SZ

Stinkbombe und Hassbrief
Wieder Drohschreiben im Briefkasten von „Sama Food“

Blick ins „Sama Food“: Der syrische Lebensmittelladen in Siegen wird derzeit ausgeräumt, entkernt und saniert. Im Einsatz ist ein Team von Polygonvatro.
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  • Blick ins „Sama Food“: Der syrische Lebensmittelladen in Siegen wird derzeit ausgeräumt, entkernt und saniert. Im Einsatz ist ein Team von Polygonvatro.
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ch Siegen. Daran beißen sich der Staatsschutz und die Siegener Staatsanwaltschaft offenbar die Zähne aus: Sie können das nächtliche Feuer, das Mitte September den kleinen Lebensmittelladen „Sama Food” von Muhamed Moho (47) und damit dessen großen Lebenstraum an der Ecke Koblenzer Straße/Obergraben in Siegen zerstörte, weder er- noch aufklären.

Knapp vier Wochen nach dem Brand kann Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss der SZ gegenüber nur wiederholen, dass das Feuer gelegt wurde und die Ermittlungen andauern. Zu dem dritten Drohbrief, der inzwischen nach zwei anonymen Schreiben mit Hassbotschaften und nach der Brandnacht aufgetaucht ist, kein Wort. Keine heiße Spur. Ermittelt wird in alle Richtungen.

ch Siegen. Daran beißen sich der Staatsschutz und die Siegener Staatsanwaltschaft offenbar die Zähne aus: Sie können das nächtliche Feuer, das Mitte September den kleinen Lebensmittelladen „Sama Food” von Muhamed Moho (47) und damit dessen großen Lebenstraum an der Ecke Koblenzer Straße/Obergraben in Siegen zerstörte, weder er- noch aufklären.

Knapp vier Wochen nach dem Brand kann Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss der SZ gegenüber nur wiederholen, dass das Feuer gelegt wurde und die Ermittlungen andauern. Zu dem dritten Drohbrief, der inzwischen nach zwei anonymen Schreiben mit Hassbotschaften und nach der Brandnacht aufgetaucht ist, kein Wort. Keine heiße Spur. Ermittelt wird in alle Richtungen.

„Ich habe Angst“

Ein fremdenfeindlicher Hintergrund wird immer noch nicht ausgeschlossen. Kein Wunder: „Wer nicht hören will, muss fühlen”, diese Botschaft sollte den bereits am Boden zerstörten Kleinunternehmer Muhamed Moho, der sich derzeit in ärztlicher Behandlung befindet, noch einmal treffen. Mitten ins Herz des Syrers, der seit zwei Jahrzehnten in Deutschland lebt und arbeitet. Mitten in die Psyche. „Bereits Anfang August haben mich gleich zwei Drohbriefe erreicht“, sagt Moho. „Ölauge, geh nach Hause zu deinen Kamelen!“ Und: „Wenn du nicht gehst, stirbst du hier im Laden.“ Hass in dicken Lettern, ausgedruckt auf Kopierpapier in DIN-A4, anonym durch den Türschlitz des Geschäftes mit seinen syrischen, arabischen und türkischen Lebensmitteln geschoben. Moho ging zur Polizei, erstattete Anzeige gegen unbekannt. Jetzt der dritte „Postwurf“; zur am PC notierten Hetze steckten der oder die Täter, der oder die noch immer unbekannt ist bzw. sind, eine Stinkbombe.

„Sama Food“: Geschäft wird komplett entkernt

Doch Moho lässt sich nicht unterkriegen. Er schaut dem regen Treiben bei „Sama Food” zu. Denn der Brandsachverständige bzw. die Kripo haben den Tatort freigegeben. Die Versicherung hat den Schaden begutachtet, grünes Licht fürs Aufräumen gegeben. Seit Mittwoch sind die Sanierer von Polygonvatro im Einsatz. Ein sechsköpfiges Team, zwei Container, die immer wieder ausgewechselt werden: In den nächsten vier Tagen wird das Ladenlokal komplett leer geräumt.

Der dritte „Postwurf“; zur am PC notierten Hetze steckten der oder die Täter eine Stinkbombe.
  • Der dritte „Postwurf“; zur am PC notierten Hetze steckten der oder die Täter eine Stinkbombe.
  • Foto: Christian Hoffmann
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Obst und Gemüse, Brote und Süßigkeiten, die von der Hitze des Feuer verbrannt, verformt oder schlicht und einfach verschimmelt sind, müssen raus. Alles wird entkernt. Trennwände, Zwischendecken, der orientalische gestaltete Fliesenspiegel – alles wird herausgerissen, mit dem Brandgeruch soll die Erinnerung an das Drama verschwinden.

Ich mache hier weiter. Ich lasse mich nicht vertreiben!
Muhamed Moho
Ladeninhaber

Das wird dauern. Doch Muhamed Moho, der sich nach dem ersten Schock sortiert und aus der Siegener Bevölkerung reichlich Solidarität erfahren hat (u. a. vom Aktionsbündnis “Siegen gegen Rechts), ist sich sicher: „Ich mache hier weiter. Ich lasse mich nicht vertreiben!”

Blick ins „Sama Food“: Der syrische Lebensmittelladen in Siegen wird derzeit ausgeräumt, entkernt und saniert. Im Einsatz ist ein Team von Polygonvatro.
Der dritte „Postwurf“; zur am PC notierten Hetze steckten der oder die Täter eine Stinkbombe.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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