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Aktion zum Start ins Ausbildungsjahr 2020/21
Wettstreit der Abkassierer

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tile Siegen. „Ich bin schon etwas nervös“, gesteht Kevin Berg. Der Siegener ist einer von tausenden Auszubildenden, die gestern ins Berufsleben starteten. Mit 33 Jahren gehört der neue Azubi im Lidl-Markt an der Hagener Straße in Siegen nicht zu den typischen Lehrlingen, wie man sie sich gemeinhin vorstellt. Die Herzfrequenz nimmt zusätzlich Tempo auf, als ihn sein neuer Arbeitgeber gleich in einem Wettkampf mit zwei Siegener Schwergewichten antreten lässt: Anlässlich des beginnenden Ausbildungsjahrs 2020/21 soll er sich an der Kasse gegen IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener und Siegens Stadtrat Arne Fries beweisen. Wer zieht innerhalb zehn Minuten die meisten Waren über den Scanner? Für den guten Zweck, versteht sich.

tile Siegen. „Ich bin schon etwas nervös“, gesteht Kevin Berg. Der Siegener ist einer von tausenden Auszubildenden, die gestern ins Berufsleben starteten. Mit 33 Jahren gehört der neue Azubi im Lidl-Markt an der Hagener Straße in Siegen nicht zu den typischen Lehrlingen, wie man sie sich gemeinhin vorstellt. Die Herzfrequenz nimmt zusätzlich Tempo auf, als ihn sein neuer Arbeitgeber gleich in einem Wettkampf mit zwei Siegener Schwergewichten antreten lässt: Anlässlich des beginnenden Ausbildungsjahrs 2020/21 soll er sich an der Kasse gegen IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener und Siegens Stadtrat Arne Fries beweisen. Wer zieht innerhalb zehn Minuten die meisten Waren über den Scanner? Für den guten Zweck, versteht sich. „Das habe ich nicht erwartet“, so der Neue im Team von Filialleiter Gianni Favaretto.

Azubis werden tendenziell älter

„Ich freue mich auf die Chance, die ich hier bekomme“, sagt Kevin Berg. Er ist einer von 72 neuen Auszubildenden, die die hiesige Lidl-Vertriebs GmbH für den Bereich Lüdenscheid bis Dillenburg zum 1. August eingestellt hat. In ihren zwölf Jahren sei der 33-Jährige der älteste Bewerber gewesen, den sie bisher eingestellt habe, verrät Verkaufsleiterin Katharina Osthues. Aber das Alter spiele nur eine untergeordnete Rolle. Er habe einen guten Eindruck hinterlassen. Insgesamt sei aber erkennbar, dass die Bewerber eher 20 statt 16 Jahre alt seien. Der Weg von Haupt- und Realschule in die Lehre sei kein Automatismus mehr, weiß auch Personal- und Verwaltungsleiterin Karen Kromberg. Viele Schüler versuchten sich zunächst an einem höheren Abschluss. Und so zählt der heimische Lidl 15 Abiturienten, die in die Ausbildung starten, sowie vier weitere Jobeinsteiger, die ein duales Studium aufnehmen.

Zweijährige Ausbildung zum Verkäufer

Der Markt an der Hagener Straße wird für die nächsten zwei Jahre Kevin Bergs berufliche Heimat bleiben. Sollte er nach der Ausbildung zum Verkäufer noch den Einzelhandelskaufmann dranhängen, würde er in einem weiteren Jahr andere Filialen und Abteilungen kennenlernen. Bereits in Bochum, wo er zuletzt in einer Tankstelle gearbeitet hatte, habe er sich aufgrund der guten Bewertungen von Lidl als Ausbildungsbetrieb beworben. Damals noch erfolglos. Umso glücklicher ist er, dass es nun nach der Rückkehr mit der Familie in die alte Heimat geklappt hat.

