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Lieferengpässe in Apotheken
Wichtige Medikamente sind oft nicht verfügbar

Blutdrucksenker, Säureblocker und andere gängige Präparate sind oft nicht lieferbar – und das nicht erst seit Kurzem.
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  • Blutdrucksenker, Säureblocker und andere gängige Präparate sind oft nicht lieferbar – und das nicht erst seit Kurzem.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen/Kreuztal. Den Apotheken machen weiter Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln zu schaffen. Im vergangenen Jahr waren 16,7 Millionen Produkte nicht verfügbar, für die es Rabattverträge mit den gesetzlichen Kassen gibt, wie eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstitutes für den Deutschen Apothekerverband (DAV) ergab. „Das ist ein Dauerthema seit vielen Jahren“, betont Michael Schmitz, Geschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Ursache dafür sei die außereuropäische Wirkstoffproduktion, und auch die Verträge der Hersteller mit den jeweiligen Krankenkassen würden Medikamentenengpässe zusätzlich begünstigen. Doch wie steht es um die regionale Versorgung? Darüber sprach die SZ mit zwei hiesigen Apothekeninhabern.

ap Siegen/Kreuztal. Den Apotheken machen weiter Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln zu schaffen. Im vergangenen Jahr waren 16,7 Millionen Produkte nicht verfügbar, für die es Rabattverträge mit den gesetzlichen Kassen gibt, wie eine Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstitutes für den Deutschen Apothekerverband (DAV) ergab. „Das ist ein Dauerthema seit vielen Jahren“, betont Michael Schmitz, Geschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Ursache dafür sei die außereuropäische Wirkstoffproduktion, und auch die Verträge der Hersteller mit den jeweiligen Krankenkassen würden Medikamentenengpässe zusätzlich begünstigen. Doch wie steht es um die regionale Versorgung? Darüber sprach die SZ mit zwei hiesigen Apothekeninhabern.

Keine echte Bedrohung der Versorgungslage mit Medikamenten

„Zu Beginn der Pandemie hatten wir Angst, dass echte Lieferengpässe für viele Wirkstoffe eintreten und ganze Lieferketten einbrechen“, berichtet der Kreuztaler Apothekenchef Günther Harbaum-Neuhaus. „Das hat sich aber zum Glück nicht bestätigt.“

Günther Harbaum-Neuhaus.

Zu einer Medikamentenknappheit könne es seiner Erfahrung nach – unabhängig von Corona – in seltenen Fällen bei blutdrucksenkenden Medikamenten oder Magensäureblockern wie Pantoprazol kommen. Eine echte Bedrohung der aktuellen Versorgungslage sieht der Apotheker darin jedoch nicht. Zusätzlich entschärft würde die Lage durch rechtliche Lockerungen bei der Auswahl von Ersatzmedikamenten. „Es wurden Erleichterungen geschaffen, indem man Hersteller leichter austauschen oder – nach Absprache mit den Ärzten – auf andere Wirkstoffe gehen kann“, erklärt Harbaum-Neuhaus.
Einschränkungen für die Kunden gebe es kaum. „Wir sind mittlerweile darauf bedacht, auf Vorrat zu kaufen, um Medikamentenausfälle zu kompensieren“, erklärt der Apothekenchef.

Tania Hortmann sieht eine "echte Katastrophe"

Einen ganz anderen Eindruck von der aktuellen (Versorgungs-)Situation hat Tania Hortmann von der Jung-Stilling-Apotheke in Siegen. „Es ist eine echte Katastrophe“, beklagt die Pharmazeutin. Fehlen würden derzeit rund 60 Positionen, darunter gängige Medikamente wie Migräne- und Schlafmittel, Psychopharmaka und Anti-Depressiva, aber auch Impfstoffe gegen Pneumokokken und Lungenentzündungen sowie Cortisone für die Notfallmedizin seien seit einem Jahr ganz schwer zu bekommen oder teilweise gar nicht lieferbar. „Es zieht sich durch alle Gebiete“, fasst Hortmann zusammen.

Tania Hortmann.

Die Patienten mit gleichwertigen Austauschpräparaten zu versorgen und Rezeptänderungen mit den Ärzten abzustimmen, erfordere einen hohen personellen sowie logistischen Aufwand, schildert die Siegener Apothekerin. „Ich sitze hier abends Stunden um Stunden, um das hinzukriegen. Zeitlich bin ich mit dem Rücken an der Wand.“

"Wirkstoffe müssen mehr in Deutschland produziert werden"

Dass sich diese Rahmenbedingungen langfristig ändern müssen, findet auch Apothekenkammer-Chef Schmitz. Er fordert: „Wirkstoffe müssen wieder mehr in Deutschland produziert werden.“ Zudem sollten Exporte von knappen Arzneimitteln aus seiner Sicht künftig unterbunden werden. „Was wir dringend brauchen, ist mehr Transparenz und dass Lieferengpässe früher vom Hersteller kommuniziert werden, damit Apotheken sich besser darauf einstellen können“, findet Schmitz.

Eine Arzneimittel-Notfallreserve gebe es nämlich nicht. „Da muss der Apotheker schon kreativ sein“ – und sich beispielsweise mit Nachbarapotheken absprechen. „Das alles kostet eine ganze Menge Zeit, die in der Beratung und Betreuung dann fehlt“, weiß auch der Geschäftsführer der Apothekerkammer.
Nichtsdestotrotz würden Patienten (fast) nie unversorgt bleiben. „Das Ganze ist weniger ein Problem des Verbrauchers, sondern eher ein Problem der Politik mit Herstellern, Krankenkassen, Apothekern und Ärzten“, resümiert Schmitz.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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