»Wir müssen laut aufschreien«

Siegen womöglich doch vor Landgericht / Spekulationen um Erfurt und Waldhof

geo Siegen. Da im Fußball das Ende einer Saison immer seltener das Ende einer Saison ist, überrascht es kaum, dass auch der Abstiegskampf der Regionalliga Süd möglicher Weise in die »Verlängerung« gehen wird. Direkt oder auch indirekt könnten dabei die akut gefährdeten Siegener »Sportfreunde« beteiligt sein.

So scheint es trotz gegenteiliger Beteuerungen doch noch möglich, dass die »Sportfreunde« in Sachen Punktabzug Bayern München/A. vors Zivilgericht ziehen. Und ob die beiden Zweitliga-Absteiger SV Waldhof und SSV Reutlingen bis zum 11. Juni das nötige Kleingeld für die Regionalliga aufbringen, ist zum heutigen Zeitpunkt noch völlig offen. Waldhof startete am Freitag eine »Bittsteller-Runde«, doch die Aussichten scheinen nicht sehr groß. Aber auch Reutlingen sieht sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht in der Lage, die DFB-Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen. Würden beide oder ein Verein in die Oberliga »durchgereicht«, verringerte sich die Zahl der Regionalliga-Absteiger in gleichem Maße.

Die neueste Nachricht liefert derweil der Osten, denn in Erfurt scheint der gang zum Insolvenzrichter nicht mehr ausgeschlossen. Hier wäre der Zeitpunkt entscheidend, denn ein Insolvenzantrag in der laufenden Spielzeit zieht zwingend den Verlust der Klassenzugehörigkeit als 1. Absteiger nach sich. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Wochenende berichtete, befassen sich seit Donnerstag unabhängige Wirtschaftsprüfer mit der Situation des thüringischen Vereins. Aufsichtsrats-Vorsitzender Michael Panse erklärte auf einer Pressekonferenz: »Bis Montag soll ihr Bericht vorliegen. Davon wird dann auch abhängen, wie sich unsere Sponsoren verhalten.« Laut dpa müsse im schlimmsten Fall am morgigen Dienstag Zahlungsunfähigkeit festgestellt werden. Die Mannschaft wurde bereits darüber informiert, dass sie in absehbarer Zeit keine Gehälter erhalten kann. Für April wurden diese ebenfalls nicht gezahlt. Wenn ein Arbeitgeber drei Monate lang kein Gehalt zahlt, muss er automatisch Insolvenz anmelden. Die Saison 2002/03 endet am 30. Juni. Der Insolvenzfall könnte also auch noch Wochen nach dem letzten Spieltag eintreten und zum Zwangsabstieg führen. Die Zahl der »sportlichen Absteiger« verringerten sich in einem solchen Fall. Laut dpa fehlen kurzfristig bis Saisonende 200000 e, derweil sich die mittel- und langfristigen Verbindlichkeiten auf 3 Millionen e belaufen. Dennoch glauben Insider, dass der Hauptsponsor der Rot-Weißen aus der Energiebranche kurzfristig noch »frisches Geld« zuschießt.

Geschäftsgebaren wie dieses sind auch dem Siegener Trainer Ingo Peter ein Dorn im Auge, der es nicht hinnehmen will, dass es bei dem Punktabzug für die »Sportfreunde« bleibt: »Diese drei Punkte schleppen meine Spieler seit Monaten wie Mühlsteine mit sich. Andere Vereine können dagegen offenbar machen, was sie wollen. Unser Verein macht nachweislich alles, um jungen deutschen Spielern Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen, so wie es das neue Reglement vorsieht. Da kann es einfach nicht sein, dass wir genau dafür bestraft werden und alles kaputt gemacht wird, während andere wirtschaften wie die Wilden.«

Laut Peter scheint daher der Gang vor ein Zivilgericht noch nicht abgehakt zu sein. Arminia Hannover (Oberliga Nord) wird diesen Weg beschreiten und ließ sich selbst von einem Geheimbesuch des DFB-Justitiars Götz Eilers nicht umstimmen. Während es den Niedersachsen nur ums Prinzip geht, steht bei Sportfr. Siegen die Existenz des Vereins auf dem Spiel. Der Vorstand des Vereins hatte diesen Schritt u.a. aus Kostengründen verneint. Große Eile ist indes nicht geboten. Sollte nämlich Arminia Hannover mit seinem juristischen Vorstoß Erfolg haben, könnte sich Siegen nach SZ-Informationen anhängen und immer noch eine Einstweilige Anordnung beantragen. Möglicher Weise entscheidet das Landgericht Frankfurt auf den Arminia-Antrag hin schon bis Mittwoch, da am Mittwoch das erste Entscheidungsspiel der norddeutschen Oberliga-Meister um den Regionalliga-Aufstieg ansteht und Niedersachsen-Meister Emden im Falle einer Zivilentscheidung zu Gunsten von Hannover (und Wilhelmshaven) nicht mehr Meister wäre.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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