»Wir können gehen, die bauen ja schon ab«

»La vida és ritme« enttäuschte: Auch die Dauer muss dem Eintrittspreis gerecht werden

aww Siegen. Donnerstagmorgen. Der Tag nach »La vida és ritme«. Ein ums andere Mal bimmelt das Telefon in der Redaktion – am anderen Ende der Leitung enttäuschte Besucher der Stepp- und Percussionsshow in der Siegerlandhalle. Gerade mal 70 Minuten Show netto – viel zu kurz für solch teure Eintrittskarten, lautet der Tenor der Beschwerden. »Viele haben gedacht, es sei Pause«, sagt eine Besucherin der Show. »Dann sind wir wieder reingegangen und haben gemerkt: ,Die bauen ja schon ab. Dann können wir ja wohl gehen.’« So etwas könne man sich doch nicht immer einfach so gefallen lassen, meint die Dame am Telefon...

»Es tut mir Leid, wenn Erwartungen enttäuscht wurden«, sagt der Siegener Veranstalter Jo Kogel auf Nachfrage. »Aber wenn das von der Länge her nicht die Erwartungen getroffen hat, ist das ja kein Mangel in dem Sinne. Der Gegenwert für die Tickets ist geliefert. Es ist eine eingekaufte Produktion – die ist ja schon (woanders, Anm. d. Red.) gelaufen und auch gut angekommen.« Das kann auch Wolfgang Poser von ACWP Hannover, zuständig für die Tourneeleitung Deutschland von »La vida és ritme«, bestätigen. »Die Kritiken haben sich überschlagen.« Siegen sei von seiner schwachen Besucherzahl her eine Ausnahme. »Da kommt natürlich wenig Atmosphäre auf. Ich glaube, dass die Siegerlandhalle etwas zu groß ist für diese Art der Darbietung.« Und zur Dauer: Normalerweise sei eine Zugabe geplant, so dass die Darbietung eigentlich eine Gesamtlänge von anderthalb Stunden habe. »Bei dieser Virtuosität und Schnelligkeit ist das eine unglaubliche Kraftanstrengung und fordert viel Konzentration. Das kann man keine zweieinhalb Stunden lang machen.«

Ein Argument, das einleuchtet. Und sicherlich hätten es auch anderthalb Stunden Nettospielzeit getan – ein Wert, der ja gemeinhin als »untere Normaldauergrenze« für eine Kulturveranstaltung angenommen wird. Aber kann man die volle Dauer denn dem Siegener Publikum vorenthalten, nur weil es nicht lange und enthusiastisch genug für eine Zugabe geklatscht hat? Zumal es offenbar tatsächlich so gewesen sein muss, dass viele Zuschauer am Schluss dachten, es handele sich erst um die Pause (und deshalb noch keinen Grund hatten, langen »Zugaben-Applaus« zu geben). Hätte man da nicht vorher deutlich machen müssen, dass es keine Pause gibt? Hätte das Ensemble bei all seinem schauspielerischen Talent nicht die Zugabe als normalen Bestandteil der Show verpacken und so doch noch auf 90 Minuten kommen müssen?

Es ist eben nicht so, dass das Publikum für einen recht hohen Eintrittspreis »nur« Qualität – die ja zweifellos geboten wurden – verlangen kann. Nein, auch die Quantität muss stimmen. Dass der viel zu große Saal für die Zuschauerzahl überdimensioniert war, ist richtig. Dass dieser Umstand maßgeblich dazu beitrug, dass auch nicht der geringste Funke von der Bühne herunter aufs Publikum übersprang, ebenso. Sicherlich hätte die Verlegung in eine kleinere Halle der Veranstaltung gut getan, hätte die Distanz zwischen Aufführenden und Publikum verringert und bestimmt auch zu einer besseren Kommunikation (vor allem bei den Mitmach-Stücken) geführt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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