Wisent-Projekt auf der Kippe?

Ein freilebendes Wisent im Wald bei Kühhude. Archivbild: Dirk Manderbach

vö/ch/dpa - Eine Entscheidung über die Zukunft der freilebenden Wisente ist am Freitag vor dem Bundesgerichtshof noch nicht gefallen. Das Gericht gibt beiden Seiten - den Sauerländer Klägern und dem Trägerverein - die Chance, noch einmal schriftliche Stellungnahmen und Ausführungen einzureichen. Ebenso überließ das Gericht den beiden Seiten die Entscheidung, ob der Prozess schriftlich oder in einer erneuten Verhandlung in Karlsruhe fortgesetzt wird.

Aber - und das muss als ein erster Rückschlag für den Verein „Wisent-Wildnis Wittgenstein“ gewertet werden -der BGH stellte am Freitag bereits fest, dass die Wisent-Herde keineswegs bereits „herrenlos“ sei. Vielmehr  befinde sich das Artenschutz-Projekt erst in der zweiten, der Erprobungsphase. Damit widersprachen die Richter der Ansicht des Oberlandesgerichts - und nehmen wiederum den Wisent-Verein deutlich mehr in die Verantwortung. Wenig verwunderlich zeigten sich die Waldbauern in einer ersten Reaktion zuversichtlich, dass man nun zum eigentlichen Vertragswerk zurückkehren könne und sich der Verein nicht länger aus der Verantwortung ziehen könne. Dessen Vertreter wiederum zogen sich unmittelbar nach der Verkündung zurück und waren zunächst nicht für ein Statement verfügbar.

Was für eine Verantwortung für die Richten in den roten Roben: Das Schicksal der einzigen freilebenden Wisent-Herde Deutschlands im Rothaargebirge steht an diesem Freitag  in Karlsruhe auf dem Spiel. Vor dem Bundesgerichtshof treten sich die Verantwortlichen des Vereins „Wisent-Wildnis Wittgenstein“  und aufgebrachte Waldbesitzer gegenüber. Denn die seit dem Jahr 2013 im Rothaargebirge ausgewilderten Tiere haben inzwischen reichlich Nachwuchs bekommen, ihr Revier deutlich ausgeweitet - und sie schälen gern und gefräßig die Rinde von Buchen. Die betroffenen Waldbauern werden zwar entschädigt. Sie wollen aber, dass die Wisente ihren Grund gar nicht mehr betreten. Die SZ ist vor Ort und wird aus Karlsruhe berichten.

Die Fronten sind seit Jahren verhärtet, das in Westeuropa einmalige Artenschutzprojekt steht auf der Kippe. Eine haarige Sache: Im Mai 2017 beschäftigte der Wisent-Fall das Oberlandesgericht in Hamm. Das OLG fällte ein Urteil und sorgte für eine paradoxe Situation. In der Tat seien die Tiere als herrenlos anzusehen. Die Waldbauern müssen die 20 bis 30 Wisente im Wald dulden. Gleichzeitig aber soll der Wisent-Verein „geeignete Maßnahmen“ ergreifen, die verhindern, dass die bulligen Wildrinder die Grundstücke der Kläger betreten.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte zuletzt die einzige Lösung darin gesehen, die mächtigen Tiere wieder einzufangen. Der Trägerverein soll sich dafür um eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde bemühen. Dagegen haben beide Seiten Revision eingelegt. Der BGH kann sein Urteil nach der Verhandlung verkünden ... oder dafür einen Extra-Termin ansetzen.

Die größten Landsäuger Europas waren in Deutschland lange ausgerottet. Das von Bund und Land geförderte Freisetzungsprojekt sollte die Wisente wieder heimisch machen. Für die Regulierung der Schäden an den Bäumen gibt es inzwischen einen Fonds.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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