Windrad am Knippen steht still

 Zwei Stümpfe und eine fertig montierte Windenergieanlage – so präsentierte sich gestern die Baustelle auf dem Knippen.  Foto: ihm
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ihm - Die Fronten am Knippen verhärten sich zusehends. Am Wochenende geschah auf dem Bergrücken oberhalb von Büschergrund nichts. Weder waren sich drehende Rotoren zu sehen – einige Beobachter hatten vermutet, das fertig montierte Windrad würde klammheimlich in Betrieb gehen – noch gab es Aktivitäten, die Windflügel wieder abzubauen, wie die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein das verlangt hatte. Dafür schickte  Matthias Hladky als Vertreter der Betreiberfirma CPC Germania eine ausführliche Darstellung der Vorgänge aus der Sicht des Investors an die SZ-Redaktion. Darin heißt es, man müsse sachlich bleiben und dürfe sich nicht zu Vorverurteilungen hinreißen lassen. „Wer nach dem Rechtsstaat ruft und zu Maßnahmen auffordert, sollte sich an den eigenen Forderungen messen lassen können und sich nicht dazu hinreißen lassen, abseits von Fakten ,Stimmung zu machen’ oder ,Wahlkampf zu betreiben’.“

Hladky schildert sodann den Verlauf der gerichtlichen Auseinandersetzung, die, wie berichtet, mit der Klage eines Anwohners gegen die Baugenehmigung durch den Kreis Siegen-Wittgenstein (erteilt 2015) begann. Eilverfahren, aufschiebene Wirkung von Anträgen, Aufhebungen von Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Arnsberg durch die nächste Instanz – wie bei einem Pingpong-Spiel flogen die juristischen Bälle hin und her. Nach dem ersten Baustopp durch das Oberverwaltungsgericht Münster habe man avifaunistische Zusatzuntersuchungen zum Rotmilan und zum Schwarzstorch durchgeführt und gutachterlich bewertet, um den Bedenken des OVG Rechnung zu tragen, schreibt die CPC. „Diese Untersuchungen und das Gutachten waren aus Sicht des VG Arnsberg geeignet, den Baustopp im Oktober 2017 wieder aufzuheben, sodass die Arbeiten im Januar 2018 wieder aufgenommen werden konnten. Den erneuten Baustopp vom 26. Februar 2018 hat das OVG nun ausschließlich damit begründet, dass es nicht ausreichend gewesen sei, die Zusatzuntersuchungen im gerichtlichen Verfahren zu würdigen, diese müssten auch im Rahmen einer ergänzten UVP-Vorprüfung von der Genehmigungsbehörde gewürdigt werden. Dem OVG reichte es auch nicht aus, dass die Behörde die Zusatzuntersuchungen im Rahmen des Verfahrens vor dem VG Arnsberg tatsächlich mit dem Ergebnis bewertet hatte, dass der Aufhebung des Baustopps nichts entgegenstehe.“

Nun schildert Matthias Hladky die Situation auf der Baustelle. Bei der Windenergieanlage sei das Maschinenhaus (Gewicht 120 Tonnen) bereits montiert gewesen. „Zur Vermeidung von Schäden an der Anlage wurden am 6. März die Rotorblätter (Gewicht zusammen ca. 30 t) montiert. Schließlich wird das Maschinenhaus erst hierdurch vollständig verschlossen. Zudem ist die Statik der Anlage darauf ausgerichtet, dass sich auf dem Turm ein Maschinenhaus einschließlich des Rotors befindet.“ Hladky und seine Firma waren sich allerdings offensichtlich klar darüber, dass die Montage rechtlich nicht gedeckt war. Ihr Antrag beim Verwaltungsgericht Arnsberg, die Montage der Rotoren zuzulassen, war nämlich zuvor abgelehnt worden. Die Richter hätten die „unzutreffende Einschätzung“ gehabt, dass das Maschinenhaus auch durch eine Plane verschlossen werden könne. Hladky: „Abgesehen davon, dass ein Anbringen der Plane nicht die problematische Situation hinsichtlich der Statik der Anlage verbessert hätte, ist es kaum möglich, auf 140 Metern Höhe über dem Boden an einem für den Betrieb einer Windenergieanlage geeigneten Standort eine solche sicher anzubringen.“

„Vollkommen unangemessen“ findet die Betreiberfirma die Vorwürfe des rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsabgeordneten und energiepolitischen Sprechers Michael Wäschenbach, der kritisiert hatte, „wie profitgetrieben und unsinnig große Teile der Windkraftbranche jegliches Vertrauen in transparente und ehrliche Ausbaustrategien unterlaufen“. Matthias Hladky: „Der Betreibergesellschaft ging es allein darum, vermeidbare Schäden an der Anlage und damit auch erhebliche wirtschaftliche Nachteile zu verhindern, zumal nach derzeitigem Stand überwiegend davon ausgegangen werden kann, dass die vom Kreis Siegen-Wittgenstein erteilte Genehmigung richtig ist und die Anlagen letztlich auf deren Grundlage zu Ende errichtet und betrieben werden können.“

Was Hladky zu den Vorwürfen der Naturschutzinitiative sagt, lesen Sie in unserem E-Paper, das Sie 14 Tage kostenlos testen können. 

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