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Zeitstifterinnen in jungen Familien
„Wir sind das Sahnehäubchen“

Eine Familie, die das Draußensein liebt: Carola Müller (M. oben) mit Joschua (l.), Janneke (r.) und Jonte, der auf dem Schoß von Zeitstifterin Heidi Krieger-Wierich sitzt.
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  • Eine Familie, die das Draußensein liebt: Carola Müller (M. oben) mit Joschua (l.), Janneke (r.) und Jonte, der auf dem Schoß von Zeitstifterin Heidi Krieger-Wierich sitzt.
  • hochgeladen von Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin)

ihm Siegen. Das langersehnte Baby ist da, die Geburt überstanden, die Glückwünsche und Geschenke sind eingetrudelt, Dann fängt der Alltag mit dem neuen Familienmitglied an. Er ist wunderschön, aber auch anstrengend. Da muss das Kleine noch nicht einmal ein Schreikind sein. Auch bei einem ganz durchschnittlich anspruchsvollen Säugling kann der Babyschock die ersten Monate überschatten.

Seit fünf Jahren gibt es eine Gruppe von Frauen, die sich freiwillig und ehrenamtlich um junge Familien kümmern. Der Mama Zeit und Raum zum Luftholen zu verschaffen – das ist der Sinn der wöchentlichen Einsätze. Manchmal würde es ohne die Zeitstifterinnen gar nicht gehen. Das war zum Beispiel bei Carola Müller der Fall. Sie war mit ihrem zweiten Kind schwanger und musste ab der 30. Woche liegen.

ihm Siegen. Das langersehnte Baby ist da, die Geburt überstanden, die Glückwünsche und Geschenke sind eingetrudelt, Dann fängt der Alltag mit dem neuen Familienmitglied an. Er ist wunderschön, aber auch anstrengend. Da muss das Kleine noch nicht einmal ein Schreikind sein. Auch bei einem ganz durchschnittlich anspruchsvollen Säugling kann der Babyschock die ersten Monate überschatten.

Seit fünf Jahren gibt es eine Gruppe von Frauen, die sich freiwillig und ehrenamtlich um junge Familien kümmern. Der Mama Zeit und Raum zum Luftholen zu verschaffen – das ist der Sinn der wöchentlichen Einsätze. Manchmal würde es ohne die Zeitstifterinnen gar nicht gehen. Das war zum Beispiel bei Carola Müller der Fall. Sie war mit ihrem zweiten Kind schwanger und musste ab der 30. Woche liegen. Guter Rat war teuer, externe Hilfe nicht zu bekommen. Die Familie sprang ein, so gut es ging. „Dann habe ich irgendwo von den Zeitstiftern gehört und angefragt. Und das hat sofort geklappt.“ Heidi Krieger-Wierich kam in die Familie und eroberte das Herz des zweieinhalbjährigen Joschua. Der nämlich war nicht in dem Alter, in dem man auf eine bettlägerige Mama Rücksicht nimmt. Da kam der zunächst fremde Besuch gerade recht.

Bei Joschua im Mittelpunkt

Joschua stand bei Heidi Krieger-Wierich unangefochten im Mittelpunkt. Spielen, draußen toben, auf den Spielplatz gehen – die Nachmittage vergingen für den kleinen Jungen wie im Flug. Seine Mutter konnte sich unterdessen ganz ohne Druck und schlechtes Gewissen ausruhen. Für Carola Müller war es keine Frage, dass die Zeitstifterin nach der Geburt von Töchterchen Janneke weiter eine willkommene Entlastung wäre. Und so blieb „unsere Heidi“, wie sie schon bald in der Familie hieß, während des kommenden Jahres wöchentlicher Gast.

„Wenn ich komme, sagt Carola erst, was ansteht. Die Mutter ist immer die Chefin“, umreißt Heidi Krieger-Wierich die Rollenverteilung. Denn auch wenn die Kinder im Mittelpunkt stehen: Die Zeitstifterin kommt für die Mütter. Hausarbeit ist dabei übrigens grundsätzlich kein Thema.

Als Janneke ein Jahr alt war, endeten die Spielnachmittage mit Heidi. Die Zeitstifterin sorgte in einer anderen Familie für Entlastung. Aber der Kontakt zu den Müllers riss nicht ab, und als Jonte sich ankündigte, fragte Carola Müller wieder an. Mittlerweile ist der Kleinste schon 13 Monate alt, und Heidi Krieger-Wierich ist fester Bestandteil seines jungen Lebens. Die Familie ist inzwischen nach Weidenau gezogen, bei Renovierung und Gartengestaltung war die Zeitstifterin hoch willkommen – nicht als Arbeitskraft, sondern als Betreuung für Joschua, Janneke und Jonte, wenn die drei nicht gerade selbst auf der Baustelle im Einsatz waren.

