Schildern Sie uns Ihre Eindrücke
Wie lebt es sich mit Corona?

Die Stufen am Siegufer in Siegen bleiben leer. An sonnigen Tagen ein ungewohntes Bild.
5Bilder

sos Siegen. Die Innenstadt ist leer geworden. Das ein oder andere Pläuschchen findet in der Siegener City zwar noch statt, aber in der Regel mit dem gebotenen Abstand und auch eher im Vorbeigehen. Es sieht so aus, als halte sich die Mehrheit an die Vorschriften. Aber wie geht es den Menschen damit? Die SZ möchte wissen, wie sehr Corona das Leben der Menschen der Region tatsächlich verändert, was sie beschäftigt und was sie vielleicht auch sorgt.

Weder Eis noch Kaffee

Es ist vor allem die Geselligkeit, die viele vermissen. „Ich gehe gerne ein Eis essen oder einen Kaffee trinken. Das fehlt mir“, sagt die Siegenerin Heike Werner (52). Und als „fast schon beängstigend“ beschreibt Eugenia Hartstein die unbelebte Innenstadt. Die ergriffenen Maßnahmen seien wichtig, doch ab und zu müsse man eben doch mal raus. „So lange man auf Abstand geht, ist das in Ordnung“, findet die 43-Jährige Siegenerin.

Andreas Dilthey findet die Zeit, in der soziale Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden sollen und die meisten Geschäfte geschlossen bleiben, langweilig.
  • Andreas Dilthey findet die Zeit, in der soziale Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden sollen und die meisten Geschäfte geschlossen bleiben, langweilig.
  • Foto: sos
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

„Es ist langweilig“, bringt Andreas Dilthey seinen Gemütszustand auf den Punkt. Vor allem, weil der Siegener sich gerade auf der Suche nach Arbeit befinde. Die Bewerbungen könnten derzeit nicht bearbeitet werden; das sei die Standard-Antwort, so der 55-Jährige. Glücklicherweise gebe es zu Hause immer etwas zu tun, zum Beispiel im Garten. Ihn selbst belaste Corona eigentlich nicht so sehr. Seine Frau aber arbeite als Reinigungskraft in einem Krankenhaus. „Sie hat schon Angst, dass sie sich ansteckt.“

Zocken geht immer

Die eingeschränkten sozialen Kontakte machen Zarah Fey aus Siegen zu schaffen. „Das deprimiert einen schon“, sagt die 27-Jährige. Für den Studenten André Borowski ist das noch kein großes Problem. „Ich zocke gerne“, erzählt der 23-Jährige, so komme er weiterhin mit Leuten in Kontakt. Schade sei , dass sein Nebenjob in einem Fitnessstudio wegfalle. Angst vor dem Virus habe er nicht, schließlich gehöre er nicht zur Risikogruppe. Mit ihren 93 Jahren gehört Sigrid Bernshausen sehr wohl zu den Menschen, die eher gefährdet sind. Ängstlich ist sie deswegen aber nicht. „Ich kann damit umgehen“, sagt die Siegenerin gelassen. Mit ihrer Familie kommuniziere sie beispielsweise per Whatsapp, „da versorgen mich meine Kinder mit“.
Das ersetzt den persönlichen Kontakt jedoch nur bedingt, weiß Marc Plückthun. Der 41-Jährige vermisse seine Eltern – und umgekehrt –, noch schwieriger sei das Besuchsverbot aber für die Großeltern und ihre Enkel. „Das merkt man extrem“, so der Siegener.

Ein persönliches Gespräch sei in Zeiten von Corona schon etwas Besonderes, sagt Cornelia Kämpf.

Für Cornelia Kämpf habe sich „kolossal viel verändert“, sagt die 66-Jährige. Ihre Kontakte pflege sie fast nur noch per Telefon, ein persönliches Gespräch sei da schon etwas besonderes geworden. Aber sie könne sich gut selbst beschäftigen; im Moment nähe sie beispielsweise Mundschutzmasken für Freunde und Bekannte. An die neuen Öffnungszeiten vieler Geschäfte müsse sie sich jedoch noch gewöhnen: „Ich wollte gerade zum Bäcker, um ein Brot zu kaufen, da hatte der schon zu“, so die Siegenerin.

Die einen sagen so, die anderen so

„Die Sache ist nervenaufreibend“, findet Erich Siebel deutliche Worte. Der Feuersbacher habe das Gefühl, dass die Menschen viel reizbarer geworden seien. „Wenn das noch länger anhält, passiert irgendwann was“, so der 85-Jährige.“ Einen positiven Eindruck hat hingegen Thorsten Stein bisher bekommen: „Auf mich wirkt das entschleunigend.“ Es habe den Anschein, als habe die Hektik den Alltag verlassen. Zumindest in der Stadt. Anders sehe das natürlich bei den Menschen aus, „die an die Front müssen“, also Supermarktverkäufer, Pfleger, Ärzte usw. „Sie müssten alle endlich nach ihrer Leistung entlohnt werden.

Seltsames Einkaufsverhalten

Die größte Veränderung, die Gabriele Poggel festgestellt hat, ist das seltsame Einkaufsverhalten der Menschen. Die letzte Packung Toilettenpapier, die die Eiserfelderin vor Kurzem habe ergattern können, habe sie im Kofferraum gelagert, bis sie zu Hause angekommen sei. „Wer weiß, hinterher bricht einem noch jemand die Scheibe ein“, sagt die 50-Jährige lachend.

Ralf Stolz nutzt die Zeit, die er sonst vielleicht in einem Restaurant verbracht hätte, nun zum Spazierengehen.
  • Ralf Stolz nutzt die Zeit, die er sonst vielleicht in einem Restaurant verbracht hätte, nun zum Spazierengehen.
  • Foto: sos
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

In großem Maße habe sich sein Leben bisher nicht verändert, sagt Ralf Stolz. Natürlich fehlten das Essengehen und das Kaffeetrinken. Jetzt gehe er eben mehr spazieren. Zwar gehöre er wegen einer Vorerkrankung im Grunde zur Risikogruppe, so der 59-Jährige, und da denke er schon ab und zu drüber nach. Doch vielmehr mache ihm zu Schaffen, was die Zukunft bringt. „Was passiert, wenn die Wirtschaft zusammenbricht? Und wenn das Geld nur noch einen Bruchteil wert ist?“, fragt sich der Freudenberger.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen