„Wir möchten uns integrieren“

 Rund 30 Flüchtlinge demonstrierten Dienstagmittag vor dem Rathaus in Neunkirchen für eine schnellere Bearbeitung ihrer Anträge auf Asyl. Foto: Christian Schwermer
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cs - Rund 30 Flüchtlinge trotzten am Dienstag Mittag der ungemütlichen Witterung und demonstrierten vor dem Rathaus in Neunkirchen für eine schnellere und transparentere Bearbeitung ihrer Anträge auf Asyl. Auf Plakaten formulierten sie ihre Botschaften: „Wir möchten uns in der Gesellschaft integrieren“, stand da etwa geschrieben. Oder aber „Wir sind hier, weil wir unsere Heimat verloren haben“.

Die Gruppe, nach eigenen Angaben allesamt syrische Bürgerkriegsflüchtlinge, beklagte zudem, dass ihnen seitens der Behörden bis zum heutigen Tage keinerlei Papiere oder Dokumente ausgestellt worden seien. „Wir werden hin- und hergeschickt und immer wieder vertröstet“, berichtete Muhammed Hamad Alfakhuri. „Wir können ja noch nicht einmal ein Bankkonto eröffnen, geschweige denn arbeiten gehen“, so Alfakhuri weiter. Auch gegen die Mitarbeiter des Rathauses der Hellerkommune erhoben die jungen Männer Vorwürfe: „Niemand hat mit uns gesprochen.“

Diese Vorwürfe indes konnte und wollte Johannes Schneider nicht stehen lassen. Der Fachbereichsleiter für Soziales, Schulen und Ordnung machte zunächst deutlich: „Selbstverständlich hat jeder Einzelne der Flüchtlinge eine Registrierungsbescheinigung ausgestellt bekommen – und natürlich kann man damit auch ein Bankkonto eröffnen“, führte Schneider aus und versicherte, er habe erst kürzlich mit einem hiesigen Kreditinstitut bezüglich dieser Thematik Rücksprache gehalten. Schneider zeigte im Gespräch mit der SZ durchaus Verständnis für die Anliegen der Flüchtlinge, sagte aber auch: „Die öffentlichen Stellen sind im Zuge des Flüchtlingsstroms vor Aufgaben gestellt worden, die sie faktisch nicht erfüllen können. Und bei allem Respekt: Wenn man man in einem fremden Land freundlich aufgenommen wird, dann sind einige Monate Wartezeit meines Erachtens nach auch zumutbar.“

Der Fachbereichsleiter erinnerte daran, dass vor rund vier Wochen schon einmal eine Abordnung der Flüchtlinge im Rathaus vorsprach und Beschwerden vortrug. „Ich habe unmittelbar nach dem Gespräch ein Schreiben an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufgesetzt, von jedem Flüchtling unterschreiben lassen und in mehrfacher Ausfertigung nach Nürnberg gesendet“, verwies Schneider darauf, dass das Bundesamt (BaMF) als den Kommunen übergeordnete Instanz für die Bearbeitung der Asylverfahren zuständig sei. „Demnächst werden wir im Rat ein weiteres Schreiben an das Bundesamt verabschieden und erneut um beschleunigte Verfahren bitten – aber auch hier muss man sagen: Die BaMF-Mitarbeiter schieben bereits Überstunden und tun alles in ihrer Macht stehende.“

Schneider betonte außerdem, dass gerade die Gemeinde Neunkirchen mit bestem Beispiel bei der Aufnahme von Flüchtlingen voran gegangen sei. „Die Willkommenskultur ist hier nach wie vor überaus stark ausgeprägt“, stellte Schneider klar und erinnerte beispielhaft an die ehrenamtlich betriebene Kleiderkammer der Hellerkommune. „Um es klar zu sagen: Ich bin überzeugt, davon, dass wir diese Herausforderung meistern. Wir müssen den Flüchtlingen aber deutlich machen, dass durch unverhältnismäßige Forderungen die Stimmung zu kippen droht.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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