SZ

STADTLEBEN
Winzer auf virtuellen Pfaden

Die Weinprobe im eigenen Wohnzimmer hat einiges für sich und damit sogar Prä-Corona-Potenzial.
  • Die Weinprobe im eigenen Wohnzimmer hat einiges für sich und damit sogar Prä-Corona-Potenzial.
  • Foto: sabe
  • hochgeladen von Marc Thomas

sabe Siegen. Das Beste an dem Abend ist, dass niemand fahren muss. Das findet nicht nur Sabine aus Siegen, sondern auch Patrick aus Kempten im Allgäu und Birgit und Karl-Heinz aus Köln-Volkhoven. Man sieht das am zustimmenden Schmunzeln, das durch die vielen kleinen Zoom-Kacheln am Bildschirm bis ins eigene Wohnzimmer reicht. Ein Späßchen, ein wenig Event-Charakter, Unbeschwertheit. Das steckt an. Alle sind ein bisschen aufgeregt, gespannt, was sie erwartet. Für viele ist es die erste virtuelle Weinprobe – Neues ausprobieren ist das Corona-Credo: Die Pandemie schickt die Winzer auf digitale Pfade, die Weinfreunde folgen.
Sorgenbrecher sind die RebenZur Online-Verkostung des Siegerländer Weinkonvents haben sich von Stuttgart bis Siegen über 80 Weinliebhaber im Meeting-Raum eingefunden.

sabe Siegen. Das Beste an dem Abend ist, dass niemand fahren muss. Das findet nicht nur Sabine aus Siegen, sondern auch Patrick aus Kempten im Allgäu und Birgit und Karl-Heinz aus Köln-Volkhoven. Man sieht das am zustimmenden Schmunzeln, das durch die vielen kleinen Zoom-Kacheln am Bildschirm bis ins eigene Wohnzimmer reicht. Ein Späßchen, ein wenig Event-Charakter, Unbeschwertheit. Das steckt an. Alle sind ein bisschen aufgeregt, gespannt, was sie erwartet. Für viele ist es die erste virtuelle Weinprobe – Neues ausprobieren ist das Corona-Credo: Die Pandemie schickt die Winzer auf digitale Pfade, die Weinfreunde folgen.

Sorgenbrecher sind die Reben

Zur Online-Verkostung des Siegerländer Weinkonvents haben sich von Stuttgart bis Siegen über 80 Weinliebhaber im Meeting-Raum eingefunden. Mal zeigt das Zoom-Karussell Sarah, Philipp und Anne aus Siegen, mal Illona und Harald aus der Pfalz, wie sie im Großformat vor ihren (noch) leeren Gläsern hocken. Einige kennen sich vom Kreuztaler Weindorf. Erstmal alles Avatare, die im Laufe des Abends irgendwie zu Vertrauten werden. Alle haben sich vorab die sechs Flaschen vom Weingut „Jürgen Wörthmann“ aus Württemberg und dem aus Singer-Bader in Stetten nach Hause kommen lassen. Alle lassen sich später zeitgleich den Satin Noir über die Zungenspitzen strömen um zu ergründen, was das im Mund so alles auslöst. Gemeinsamkeiten haben wir also schon mal. Das bringt einander ein bisschen näher. Auch, wenn in München, da wo Marion und Werner gerade sitzen, genau 516 Kilometer zwischen den beiden Bildschirmen liegen. Illona und Harald beispielsweise, die Mitsechziger und Mitglieder bei der Pfälzer Weinbrüderschaft, freuen sich „über die Möglichkeiten, sich auf diesem Weg über den Wein austauschen zu können.“ So müsse niemand alleine sein, finden die beiden. Das habe bei anderen Pandemien reichlich anders ausgesehen. „Für Sorgen sorgt das liebe Leben“, so schrieb es Goethe, „und Sorgenbrecher sind die Reben.“ Recht hat er mal wieder, der Deutschen größter Dichter. Die lächelnden Bewegtbilder am Bildschirm erzählen davon.

