WEW zur Thielmann-Gruppe

WEW wurde von der spanischen Thielmann-Gruppe übernommen. Foto: Archiv

thor - Einen Tag nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist das Westerwälder Eisenwerk (WEW) von der Thielmann-Gruppe übernommen worden. Hinter dem urdeutschen Namen steht allerdings ein spanischer Konzern mit Sitz in Granada. Künftig firmiert der Traditionsbetrieb als WEW Container Systems GmbH. Als Geschäftsführer dieser Gesellschaft bleibt Dr. Ulrich Bernhardt dem Unternehmen und der Region erhalten.

Thielmann ist nach eigenen Angaben mit einer 275-jährigen Geschichte Weltmarktführer in der Produktion von Edelstahlbehältern in einer Größe zwischen 5 und 5000 Litern. Die Kunden kommen aus der Lebensmittel-, Getränke-, Pharma-, Chemie-, Öl- und Gasindustrie. Durch die Übernahme von WEW könne man die eigenen Produkte und Dienstleistungen perfekt ergänzen, heißt es in der aus Spanien verbreiteten Pressemeldung. Bernhardt betonte dies noch einmal gegenüber der SZ: Bei WEW könne man schließlich Spezialcontainer bis zu einem Volumen von 50 000 Litern herstellen. So könne die Thielmann-Gruppe ihren industriellen Kundenstamm erweitern und neue Märkte im Bereich öffentlicher Auftraggeber erschließen.

Hier handele es sich ganz klar um einen strategischen Investor und „keinen, der auf den schnellen Euro guckt“, sagte Bernhardt. WEW sei nun wieder in eine Gruppe integriert und verfüge somit auch wieder über einen „vernünftigen finanziellen Background“. Zur Erinnerung: Durch ausstehende Zahlungen eines größeren Auftrags aus Saudi-Arabien war die Firma erst in Schieflage geraten. Nach Angaben des Geschäftsführers ist es in Weitefeld gelungen, alle Kunden bei der Stange zu halten. Auch ein Großauftrag des österreichischen Bundesheeres aus dem vergangenen Herbst sei nicht storniert worden. Allerdings ist die Zahl der Mitarbeiter weiter geschrumpft, auf derzeit etwas über 70. Laut Bernhardt stehen aber alle Zeichen auf Wachstum – und damit seien nicht nur die Umsatzzahlen gemeint.

Bei aller Euphorie muss aber auch daran erinnert werden, dass die Thielmann-Gruppe (noch unter dem alten Namen Ucon) im Dreiländereck schon einmal verbrannte Erde hinterlassen hat. Nachdem man sich schon in den 1990er Jahren aus Bad Berleburg zurückgezogen hatte, wurde Ende 2014 auch ein komplettes Werk in Haiger geschlossen und die Produktion nach Hausach (Baden) verlegt. Ein Unternehmenssprecher sagte damals der Haigerer Zeitung: „Ein Standort reicht für den deutschen Markt.“ Auch bei der IG Metall in Betzdorf ist man sich dieser Historie sehr wohl bewusst, Bevollmächtigter Uwe Wallbrecher stellte gleichwohl fest, dass die Thielmann-Gruppe „oberflächlich betrachtet“ das attraktivste Angebot vorgelegt habe. Er habe aber schon einmal mit den zuständigen Gewerkschaftskollegen in Offenburg Rücksprache gehalten. Dort pflege man einen ordentlichen Umgang, das Unternehmen sei zu 100 Prozent tarifgebunden.

Bernhardt ist fest davon überzeugt, dass der Standort Weitefeld gehalten und ausgebaut werden soll. Klares Indiz dafür sei, dass die Thielmann-Gruppe die gesamte Immobilie gekauft und nicht gemietet habe. Auch werde das noch verbliebene Vertriebsbüro von Haiger nach Weitefeld verlegt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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