdaten im Corona-Sinkflug

Wetterfröschen fehlen zwar im Zuge der Corona-Krise wichtige Daten, einen Vorteil hat der wegfallende Flugverkehr aber zweifelsohne: Die Bedingungen für Fotografen könnten besser kaum sein. Carsten Beyer von Meteo Siegerland nutzte dies für diese tolle Aufnahme auf der Tiefenrohter Höhe.
  • Wetterfröschen fehlen zwar im Zuge der Corona-Krise wichtige Daten, einen Vorteil hat der wegfallende Flugverkehr aber zweifelsohne: Die Bedingungen für Fotografen könnten besser kaum sein. Carsten Beyer von Meteo Siegerland nutzte dies für diese tolle Aufnahme auf der Tiefenrohter Höhe.
  • Foto: Meteo Siegerland
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

cs Siegen/Netphen-Salchendorf. Die Corona-Krise zieht weite Kreise, hat unglaublich viele Facetten – und doch stößt man immer wieder auf neue Aspekte. Wer hätte etwa gedacht, dass im Zuge der Pandemie die Qualität der Wettervorhersagen deutlich leidet? Zwar beziehen Meteorologen weltweit ihre Daten zu einem großen Teil von Satelliten und Bodenstationen, wichtiges Material liefern aber auch Flugzeuge. Und weil der Verkehr in der Luft massiv zurückgegangen ist, fehlen den Wetterfröschen nun bedeutende Messwerte für ihre Prognosen. „Dieser Ausfall wirft die Vorhersagen derzeit auf den Stand von vor etwa zehn Jahren zurück“, hat auch Carsten Beyer, der heimische Hobby-Meteorologe aus Netphen-Salchendorf, recherchiert.

cs Siegen/Netphen-Salchendorf. Die Corona-Krise zieht weite Kreise, hat unglaublich viele Facetten – und doch stößt man immer wieder auf neue Aspekte. Wer hätte etwa gedacht, dass im Zuge der Pandemie die Qualität der Wettervorhersagen deutlich leidet? Zwar beziehen Meteorologen weltweit ihre Daten zu einem großen Teil von Satelliten und Bodenstationen, wichtiges Material liefern aber auch Flugzeuge. Und weil der Verkehr in der Luft massiv zurückgegangen ist, fehlen den Wetterfröschen nun bedeutende Messwerte für ihre Prognosen. „Dieser Ausfall wirft die Vorhersagen derzeit auf den Stand von vor etwa zehn Jahren zurück“, hat auch Carsten Beyer, der heimische Hobby-Meteorologe aus Netphen-Salchendorf, recherchiert.

Flugzeuge liefern wichtige Daten aus luftiger Höhe

Vor allem die Kurzfristvorhersagen für die nächsten 48 bis 72 Stunden werden dadurch deutlich ungenauer, ebenso die Prognosen bei Unwetterlagen. Denn die Maschinen liefern Daten, die nur auf diesem Wege erhoben werden können. Bei Start und Landung werden verschiedene Luftschichten durchflogen, vor allem die Messungen in einer Höhe von zehn Kilometern sind wichtig, sagt Carsten Beyer: „Dort gibt es den berühmten Jetstream, ein Starkwindband, das bestimmt, was die Hochs und Tiefs am Boden machen.“Wetterballons, auf die der Deutsche Wetterdienst (DWD) nun vermehrt setzt, stellen übrigens keinen gleichwertigen Ersatz dar. „Die können bei ihrem Aufstieg nur standortbezogene Daten liefern“, weiß der 41-jährige Beyer, und die Areale über den Ozeanen können ebenfalls nicht bedient werden.

Die Luftfeuchte wird nicht mehr erfasst

Nähere Erläuterungen liefert auf SZ-Anfrage die Pressestelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das weltweite meteorologische Beobachtungssystem besteht demnach aus Vor-Ort-Messsystemen, also aus Bodenstationen, Schiffen, Bojen, Wetterballonen und den normalerweise sehr vielen Verkehrsflugzeugen. Zusätzlich gibt es Fernerkundungssysteme wie Radar und Wettersatelliten.
Die Flugzeugmessungen seien besonders wichtig, „von neun Lufthansa-Flugzeugen erhalten wir normalerweise sogar Messungen der Luftfeuchte“, heißt es weiter. Während der DWD im Januar und Februar noch 350.000 Beobachtungen pro Tag erhalten habe, seien es aktuell derer nur noch rund 50.000. Und die Anzahl der Feuchtebeobachtungen ist von 2500 auf null gesunken, weil alle neun mit Feuchtesensoren ausgerüsteten Maschinen nun am Boden bleiben.

Prognosen werden wohl in jedem Fall schlechter

Es sei gegenwärtig noch nicht abzuschätzen, wie stark sich die Situation auf die Vorhersagequalität auswirken werde – eine Verschlechterung sei aber zu erwarten, meint der DWD. Denn Sensitivitätsstudien des europäisches Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage hätten gezeigt, dass die Entfernung aller Flugzeugdaten die Wind- und Temperaturvorhersagen auf diesen Ebenen im Nahbereich um bis zu 15 Prozent verschlechtere, wobei es in allen Vorhersagebereichen bis zu sieben Tagen zu erheblichen Verschlechterungen komme. „Das kann im Einzelfall dazu führen, dass wir ein sich bildendes Tiefdrucksystem in der Entwicklung seiner Stärke unterschätzen oder dass die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten falsch berechnet werden“, heißt es seitens des DWD abschließend.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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