Zu Anfang ein 2020er Sauvignac

Also, „schön, dass wir alle da sind“, fast Wolfgang Narjes, Vorsitzender des Siegerländer Weinkonvent, die kleine Schnupperrunde zusammen und empfiehlt dann gänzlich unkompliziert die persönliche Anrede zu nutzen. „Beim Wein sagt man ‚Du‘“. So unkompliziert geht es weiter. Die Rückkopplung wird weggelacht, die (zeitweise) instabile Internetverbindung auch. Es stehen schließlich sechs Flaschen Wein vor Kopf: Vinum bonum deorum donum – Guter Wein ist ein Geschenk der Götter. Dann haben die Winzer das Wort: Mikrofone aus, Fragen in den Chat oder per Handzeichen, „Rosé und Weißwein habt ihr hoffentlich gut gekühlt…“

Mit einem herzlich schwäbischen „Grüß Gott“ bringt Winzer Jürgen Wörthmann vom gleichnamigen Weingut aus Lauffen, den ersten Tropfen an die Teilnehmer. Ein 2020er Sauvignac, trocken, mit harmonischem Säurespiel und „sagen wir, Nuancen von grüner Paprika und einer tropischen Frucht.“ Der Sauvignac, wird Wörthmann später erzählen, gehört genau wie der Muscaris, der Trollinger und der Satin Noir zu den „Neuen Helden im Weinberg“, pilzwiderstandsfähige Rebsorten der neuen Generation – die Winzer müssen umdenken, nicht nur die Pandemie ist schuld, auch der Klimawandel. „Aktuell werden immer mehr Betriebe auf ökologischen Weinanbau umgestellt“, sagt Wörthmann – zum Wein wird Wissen gereicht.

Online Weinprobe hat durchaus Vorteile

Nach dem Satin Noir kann man sich dann von Julian Singer (Weingut Singer-Baden in Stetten) etwas zum Ökosystem Weinberg erzählen lassen um gleichzeitig dabei zuzusehen, wie er den Artic Rosé mit Schwung in seinem Weinglas und vor der Kamera kreisen lässt. Die Weinfreunde wünschen sich’s daraufhin sehr zum Wohle und lassen sich‘s in ihren Wohnzimmern schmecken. Das der Weg ins Bett nach der letzten Weinflasche also nicht sehr weit ausfällt, dafür haben einige der Teilnehmer kurz vor Seminarschluss durchaus etwas übrig. Und auch dafür: Man komme untereinander noch mit ganz anderen Menschen ins Gespräch, als wenn man sich vor Ort treffe, findet Sabine. Da bewege man sich ja meistens in einem Kreis, den man schon kennt. Außerdem gefällt ihr der Gemütlichkeitsfaktor: „Wir sitzen hier ganz entspannt Zuhause und haben total Spaß.“

Mit dem letzten Glas dauert es dann nicht mehr lange, bis sich die geschlossene Gesellschaft „verläuft“. Klappt der Laptop zu, ist der Zauber vorbei, die Stimmen verstummt und kein Pfälzer mehr in Siegen. „Die Freundschaft, die der Wein gemacht, wirkt wie der Wein, nur eine Nacht“. Aber immerhin. Unbeschwerte Stunden zählen in der Pandemie doppelt. Und überhaupt, der schönste Lagerplatz für Wein ist die Erinnerung.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

Einladung an Gäste und Freunde nach Geisweid
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt. Dieses Ereignis möchte das Team um Inhaber Giuseppe Giannetti und seine Ehefrau Maria am Sonntag, 19. September, ab 11.30 Uhr mit allen Kunden und Freunden, Partnern und Bekannten gemeinsam feiern. Einladung zum Sekt bei der Pizzeria da Pino„Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten. Daher ist unsere...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen