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Synoden beraten über Fusion
Wie aus zwei Kirchenkreisen einer werden kann

Auch die evangelische Nikolai-Kirchengemeinde in Siegen, hier mit Pfarrerin Annegret Mayr am Altar, wäre nach einer Fusion Mitglied des neuen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein.
  • Auch die evangelische Nikolai-Kirchengemeinde in Siegen, hier mit Pfarrerin Annegret Mayr am Altar, wäre nach einer Fusion Mitglied des neuen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein.
  • Foto: jak (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen/Bad Berleburg. Machbar oder nicht? Das ist die kurzgefasste Frage, auf die die „Machbarkeitsstudie zur Vereinigung der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein“ eine Antwort geben soll. Und sie hat sie gegeben: Die Vereinigung ist möglich und bietet mehr Chancen als Risiken. Das haben die vier Arbeitsgruppen und die gemeinsame Steuerungsgruppe beider Kreise als Ergebnis ihrer Überlegungen auf 31 Seiten dargelegt. Die beiden Kreissynoden werden am kommenden Mittwoch, 16. September, zeitgleich über die Studie beraten und die weiteren Schritte beschließen.
In vier Bereichen wird das Papier, das den Weg in eine gemeinsame Zukunft von insgesamt 25 Siegerländer, einer Olper, elf Wittgensteiner und dreier Hochsauerländer ev. Kirchengemeinden ebnen soll, recht konkret.

ihm Siegen/Bad Berleburg. Machbar oder nicht? Das ist die kurzgefasste Frage, auf die die „Machbarkeitsstudie zur Vereinigung der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein“ eine Antwort geben soll. Und sie hat sie gegeben: Die Vereinigung ist möglich und bietet mehr Chancen als Risiken. Das haben die vier Arbeitsgruppen und die gemeinsame Steuerungsgruppe beider Kreise als Ergebnis ihrer Überlegungen auf 31 Seiten dargelegt. Die beiden Kreissynoden werden am kommenden Mittwoch, 16. September, zeitgleich über die Studie beraten und die weiteren Schritte beschließen.
In vier Bereichen wird das Papier, das den Weg in eine gemeinsame Zukunft von insgesamt 25 Siegerländer, einer Olper, elf Wittgensteiner und dreier Hochsauerländer ev. Kirchengemeinden ebnen soll, recht konkret. – Der Überblick:

60 Pfarrstellen in Siegen-Wittgenstein

Pfarrdienst: Der künftige Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein soll für rund 3000 Gemeindeglieder eine Pfarrstelle vorsehen (Toleranz: plus/minus 10 Prozent). Für die kreiskirchlichen Pfarrstellen legt man einen Schlüssel von 1 zu 25 000 Gemeindegliedern zugrunde. Der Kirchenkreis Siegen zählt derzeit 112.000 ev. Christen, in Wittgenstein sind es 31.000. Das ergibt unterm Strich rund 60 kirchensteuerfinanzierte Pfarrstellen. Allein im Gemeindedienst würden 46 Pfarrer und Pfarrerinnen gebraucht.

Neun neue Pfarrer benötigt

Hier legt die Machbarkeitsstudie den Finger in die schon länger sichtbare Wunde, denn schon durch Pensionierungen werden im Jahr 2025 nur noch 37 der jetzt amtierenden Gemeindepfarrer im Dienst sein. Man braucht bis dahin also mindestens neun neue Theologen. „Da aber zu wenig junge Pfarrer nachrücken werden, werden nicht mehr alle Pfarrstellen besetzt werden können“, heißt es.

Finanzen im neuen Kirchenkreis

Finanzen: Alle Kirchengemeinden des neuen Kirchenkreises sollen eine einheitliche Gemeindegliederpauschale bekommen. Einige kreiskirchliche Aufgaben werden, wie bisher, über einen Vorwegabzug aus dem Kirchensteueraufkommen finanziert. Die Finanzexperten haben ausgerechnet, dass – auf der Basis der Finanzausstattung 2020 – jede Gemeinde eine geringfügig höhere Nettozuweisung erhalten würde, nämlich 50,26 Euro pro Person.

