Wie ein guter Whisky

 Klasse Musiker, sympathischer Typ: Zum vierten Mal gastierte der gebürtige Schotte und Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson in Netphen. Eingeladen hatte das dortige Kulturforum. Foto: aww
  • Klasse Musiker, sympathischer Typ: Zum vierten Mal gastierte der gebürtige Schotte und Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson in Netphen. Eingeladen hatte das dortige Kulturforum. Foto: aww
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

aww - Wenn es richtig gut läuft, geht es einem Rockmusiker wie einem guten Whisky: Er wird mit den Jahren immer besser. Im Land des edlen Scotch hat auch Ray Wilson seine Wurzeln – jener gebürtige Schotte, der der Rockgemeinde wohl auf ewig vor allem ein Begriff bleiben wird aufgrund seines 90er-Jahre-Volltreffers „Inside“ mit Stiltskin sowie als Nachfolger von Phil Collins und Ein-Album-Sänger bei Genesis („… Calling All Stations …“ von 1997). Ob ihn das wirklich stört? Man weiß es nicht. Jedenfalls bietet ihm seine illustre musikalische Vergangenheit die Möglichkeit, anno 2018 ein Konzertprogramm zusammenzustellen, nach dem sich zahllose andere alle zehn Finger lecken würden – mit zeitlosen Klassikern aus dem Genesis-Dunstkreis ebenso wie mit hochklassigen, eingängigen Stücken aus seinem langjährigen Soloschaffen. Und wer den sympathischen Rocker live auf der Bühne hört und sieht, wie beispielsweise am Samstagabend in Netphen, wo er schon zum vierten Mal gastierte, der spürt: Das, was hier aufgetischt wird, ist lange gereift, ist elegant und ausgewogen, hat Stil und Geschmack. Wie ein guter Whisky.

Mit rund 460 Fans – ein schöner Erfolg für das veranstaltende Kulturforum Netphen – ist die Georg-Heimann-Halle quasi ausverkauft, als Sänger/Gitarrist Ray Wilson und seine vierköpfige Combo mit dem Genesis-Hit „No Son Of Mine“ die Zeitmaschine losrattern lassen. Der fulminante Auftakt zu einem Konzert, mit dem nicht nur die Gründung der englischen Progressive- und späteren Mainstream-Rock-Legende vor gut einem halben Jahrhundert im Jahr 1967, sondern auch der bevorstehende 50. Geburtstag von Ray Wilson Anfang September gefeiert werden soll. Es wird eine rauschende Feier, mit fluffig-poppigen Erinnerungen an Genesis wie „That’s All“ oder „Follow You, Follow Me“, progressiveren und melodisch ambitionierten Klängen wie „The Carpet Crawlers“ aus der Peter-Gabriel-Ära und Reminiszenzen an Gabriel als Solokünstler mit „Solsbury Hill“ und „In Your Eyes“, wie auch an Collins mit „Another Day In Paradise“ oder insbesondere dem akustisch begonnenen und dann mächtig gesteigerten „In The Air Tonight“ – hier ist die Menge so recht aus dem Häuschen.

An Ray Wilsons Seite steht Bruder Steve, der nicht nur stilsicher, komplett unaufgeregt und ohne jedes Spektakel oder Effekthascherei eine kleine Armada an Gitarren bedient (insbesondere seine Zwölfsaitige harmoniert sehr schön mit Rays Sechssaitiger), sondern auch mit seiner hohen, cleanen Stimme die erdigen, vor allem in tieferen Bereichen fein-knarzigen Vocals seines Frontmanns perfekt ergänzt. Mehr als nur grundsolide: die Band in der Reihe dahinter. Keyboarder Kool Lyczek legt einen Soundteppich zwischen breit und extrabreit, Multiinstrumentalist Marcin Kajper rockt mit knackigen Saxophon- und Querflötensoli die Hütte, wenn er nicht gerade die Basssaiten zupft, Drummer Mario Koszel sorgt für mächtig „Bums“ dahinter – und darf sich beim krachenden „The Dividing Line“ an seinen zahlreichen „Pötten“ schweißtreibend austoben. Wilson, Wilson und Co. mixen einen ausgewogenen musikalischen Wohlfühl-Smoothie zwischen akustisch geprägten Nummern – ganz stark: das ruhige „Alone“ vom 2004er Solo-Album „The Next Best Thing“, mit dem Ray Wilson einen Kurztrip in seine schottische Heimat unternimmt, oder auch die melancholische Stiltskin-Ballade „Lemon Yellow Sun“ – und Rockern wie „Constantly Reminded“, in dem auch mal ein paar krachende Gitarrenriffs ausgepackt werden. Was nie fehlt, ist ein offenkundig untrügliches Gespür für zupackende Melodien, die sich so zielsicher in die Gehörgänge graben, als hätten sie Augen. Hier klingt einfach nichts belanglos. Im Zugabenblock gibt es dann noch einmal die Genesis-Vollbedienung: „I Can’t Dance“, „Land Of Confusion“ und das gigantische „Mama“. Mehr geht fast nicht. „Inside“ wurde da kaum vermisst. Und ein Phil Collins schon gar nicht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen