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Video-Diskussion mit Luisa Neubauer und fast 400 Teilnehmern
Windräder entfalten spalterische Kräfte

Größere und leistungsfähigere Windräder sollen in NRW gebaut werden, erfuhren die Teilnehmer einer Videodiskussion der Adenauer-Stiftung.
  • Größere und leistungsfähigere Windräder sollen in NRW gebaut werden, erfuhren die Teilnehmer einer Videodiskussion der Adenauer-Stiftung.
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ihm Siegen. Wie viel Dynamik so ein drehendes Windrad entwickelt, lässt sich nicht nur an der Stromausbeute, sondern auch am Schwung der politischen Debatte ablesen. Ein Beispiel lieferte am Montagnachmittag das Onlineforum der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auf Anregung des Europa-Abgeordneten Peter Liese befassten sich sieben Redner mit dem Thema Windkraft, dazu kamen fast 400 Zuschauer, die teils rege mitdiskutierten. Windkraft weckt Emotionen – und die Fakten bleiben oft strittig.
Neubauer nimmt kein Blatt vor den MundDie jüngste Rednerin war zugleich die medial präsenteste: Luisa Neubauer, 24 Jahre alt, Sprecherin von „Fridays for future“ in Deutschland, Mitglied der Grünen und als Vollzeit-Aktivistin in Sachen Klimaschutz unterwegs.

ihm Siegen. Wie viel Dynamik so ein drehendes Windrad entwickelt, lässt sich nicht nur an der Stromausbeute, sondern auch am Schwung der politischen Debatte ablesen. Ein Beispiel lieferte am Montagnachmittag das Onlineforum der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auf Anregung des Europa-Abgeordneten Peter Liese befassten sich sieben Redner mit dem Thema Windkraft, dazu kamen fast 400 Zuschauer, die teils rege mitdiskutierten. Windkraft weckt Emotionen – und die Fakten bleiben oft strittig.

Neubauer nimmt kein Blatt vor den Mund

Die jüngste Rednerin war zugleich die medial präsenteste: Luisa Neubauer, 24 Jahre alt, Sprecherin von „Fridays for future“ in Deutschland, Mitglied der Grünen und als Vollzeit-Aktivistin in Sachen Klimaschutz unterwegs. Sie ist – natürlich – dem Pro-Windkraft-Lager zuzurechnen und argumentierte global: Auch wenn Windkraftanlagen vielleicht problematische Auswirkungen hätten, müsse man doch immer sehen: „Der Klimawandel bedroht die Menschheit und die Natur am allerstärksten.“ Deshalb müsse man die Energiewende unbedingt vorantreiben.
Neubauer blieb freundlich im Ton, aber griff Organisatoren und vor allem einen Teilnehmer der Diskussion scharf an: „Normalerweise würde ich nicht in eine Diskussion gehen, wo uneingeordnet falsche Informationen verbreitet werden und verdeckte Lobbyisten sprechen.“ Das zielte vor allem auf Rechtsanwalt Thomas Mock, der zahlreiche Bürgerinitiativen gegen Windkraft berät und Kläger vertritt. Er sei „Cheflobbyist“, kritisierte Neubauer, und er verschleiere seine wahren Interessen.

Rechtsanwalt Mock: „Anlagen sind zu laut“

Mock wies die Vorwürfe zurück und hob vor allem auf die Lärmbelästigung von Windkraftanlagen ab. Ein Gutachten habe bewiesen, dass die Projektierer die Lärmemissionen der Windräder um 4,6 Dezibel zu niedrig angesetzt hätten. „Die Anlagen sind zu laut.“
Schall ist auch das Thema von Prof. Dr. Carolus (Uni Siegen) und Johannes Pohl (Uni Halle-Wittenberg). Carolus hat den Windkraftschall strömungstechnisch untersucht und ist unter anderem zu dem Schluss gekommen, dass es keine Auswirkungen von Infraschall durch Windkraftanlagen auf den Menschen gibt. Zwar komme der Infraschall in den Häusern an, „aber die Waschmaschine und die Ölheizung erzeugen genauso viel Infraschall“. Johannes Pohl untersucht die Belastungen durch Windkraft-Lärm aus psychologischer Sicht. Er berichtete, dass der Grad der subjektiv empfundenen Störung unter anderem von der persönlichen Einstellung zur Windkraft abhänge und davon, ob sich die Betroffenen im Planungsprozess ernst- und mitgenommen fühlten. Dann gebe es deutlich weniger Beschwerden.

Nabu präferiert naturverträgliche Energiewende

Heinz Kowalski vom Naturschutzbund Nabu machte sich zum Anwalt der Artenvielfalt. „Ich sehe eine Doppelkrise, die des Klimas und die der Biodiversität.“ Er wünschte sich eine naturverträgliche Energiewende und Windräder dort, wo sie Vögel nicht gefährdeten. Als Beispiel nannte Kowalski den im Siegerland so allgegenwärtigen Rotmilan. In Deutschland lebten mehr als 50 Prozent des Weltbestandes dieser Greifvogelart, und 3 bis 5 Prozent davon kämen jedes Jahr durch Windräder ums Leben.

NRW will weitere Windräder bauen

Das Land Nordrhein-Westfalen will weitere Windräder – auch im Wald – bauen, daran ließ Claudia Bredemann von der Energie-Agentur NRW als Leiterin des Themengebiets Windenergie keinen Zweifel. In den nächsten fünf Jahren werde die Hälfte der Anlagen in NRW aus der EEG-Förderung fallen, und die meisten würden nicht weiterbetrieben. Damit entstehe womöglich sogar ein Rückgang der Windenergienutzung. „Wir brauchen nicht unbedingt mehr Anlagen, aber größere und leistungsfähigere“, sagte Bredemann.
In einem Punkt waren sich Klima-Aktivistin Luisa Neubauer und Windkraft-Gegner Thomas Mock einig: Nach dem „Green Deal“ der EU sollen 30 Prozent der Landflächen unter Schutz gestellt werden. Neubauer sprach gar von „30 bis 50 Prozent“. Thomas Mock: „Und in die Schutzgebiete kommt kein Windrad rein.“

Kein Windpark im Arnsberger Wald

Claudia Bredemann wurde konkret. Der Idee, auf dem Kamm des Arnsberger Waldes einen Windpark zu errichten, erteilte sie eine Absage: „Das ist ein Extremfall, und das ist nichts, was wir umsetzen wollen.“ Normalerweise würden Windräder nicht in ökologisch wertvolle Wälder gebaut, sondern nur in Monokulturen.
Bredemann brachte dafür die Borkenkäferflächen ins Gespräch. „Da sind doch jetzt riesige Flächen frei, die Waldbauern wären froh, wenn sie Einnahmen hätten.“ Vogelschutzexperte Kowalski warnte vor Windparks auf Borkenkäferflächen: „Wenn da jetzt ein artenreicher Mischwald entsteht, haben wir einen Hotspot für Vögel und Fledermäuse.“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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