Kunden machen den Spaß mit

An der Kasse hält sich Kevin Berg zunächst zurück, lässt Klaus Gräbener den Vortritt. Nach kurzer Einweisung und Eingewöhnung sitzen die Handgriffe beim IHK-Hauptgeschäftsführer fast schon routiniert. „Es gibt einem ein Gefühl für die andere Seite“, resümiert er. Dann übernimmt der Auszubildende. Von Nervosität keine Spur mehr. Auch weil die Kunden das etwas langsamere Abkassieren mit stoischer Ruhe über sich ergehen lassen. Der 33-Jährige ist freundlich und kaum als „Neuling“ zu identifizieren. Als dritter setzt sich Arne Fries ans Band. Er ist der erste, der den Zigarettenschrank aufschließen muss – das bringt Umsatz. Tatsächlich landet der Mann aus dem Siegener Rathaus mit netto eingenommenen 114,72 Euro auf Platz zwei des Kassiererwettstreits. Klaus Gräbener winkt angesichts seiner 52,16 Euro augenzwinkernd ab. Als erster habe man immer einen Wettbewerbsnachteil.

Industrie schließt weniger Lehrverträge

500-Euro-Spende an Alternative Lebensräume

Kevin Berg startet mit 126,27 Euro gleich an seinem ersten Tag auf der Siegerstraße durch und sammelt die ersten Pluspunkte im blauen Dress seines neuen Arbeitgebers. Der rundete den eingenommenen Verkaufserlös auf 500 Euro auf, die Geschäftsführerin Sonja Becker als Spende für die Alternativen Lebensräume (alf) entgegen nimmt. Das Geld fließe in die Ausstattung zweier Wohnungen, die gerade im Rahmen des Projekts „Housing First“ für wohnungslose Frauen hergerichtet werden.

Am ersten Tag bis Ladenschluss

Danach beginnt für Kevin Berg der Alltag. In der ersten Woche wird er u. a. in Unfallverhütungsvorschriften geschult und lernt den Laden und seine rund 30 neuen Kollegen kennen. Später wird er in jedem Bereich eingesetzt, meistens eine Woche lang, für das aufwendige Aktionsgeschäft sind hingegen rund sechs Wochen eingeplant. Die „Schonfrist“ für den Azubi ist nach dem erfreulichen Kassensturz auch schon wieder vorbei: Seine erste Schicht geht bis Ladenschluss.

IHK: 503 Azubi-Verträge weniger als 2019

Neben Kevin Berg erhielten 1570 weitere Bewerber einen Vertrag für das Ausbildungsjahr 2020/21 bei einem Betrieb innerhalb des IHK-Kammerbezirks Siegen. Das sind 503 weniger (-24 Prozent) als im Vorjahr. Der Rückgang sei in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe gleichförmig, analysiert Klaus Gräbener die Zahlen. Zudem betreffe die Entwicklung sowohl die gewerblich-technischen als auch die kaufmännischen Berufe.

Lennestadt und Neunkirchen büßen am meisten ein

In Hilchenbach und Attendorn konnte dieser Trend am besten abgefangen werden. Dennoch nahmen auch hier die Zahlen der Verträge um rund 11 bzw. 13 Prozent ab. Deutlich weniger wird diesmal in Lennestadt (-41 Prozent) und Neunkirchen (-35 Prozent) ausgebildet. In Siegen gibt es mit 405 Azubis 101 weniger als 2019 (-20 Prozent).

"Last Minute Ausbildung"

Zuletzt hatte die IHK nochmals mit der Social-Media-Kampagne „Last Minute Ausbildung“ versucht, Unternehmen und Bewerber zusammen zu bringen. So seien bisher 55 weitere Lehrverträge zustande gekommen, sagte Klaus Gräbener. Und noch gebe es Potenzial. Er hofft, am Ende bei etwa 1800 Ausbildungsverträge zu landen. Das wären dann immer noch etwa 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Ausbildungsprämie für Unternehmen

Nur für Unternehmen, die von der Corona-Krise „in erheblichem Umfang“ betroffen sind, kommt die Ausbildungsprämie in Betracht. Mindestens ein Monat Kurzarbeit oder ein Umsatzeinbruch von 60 Prozent im April und Mai sind die geforderten Indizien. Wer das nicht belegen kann, hat keine Chance auf die Prämie. Darauf weist die IHK hin. Bevor die Firmeninhaber also die Kammer um eine Bescheinigung über ihre Ausbildungsaktivitäten der letzten Jahre bitten, sollten sie erst die Anspruchsvoraussetzungen prüfen.

Kevin Berg hat seine Ausbildung zum Verkäufer begonnen.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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