Bisher zu viele Pfarrstellen besetzt

Allerdings sind statt der 60 geplanten Pfarrstellen derzeit 62 besetzt. Diese „Überausstattung“ müsste zusätzlich finanziert werden. Deshalb schlägt die Steuerungsgruppe vor, die Mehreinnahmen für die Gemeinden zunächst auf 1 Prozent zu begrenzen, bis die Pfarrstellenzahl im Plansoll liegt.
Von dem neuen Finanzplan profitieren vor allem die Gemeinden in Wittgenstein und im Hochsauerland. Viele würden ihre Einnahmen prozentual stärker steigern als die im Schnitt deutlich größeren Siegerländer Gemeinden. Allerdings müssten die Wittgensteiner durch die 1-Prozent-Regelung von dem in Aussicht gestellten Plus vorerst auch deutlich mehr wieder abgeben.

Synodale Einrichtungen übernehmen

Synodale Dienste und Einrichtungen: Zu den synodalen Einrichtungen gehören das Ev. Gymnasium, die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle, das Schulreferat, das Jugendreferat, das Kompetenzzentrum für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien in Bad Berleburg sowie das Abenteuerdorf in Wemlighausen. Diese Einrichtungen sollen in den neuen Kirchenkreis übernommen werden. Er soll dann entscheiden, wie es weitergeht. Das Gleiche gilt für die Kreispfarrstellen.

Weniger Ausschüsse

Die große Zahl der Ausschüsse soll im Zuge der Vereinigung „sehr stark“ reduziert werden. Die Machbarkeitsstudie spricht hier von Effizienz und regt an, die Themen mehr projektorientiert – also zeitlich befristet – in Arbeitsgruppen zu behandeln.
Leitung und Organisation: Neben dem von einer vereinigten Synode neu zu wählenden Superintendenten soll es nicht nur einen, sondern zwei Synodal-Assessoren geben, die sich eine Stelle teilen. Damit kann die Leitungsarbeit auf drei Schultern verteilt werden.

Kleinere Synode

Die Synode eines gemeinsamen Kirchenkreises soll kleiner sein als die bisherigen beiden Synoden zusammen. Pro 5000 Gemeindeglieder soll zunächst ein Presbyter, dann ein Pfarrer entsandt werden. Große Kirchengemeinden könnten dadurch weniger Vertreter entsenden. Im Ergebnis wünscht sich die Arbeitsgruppe 125 stimmberechtige und maximal 25 beratende Mitglieder des Kirchenparlaments.

Der Fahrplan 16. September 2020: Die Synoden der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein entscheiden getrennt, aber zeitgleich, ob auf Basis der Machbarkeitsstudie die nächsten Schritte zur Vereinigung eingeleitet werden sollen. Danach beginnt das „Stellungnahmeverfahren“, in dem alle Gemeinden und Gremien nach ihrer Meinung gefragt werden. 27. Februar 2021: Einsendeschluss für die Stellungnahmen. 15. März 2021: Die Überarbeitung der Machbarkeitsstudie ist beendet. 24. März 2021: Gemeinsame Synodalversammlung beider Kirchenkreise zur ausführlichen Diskussion. Juni 2021: Beschluss über die Fusion in den Synoden Siegen und Wittgenstein. August 2021: Durchführung eines formalen Anhörungsverfahrens in den Presbyterien durch die Landeskirche. 1. Januar 2022: Der gemeinsame Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein geht an den Start. Für die Synodenbeschlüsse im Juni 2021 und das anschließende Anhörungsverfahren verlangt das Kirchenrecht Einstimmigkeit. Wenn sich also auch nur eine Gegenstimme regt, muss die Landessynode entscheiden, ob und wie das Verfahren weitergeführt wird.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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