»Wir können nicht weggehen«

Siegener haben Friedensdelegation in den Irak begleitet

juwi Siegen. Frisch wie die selbst gepflückten irakischen Datteln auf dem Tisch im Friedenszentrum in der Kölner Straße sind auch die Eindrücke und Erlebnisse, die der Professor der Sozialpsychiatrie und Arzt Hans Wenzl und seine Tochter Ingrid von ihrer Irakreise mitgebracht haben. »Dass der Irak einmal ein sehr reiches Land gewesen ist« und es eine »Szene wichtiger Schriftsteller« gebe, hat vor allem die Tochter überrascht, Vater Wenzl zeigte sich angetan von Kontakten zum christlichen Patriarchen und einem Gottesdienst der unierten Kirche, in der er fast alle Elemente der katholischen Liturgie wiedergefunden habe. Blick über den eigenen Tellerrand.

Das Hauptanliegen der Reise vom 15. bis 22. Januar war ein anderes: Den Menschen in Bagdad zu zeigen, dass sich »viele Menschen auf der Welt gegen den Krieg wenden«. So heißt es in der Resolution der neunköpfigen Friedensdelegation, der sich die beiden spontan angeschlossen hatten, und die von der »Initiative gegen das Irakembargo in Deutschland« organisiert worden war. Mit dabei die Vorsitzende der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges), Angelika Claußen. Auf ihrer Mission wollte sich die Delegation ein eigenes Bild von den Folgen des seit zwölf Jahren bestehenden Wirtschaftsembargos machen. So standen Krankenhausbesuche, Gespräche mit Vertretern von humanitären Organisationen und Kirchen auf dem Programm. Die Auswirkungen der Sanktionen seien überall zu spüren, berichtet Wenzl. Dass Instrumente oder Ballettschuhe für Schulklassen fehlen, sei da das geringere Übel, schlimmer die »katastrophalen Zustände« im medizinischen Bereich. Hier mache sich folgenschwer bemerkbar, dass einige Chemikalien einerseits für Waffen, andererseits für Medikamente eingesetzt werden könnten.

Angesicht dieser Zustände sind die Wenzls erstaunt über die Schicksalsergebenheit der Iraker, dem Krieg und dem Aufmarsch der Truppen gegenüber. Was sollen wir tun? Wir können nicht weggehen. Wenn es Krieg gibt, dann hat das Gott gewollt: Das seien typische Reaktionen. Insgesamt sei es »schwierig herauszufinden, wie die Menschen wirklich dazu stehen«. Nachfragen brächten sie in Gefahr. Angst vor Verfolgung und fehlende Meinungsfreiheit: Alltag in einer Diktatur.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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