Wisente nicht töten

   Ist für die Wisente im Rothaargebirge tatsächlich kein Platz? Die Maximalforderung des HSK-Landrats Dr. Karl Schneider würde das Ende des Naturschutzprojekts bedeuten. Foto: dima
  • Ist für die Wisente im Rothaargebirge tatsächlich kein Platz? Die Maximalforderung des HSK-Landrats Dr. Karl Schneider würde das Ende des Naturschutzprojekts bedeuten. Foto: dima
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vö - Das europaweit beachtete Projekt einer freilebenden Wisentherde im Rothaargebirge steht vor dem Aus. Nach dem vermeintlichen Angriff einer Wisent-Kuh auf eine Wanderin hat der Landrat des Hochsauerlandkreises, Karl Schneider (CDU), Konsequenzen gefordert Der Trägerverein des Projekts müsse sicherstellen, dass Wanderer geschützt sind. In knapp vier Wochen wollen die Verantwortlichen über den Fortgang entscheiden – sollte bis dahin keine Möglichkeit gefunden sein, die Forderung Schneiders umzusetzen, müsste das Projekt wohl tatsächlich beendet werden.

Es sei schwer zu verstehen, dass für die Wisente im Rothaargebirge offensichtlich kein Platz sein solle“, sagte Dr. Michael Emmrich als Pressesprecher des Wisent-Projekts am Montagabend im Anschluss an eine vierstündige Vorstandssitzung des Trägervereins.  Es habe zwar keine Beschlüsse gegeben, dennoch seien Positionen festgezurrt worden. Tenor des Vereinsvorstands: „Wir wollen das Projekt erfolgreich fortsetzen und verhindern, dass die Tiere eingesperrt oder gar getötet werden müssen.“

Michael Emmrich gab zu bedenken, dass es unter dem Strich nach einem langen Weg ja noch um weit mehr gehe – um Arbeitsplätze, Tourismus, Wertschöpfung für die Region und  Image. Der Wisent-Trägerverein werde wie bisher alles daran setzen, eine größtmögliche Sicherheit für die Menschen in den Wäldern herzustellen und die Tiere daran zu hindern, den Hochsauerlandkreis zu betreten. 

Absolute Sicherheit gebe es im Wald  nie, so der Projekt-Sprecher. „Wir vertreten aber nach einer vernünftigen Risikoabschätzung die Auffassung, dass von den Wisenten keine größere Gefahr ausgeht als von anderen Wildtieren.“ Dem gegenüber stehe der Mehrwert für die gesamte Region. 

Unterstützung bekommt der Trägerverein  aus der heimischen Bevölkerung, wo viele Menschen einen plötzlichen Abbruch des Projekts überhaupt nicht nachvollziehen können.  Gibt es auch Unterstützung von NRW-Umweltminister Johannes Remmel? „Er hat sich in der Vergangenheit zum Projekt deutlich geäußert. Darauf setzen wir schon ein Stück weit.“

Die Siegener Zeitung bemühte sich auch um Stellungnahmen der Touristiker aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und dem Hochsauerlandkreis. Resonanz: Fehlanzeige. Thomas Weber, Chef von Sauerland-Tourismus, hatte sich bereits Ende vergangener Woche deutlich für das Wisent-Projekt positioniert – und sich damit im Hochsauerlandkreis nach SZ-Informationen nicht unbedingt nur Freunde gemacht. Denn die Touristiker von der HSK-Seite, die am Montagabend an der Sitzung der Koordinierungsgruppe im Siegener Kreishaus teilnahmen, ließen offenbar kein gutes Haar an dem europaweit beachteten Naturschutzprojekt. So soll Hubertus Schmidt als  Chef des Schmallenberger Tourismus-Büros in der Koordinierungsgruppe darauf hingewiesen haben, dass sämtliche Gastronomen im Raum Schmallenberg einen Stopp des Projekts forderten. Die Wisente schadeten dem Image der Region.

Wie die SZ erfuhr, soll sich in Aue-Wingeshausen aus der Bevölkerung heraus eine Initiative „Pro Wisent“ formieren, die in Kürze Position beziehen will.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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