"Man muss Vertrauen haben"

Carola Müller nutzt den Freiraum, den die Zeitstifterin schafft, ganz unterschiedlich. Mal hat sie auswärtige Termine, mal kauft sie in Ruhe ein, mal kommt eine Freundin zu Besuch. Fällt das Abgeben der Kinder – vor allem des am Anfang ja noch ganz kleinen Babys – schwer? „Nein, das ist mir nie schwergefallen. Man muss Vertrauen haben“, sagt die Mutter. Solange das Baby noch gestillt wird, spielt die Zeit eine besondere Rolle: „Dann muss man vorher überlegen, wann das Kind wohl wieder Hunger haben wird.“

Übernimmt die Zeitstifterin eine Art Oma-Rolle? Carola Müller (37) und Heidi Krieger-Wierich (58) schauen sich an und schütteln gleichzeitig die Köpfe. Eher als Freundin der Familie sieht sich Heidi Krieger-Wierich, die selbst fünf erwachsene Töchter hat.

Sieben Kinder und eine Zeitstifterin 

Noch größer ist die Familie, in die Zeitstifterin Sabine Schmidt-Jobst regelmäßig geht. Marie-Luis Krause-Engel und Dominik Engel haben sieben Kinder! Isabelle (20), Johannes (15), Luisa (10), Pauline (7), Martha (5), Samuel (3) und die kleine Rosalie (1) bringen richtig Leben in das Geisweider Haus. Hund Nelly, zwei Katzen und ein Kaninchen vervollständigen das lebendige Inventar.

Wer Marie-Luis Krause-Engel (40) inmitten ihres Nachwuchses erlebt, kann nur staunen: So ruhig, so entspannt bleibt die siebenfache Mama! Und dabei ist sie auch noch teilzeit-berufstätig. Papa Dominik arbeitet als Musiklehrer an der Fritz-Busch-Musikschule – die Eltern bilden offenkundig ein eingespieltes Team. Dass seit Februar mit Zeitstifterin Sabine Jobst-Schmidt freitagvormittags eine Entlastung ins Haus kommt, erlebt Mutter Marie-Luis als Luxus. Außer der kleinen Rosalie darf dann meist noch eines der beiden Kindergartenkinder zu Hause bleiben und mit Sabine spielen, spazierengehen, basteln oder toben. Marie-Luis Krause-Engel: „Ich überlass der Sabine, was sie mit den Kindern macht. Ich sag nur, was ich für mich geplant habe.“ Dominik Engel erinnert sich, dass es von Anfang an gar kein Problem war, die Verantwortung für die Kinder abzugeben: „Sie sprangen sofort auf Sabine an.“ Gibt es schon mal Diskussionen um Erziehungsfragen? Alle Erwachsenen schütteln entschieden den Kopf. Sabine Schmidt-Jobst: „Ich muss nichts verändern, nicht erziehen.“ Natürlich müsse sie den Kindern auch Grenzen setzen, aber das bewege sich im Rahmen der familiär eingeführten Regeln.

Die Chemie muss stimmen 

Die vielköpfige Familie Engel ist die vierte Einsatzstelle der 59-jährigen Zeitstifterin, selbst Mutter von drei Kindern. Wichtig ist immer, dass die Chemie zwischen Eltern und Zeitstifterin stimmt und dass die Kinder mit der Betreuerin zurechtkommen. Koordinatorin Karin Frerichs-Schneider besucht die Familien zunächst und überlegt genau, welche Zeitstifterin passen könnte. „Das klappt meistens sehr gut.“ In einem Fall allerdings machten die Schulkinder einer Familie einen Strich durch die Rechnung. Zwar sei die Zeitstifterin nett, aber sie sehe genauso aus wie eine höchst unbeliebte Lehrerin, das könne man nicht aushalten, klagten die Kinder. Karin Frerichs-Schneider sah das ein: „Das ging einfach nicht, wir haben dann gewechselt.“

Ob der Flur geputzt oder das Frühstücksgeschirr weggeräumt ist, das geht die Zeitstifterinnen nichts an – und es interessiert sie auch nicht. Sie sind dafür da, dass es der Mutter gutgeht, indem sie die Kinder übernehmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie sind sozusagen das Sahnehäubchen auf dem familiären Alltagskuchen.

Eine Familie, die das Draußensein liebt: Carola Müller (M. oben) mit Joschua (l.), Janneke (r.) und Jonte, der auf dem Schoß von Zeitstifterin Heidi Krieger-Wierich sitzt.
Bei Engels wird viel gelacht. Die fröhliche Familie mit Mutter Marie-Luis (r.) und Vater Dominik (hinten l.) sind froh, das Sabine Schmidt-Jobst (l.) ihre Zeit stiftet.  Fotos: ihm
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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