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Viele Feiertage fallen 2021 aufs Wochenende
Wirtschaft stemmt sich gegen "Nachholtermine"

Arbeitnehmer-unfreundlicher geht’s nicht: Die Weihnachtsfeiertage fallen im Jahr 2021 auf einen Samstag und einen Sonntag.
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rege Siegen. Der 1. Mai fällt auf einen Samstag, der 3. Oktober auf einen Sonntag. Und zur Krönung des Ganzen lachen uns die beiden Weihnachtsfeiertage im Jahr 2021 ebenfalls an den beiden Tagen des Wochenendes entgegen. Was die Arbeitgeber freut, ist für Arbeitnehmer die Höchststrafe: Neben Oster- und Pfingstsonntag fallen vier weitere Feiertage auf Tage, an denen bei den meisten Beschäftigten die Arbeit ruht. Diese ungewöhnliche Häufung der Wochenend-Feiertage, die es letztmals anno 2016 gab, rief einige Politiker auf den Plan, quasi als Corona-Bonus „Nachholtermine“ für die vom Kalender „verschluckten“ freien Tage zu fordern. Als Vorschlag wurde der darauffolgende Montag ins Spiel gebracht.

rege Siegen. Der 1. Mai fällt auf einen Samstag, der 3. Oktober auf einen Sonntag. Und zur Krönung des Ganzen lachen uns die beiden Weihnachtsfeiertage im Jahr 2021 ebenfalls an den beiden Tagen des Wochenendes entgegen. Was die Arbeitgeber freut, ist für Arbeitnehmer die Höchststrafe: Neben Oster- und Pfingstsonntag fallen vier weitere Feiertage auf Tage, an denen bei den meisten Beschäftigten die Arbeit ruht. Diese ungewöhnliche Häufung der Wochenend-Feiertage, die es letztmals anno 2016 gab, rief einige Politiker auf den Plan, quasi als Corona-Bonus „Nachholtermine“ für die vom Kalender „verschluckten“ freien Tage zu fordern. Als Vorschlag wurde der darauffolgende Montag ins Spiel gebracht.

In anderen Ländern sind "Ersatz-Feiertage" Standard

Neu ist dieser Vorstoß freilich nicht, schon in der Vergangenheit hatte es vor allem aus Reihen der SPD, der Grünen und der Linken immer wieder mal Versuche gegeben, die „Wochenend-Feiertage“ nicht kampflos herzugeben. Durchsetzen konnten sie sich mit ihrer Forderung bisher nicht. In anderen Ländern sind „Ersatz-Feiertage“ durchaus gang und gäbe. Großbritannien, Spanien und Belgien gehören zum Beispiel zu den Ländern, in denen es Kompensationsregelungen als Ausgleich für entgangene Feiertage gibt. – Die SZ hörte sich in der heimischen Region um, wie die Idee der Politiker beim Volk ankommt.
Klaus Fenster, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, zeigt wenig Verständnis dafür, dass der Vorstoß ausgerechnet während der Pandemie kommt: „Aus meiner Sicht ist bei diesem Vorschlag schon die Frage von Relevanz, ob das in der Corona-Krise jetzt das richtige Signal ist. Wenn die Wirtschaft anläuft und die Geschäfte wieder auf haben, müssen wir sehen, dass wieder Geld verdient wird, was wir vorher für Hilfsprogramme, Staatsleistungen und Verschuldung ausgegeben haben.“ Zudem müsse man überlegen, ob man aus Werktagen Feiertage mache, wenn über Sonntagsöffnungen diskutiert werde. Hinzu komme, dass viele Menschen durch die Corona-Krise so viele freie Tage hatten wie nie, zum Beispiel durch Kurzarbeit und Zeitarbeitskonten.“

"Für Beschäftigte ist das halt ein unglückliches Jahr"

Selbst Andree Jorgella, der 1. Bevollmächtigte und Kassierer der IG Metall Siegen, kann nicht viel Begeisterung für den Vorschlag aufbringen: „Tatsächlich liegen die Feiertage, wie sie liegen. Punkt. Wenn das so ist, ist das für uns als Beschäftigte halt ein unglückliches Jahr. Da kommen auch wieder andere Jahre. Wenn dieses Jahr viele Feiertage auf einen Sonntag fallen, fallen sie im nächsten Jahr alle auf einen Montag, dann machen wir halt dann verlängerte Wochenenden. Aus meiner Sicht muss man da jetzt keine Sonderlösung bauen.“
Während man sich von einem Vertreter der Arbeitnehmer durchaus auch andere Worte vorstellen kann, spricht sich Helmut Hofmann, der Pressesprecher der Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein, erwartungsgemäß gegen Nachholtermine aus: „Es geht ja schon etliche Jahre so, dass das Thema von der SPD, den Linken und den Grünen aufgeworfen wird. Vom Grundsatz her muss ich sagen, dass wir sehr viele Feiertage in Deutschland haben, europaweit mit die meisten sogar.“

