Wisentprojekt vor dem Abbruch

 Der Streit um das Wisent-Projekt geht weiter. Foto: Dirk Manderbach  Andreas Müller sieht eine große Gefahr für einen Projekt-Abbruch. Foto: dima  Karl Schneider will keine Verantwortung für das Projekt übernehmen. Foto: ch
  • Der Streit um das Wisent-Projekt geht weiter. Foto: Dirk Manderbach Andreas Müller sieht eine große Gefahr für einen Projekt-Abbruch. Foto: dima Karl Schneider will keine Verantwortung für das Projekt übernehmen. Foto: ch
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ch/dima - Ein Krisentreffen, zwei getrennte Pressekonferenzen, das hat Symbolkraft: In Siegen ist am Montag die Koordinierungsgruppe des Wisent-Projektes zusammengekommen, um nach dem Vorfall nahe Jagdhaus, bei dem eine Wanderin am Rothaarsteig von einer Wisentkuh verletzt wurde, geeignete Maßnahmen und Mittel zu finden, wie man die Gefahr für Leib und Leben durch die freilaufenden Tiere verringern bzw. am besten vermeiden könne.

Die Runde mit Vertretern der drei Kreise Siegen-Wittgenstein, Olpe und Hochsauerland sowie aus Wisentträger-Verein, Landwirtschaft, Forst, Jagd und Naturschutz ging ohne Ergebnis auseinander. Landrat Andreas Müller (Siegen-Wittgenstein) und Landrat Dr. Karl Schneider (HSK) traten jeweils für sich vor die Mikrofone und Kameras, um kundzutun, dass sich die Koordinierungsgruppe vertagt hat. In vier Wochen sieht man sich wieder.

Schneider, sichtlich angefressen und nach eigenen Angaben „nicht sehr befriedigt“, wiederholte – wie Minuten zuvor beim Krisentreffen und wie Tage zuvor an anderer Stelle – seine Forderung nach einem Zaun: „Der Hochsauerlandkreis ist nicht bereit, die Risiken, die sich aus dem Auswilderungsprojekt ergeben, zu tragen. Wir sehen für das Wisentprojekt nur eine Chance und geben ihm nur dann unser Placet, wenn ein Zaun den Übertritt der Tiere auf unser Kreisgebiet verhindert!“ Er wolle „nicht die Staatsanwaltschaft im Haus haben, wenn es etwas passiert“.

Übrigens: Auch wenn es so aussieht, als habe Landrat Karl Schneider nur Forderungen, aber keine Druckmittel in der Hand, kann die Koordinierungsstelle für das Wisent-Projekt durchaus Schicksal spielen: Laut Vertrag, der für die Freisetzungsphase der Wisente vereinbart wurde, hat die Gruppe das Recht, das Projekt während dieser Phase jederzeit abzubrechen, „wenn aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit eine Weiterführung aus rechtlichen oder praktischen Gründen nicht mehr zu vertreten ist“.

Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, versuchte seinerseits die Forderungen seines HSK-Kollegen für die anwesenden Journalisten in einer kurzfristig einberufenen eigenen Pressekonferenz im Kreishaus zu übersetzen: Die Forderung, dass kein Wisent mehr einen Schritt auf HSK-Gebiet machen darf, da man nicht mehr bereits sei, das damit verbundenen Risiko einzugehen, komme einer Aufforderung zum Abbruch des Projektes gleich.

Niemand der Beteiligten habe sich bisher mit der konkreten Frage eines Projektabbruchs beschäftigt. Erst einmal müsse man sich jetzt auch über die Tragweite einer solchen Entscheidung klar werden. Er selbst, so Müller, würde eine Beendigung der Auswilderung bedauern. Und die negative Strahlkraft des Abbruchs dieses international bedeutsamen Artenschutzprojektes werde für die Region groß sein.

Andererseits würden die bisherigen Vereinbarungen von einem Einvernehmen aller Vertragspartner ausgehen. Dieses Einvernehmen bestehe jedoch nicht mehr, wenn der HSK-Kreis das Risiko zukünftiger Wisent-Mensch-Begegnungen nicht mehr eingehen wolle. Eine großräumige Umzäunung des Projektgebietes auf Wittgensteiner Fläche kommt für Landrat Müller nicht in Frage, da diese Maßnahme dem Projektziel, die Wisente auszuwildern, komplett widersprechen würde. Die Gefahr für einen Abbruch des Projektes in vier Wochen schätzt er aus diesen Gründen als sehr groß ein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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