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SZ-Gespräch mit Betroffenen
Wie das Virus den Hass auf Asiaten sichtbar macht

Mit seinem asiatischen Aussehen fällt Trung Vu auf. „Im Supermarkt spüre ich die Blicke“, erzählt der 27-jährige Siegener. „Ich schau ja auch die anderen nicht schief an“, sagt er, „und das würde ich mir auch für mich wünschen“.
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  • Mit seinem asiatischen Aussehen fällt Trung Vu auf. „Im Supermarkt spüre ich die Blicke“, erzählt der 27-jährige Siegener. „Ich schau ja auch die anderen nicht schief an“, sagt er, „und das würde ich mir auch für mich wünschen“.
  • Foto: Alexandra Pfeifer
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ap Siegen. Schräge Blicke, verbale Beleidigungen, körperliche Gewalt: Seit Ausbruch der Pandemie hat die Diskriminierung von asiatisch aussehenden Menschen dramatisch zugenommen – und sich in Form von etlichen Hassaktionen manifestiert. Schon zu Beginn der weltweiten Ausbreitung des – wie Donald Trump es wiederholt nannte – „China-Virus” gingen entsprechende Meldungen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein. Das Attentat in Atlanta Mitte März dieses Jahres hat die Debatte noch zusätzlich befeuert: Nach dem Vorfall versammelten sich Hunderte Demonstranten auf den Straßen der Städte, von New York bis Los Angeles, um auf die (eigenen) Benachteiligungen aufmerksam zu machen.

ap Siegen. Schräge Blicke, verbale Beleidigungen, körperliche Gewalt: Seit Ausbruch der Pandemie hat die Diskriminierung von asiatisch aussehenden Menschen dramatisch zugenommen – und sich in Form von etlichen Hassaktionen manifestiert. Schon zu Beginn der weltweiten Ausbreitung des – wie Donald Trump es wiederholt nannte – „China-Virus” gingen entsprechende Meldungen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein. Das Attentat in Atlanta Mitte März dieses Jahres hat die Debatte noch zusätzlich befeuert: Nach dem Vorfall versammelten sich Hunderte Demonstranten auf den Straßen der Städte, von New York bis Los Angeles, um auf die (eigenen) Benachteiligungen aufmerksam zu machen. Und auch im Netz wird seitdem mit Hashtags wie #IchBinKeinVirus und #StopAsianHate über anti-asiatischen Rassismus diskutiert. Die SZ hat mit zwei Siegenern über ihre persönlichen Erfahrungen gesprochen.

Corona verstärkt den Rassismus gegen Asiaten

„Nach meiner Herkunft werde ich wirklich immer gefragt“, nimmt Zixiang Weng vorweg. „Aber ich finde das ganz normal. Die Menschen sind eben neugierig.“ Insbesondere über kulturbedingte (Ess-)Gewohnheiten müsse er häufig aufklären. „Aber das ist okay. Die Leute wissen einfach zu wenig, und heutzutage gibt es so viele Fake News”, sagt der gebürtige Chinese aus Qianjiang, einem Ort, der nur eine Autostunde entfernt von Wuhan liegt.

Aber nicht nur die beiden Städte in der zentralchinesischen Provinz Hubei hat die Wucht des Virus hart getroffen. Sie hat auch hierzulande den anti-asiatischen Rassismus „verstärkt oder sogar verdoppelt“, wie Zixiang findet. Manchmal werde er im Supermarkt ignoriert, während jeder andere Kunde vor ihm freundlich begrüßt wird. Teilweise würden Busfahrer einfach an ihm vorbeifahren. Sprachliche Anfeindungen wie „Geh zurück nach China!” gehörten für ihn und seine Freunde zum Alltag dazu, erzählt der 25-jährige Masterstudent. Manche hätten deshalb Angst, allein nach Hause zu gehen. Zu körperlichen Übergriffen sei es bislang aber noch nicht gekommen – bei einigen seiner asiatischen Kommilitonen hingegen schon.

"Wir Asiaten werden alle in einen Topf geschmissen"

Stigmatisierungen und komische Blicke erlebt auch Trung Vu hin und wieder. Er ist in Deutschland geboren, seine Eltern stammen aus Vietnam. „Wir Asiaten werden alle in einen Topf geschmissen”, kritisiert der BWL-Student aus Siegen. „Es wird nicht differenziert, aus welcher Region oder welchem asiatischen Land man kommt.“

Trotz der unterschiedlichen Abstammungen überschneiden sich die Erfahrungen von Trung und Zixiang in vielen Bereichen. Beide fühlen sich bei ganz alltäglichen Dingen diskriminiert – zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Nach Zixiangs Schilderung bekam der Chinese auf teilweise mehr als 50 Bewerber-Mails am Tag höchstens eine, manchmal auch gar keine Rückmeldung. „Ich kann mir vorstellen, dass sich ein Vermieter eher für jemanden entscheidet, dessen Namen er aussprechen kann”, vermutet Trung, der mit einem Freund zusammenwohnt. Benachteiligungen wegen seines asiatischen Namens seien auch für ihn nichts Ungewöhnliches: „Wenn ich bei Ebay Kleinanzeigen etwas kaufen will, überlege ich zweimal, ob ich meinen Namen dazu schreibe“, gesteht der 27-Jährige, „und manchmal lasse ich ihn gezielt weg, um überhaupt eine Antwort zu bekommen“.

"Ich habe mich gut angepasst"

Zixiang erklärt sich die wenigen Reaktionen und vielen Absagen auf seine Wohnungsgesuche so: „Die Leute haben keine Erfahrung im Zusammenleben mit Asiaten und machen sich Sorgen, weil man zu verschieden ist von der Kultur.“ In seinem Falle seien diese Befürchtungen aber vollkommen unbegründet, sagt er: „Ich bin seit über fünf Jahren hier und habe mich gut angepasst.“ Zum Frühstück isst der Chinese statt Nudeln und Reis mittlerweile auch Brot und Müsli – so wie sein deutscher Mitbewohner.

Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.
Die Einschätzung eines Soziologen ist hier zu finden.

Mit seinem asiatischen Aussehen fällt Trung Vu auf. „Im Supermarkt spüre ich die Blicke“, erzählt der 27-jährige Siegener. „Ich schau ja auch die anderen nicht schief an“, sagt er, „und das würde ich mir auch für mich wünschen“.
Zixiang Weng.
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Alexandra Pfeifer

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