Arbeitgeberverbände will Feiertage nicht "nachholen"

Wenn man sich die aktuelle Situation anschaue, sei überhaupt kein Anlass gegeben, die Feiertage nachzuholen. Deutschland befinde sich in einer wirtschaftlichen Krise, aus unternehmerischen Gründen sei das überhaupt kein Thema. Hofmann: „Wir sind in der aktuellen Zeit froh, wenn wir wieder richtig ans Arbeiten kommen.“ Viele Beschäftigte seien immer noch in Kurzarbeit. Zusätzliche Feiertage seien da nicht sinnvoll. Das kommt eben alle paar Jahre mal vor und ist dem Kalender geschuldet. Dann ist das halt so.“
Aber das sehen nicht alle so. Die Passanten und das arbeitende Volk in der Siegener Innenstadt sind da durchaus anderer Meinung, wie Antje Leidig und Mechthild Rebein vom Optiker Fielmann: „Privat würde ich mich freuen. Aus Mitarbeitersicht können wir uns sicher mit den nachgeholten Feiertagen anfreunden. Sollte es dazu kommen, dass die Feiertage nachgeholt werden, dann sollte das zu einer dauerhaften Lösung werden.“

Würden es begrüßen, wenn die auf ein Wochenende fallenden Feiertage nachgeholt werden: Mechthild Rebein (l.) und Antje Leidig (r.) vom Optiker Fielmann.
  • Würden es begrüßen, wenn die auf ein Wochenende fallenden Feiertage nachgeholt werden: Mechthild Rebein (l.) und Antje Leidig (r.) vom Optiker Fielmann.
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Ähnlich sieht es Susanne Meier, die für das Ordnungsamt in der City unterwegs ist: „Als Arbeitnehmerin bin ich auf jeden Fall dafür, die Feiertage nachzuholen. Da wird wohl kein Arbeitnehmer was Negatives zu sagen.“ Dem pflichtet Carolin Wieland bei: „Ich bin dafür. Das sind freie Tage, die einem Arbeitnehmer eigentlich zustehen, so aber sang- und klanglos weggenommen werden. Ich würde die neue Regelung auch auf alle Jahre beziehen.“

Die Deutschen sind ohnehin gut mit freien Tagen versorgt

Doch nicht von allen, die an diesem Nachmittag in der Krönchenstadt unterwegs sind, kommt Unterstützung für den Vorschlag aus der Politik. Tanja Schwenke aus Kreuztal findet, dass die Deutschen gerade auch zu Corona-Zeiten eh schon gut mit freien Tagen „versorgt“ sind: „Ich brauche die Feiertage nicht nachzuholen.“

Tanja und Walter Schwenke finden, dass es in Deutschland genug freie Tage gibt und dass die bisherige Regelung beibehalten werden soll.
  • Tanja und Walter Schwenke finden, dass es in Deutschland genug freie Tage gibt und dass die bisherige Regelung beibehalten werden soll.
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In den vergangenen Monaten sei schon so viel ausgefallen an anderen Dingen. Ob freiwillig oder unfreiwillig, viele Menschen hätten in dieser Zeit viel mehr frei.
Was Urlaub angehe, seien wir Deutschen eh schon gut dran. Auch Ehemann Walter meldet keinen Bedarf an: „Wenn Feiertage in diesem Jahr mal auf einen Sonntag fallen, dann ist es halt so. Im Laufe der Lebenszeit gleicht sich das aus.“
Genau so sieht es auch Thorsten Fries von der Spielebox Siegen: „Ich würde alles lassen, wie es ist. Das gleicht sich im Laufe der Jahre ja aus. Wegen dem einen Mal muss man nicht alle verrückt machen. Das kostet alles wieder Steuergelder, und es wird schon genug Steuergeld zum Fenster hinaus geschmissen, anstatt es dort zu verwenden, wo es wirklich gebraucht wird.“

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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