Wie soll der Herrengarten aussehen?

 Der Blick aus der Luft auf den Herrengarten-Komplex an Siegens neuen Ufern, der auf dem ehemaligen Vorplatz zum Herrengarten steht.  Foto: Dirk Manderbach
  • Der Blick aus der Luft auf den Herrengarten-Komplex an Siegens neuen Ufern, der auf dem ehemaligen Vorplatz zum Herrengarten steht. Foto: Dirk Manderbach
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ch - Zwei Dinge zogen sich am Dienstagabend wie ein roter Faden durch den öffentlichen, durchaus lebhaften Diskussionsabend, zu der die Arbeitsgruppe „Stadtgestalt“ ins Haus Seel geladen hatte: Über die künftige Umgestaltung des Herrengarten-Areals an Siegens neuen Ufern sollte erstens „vor allem die Politik in aller Ruhe nachdenken“, um eine „nachhaltige Nutzung“ des Platzes in der Innenstadt zu gewährleisten, der – egal ob auf der Fläche ein Mini-Park oder eine attraktive Neubebauung entsteht – mit Leben gefüllt ist. So z. B. Architekt Ulrich Lingemann mit Blick auf die Grundsatzentscheidung, die der Siegener Stadtrat am Mittwochnachmittag zu fällen hat: Soll die Krönchenstadt – vorbehaltlich einer 80-prozentigen Förderung mit Städtebaumitteln von Land und Bund – den kompletten Komplex aus den 70er-Jahren aufkaufen, abreißen und zur Grünanlage umwandeln?

Und zweitens: „Wir benötigen keinen toten Platz mitten in der City und auch keinen zweiten, gut bespielten Bertramsplatz; dennoch stellt das Herrengarten-Projekt mit seinen jetzigen Optionen eine echte Chance dar“, so etwa Prof. Dr.-Ing. Hildegard Schröteler-von Brandt, Städteplanerin der heimischen Hochschule, die betonte, „dass wir an diesem Ort einen radikalen Schnitt brauchen!“

Die zahlreichen Redebeiträge der Architekten, Planer und Stadtentwickler, die sich in der Arbeitsgruppe zusammengetan haben, wie auch der zahlreichen Bürger, die den Diskussionsabend besuchten, machten deutlich: Die Siegener wollen bei dem Innenstadtprojekt mitreden, sich nicht allein über die Leserbriefspalten der Zeitung und via Facebook-Einträgen einbringen. „Aus genau diesem Grund haben wir den ausdrücklichen Wunsch nach größtmöglicher Transparenz der Entscheidungsfindung bei Einbeziehung der Öffentlichkeit“, wie Moderator Christian Welter stellvertretend für viele forderte. Bürgerbeteiligung also ist das Stichwort. Jenes griff auch Dr. Jens Aspelmeier von der Universität Siegen auf. Der Historiker machte in einem Kurzvortrag deutlich, dass der Herrengarten und damit auch ein bisschen der dreieckige Platz vor dem Park, um den es in der aktuellen Debatte eigentlich geht, für die Krönchenstadt auf lange Sicht durchaus „identitätsstiftend“ sei. „Alle fünf Jahrzehnte diskutieren die Siegener, ob sie die Fläche für den Heimatschutz, als Parkplatz, als Einzelhandelsstandort oder doch lieber als Grünfläche nutzen wollen“, so Aspelmeier, der die Geschichte des Herrengartens und sein Verschwinden durch die Überbauung mit Bahngleisen, Knappschafts- und Finanzamtsgebäuden und den Hindenburgstraße skizzierte.

Es genüge in diesem Zusammenhang einfach nicht, die Platte über der Sieg und den Beton an der neuen Stufenanlage abzureißen, „sondern wir brauchen für den Herrenplatz ein Konzept der Akzentuierung der historischen Bausubstanz – plus eine ordentliche Bürgerbeteiligung. Schließlich handelt es sich um einen regionalen Erinnerungsort!“ Diesen Ort gestaltete Architektin Ulrike Seppi bereits vor zwei Jahren in ihrer Abschlussarbeit an der hiesigen Uni aus: Sie präsentierte den Teilnehmern des Abends eine großangelegte Vision, die Abriss des Herrengarten-Komplexes und Neubau einer unterirdischen Kunstgalerie mit oberirdischer Grünanlage samt Baumhain kombiniert. Auch Seppi, die zudem die Neugestaltung des Scheinerplatzes in Anlehnung an den Herrenplatz anregte („die zwei Endpunkte einer Achse“), betonte, „dass wir auf dieser Fläche viel Grün, viel Licht und Raum und vor allem reichlich Leben brauchen.“

Wie so viele an diesem Abend bezeichnete auch Seppi das Herrengarten-Projekt als „Chance“ für die Entwicklung der Innenstadt, dem Positiven wurde fast kein Kontra-Argument entgegen gesetzt. Nur hier und da eine Stimme, die das Schicksal der Mieter des Herrengartens geregelt sehen wollte ... und ein einzelne Warnung vor dem „falschen Spiel mit den Schulden“: Ratsmitglied Brigitte Eger-Kahleis (Alternative für Siegen) verwies darauf, dass Siegen „vor der Pleite steht, und wir uns ein solches Projekt nicht leisten können. Da kann das Hoffen auf Zuschüsse schon mal den Blick auf Realitäten vernebeln!“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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