Wo das Miteinander Probleme bereitet

Benachteiligt die Koedukation Mädchen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern?

sz Siegen. Mathematik und Naturwissenschaften – für Mädchen eher Stress, für viele Jungen Stunden der Selbstentfaltung? Zumindest ist erwiesen, dass die Noten der Mädchen in naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern im Schnitt schlechter ausfallen als die der Jungen. Ein Blick in die Zeugnislisten der 9. und 10. Klasse des Gymnasiums auf der Morgenröthe in Eiserfeld beweist es. »Mädchen sind auf keinen Fall dümmer«, betont Dr. Renate Lachmann, bei mehreren männlichen Kollegen die einzige Physiklehrerin der Schule, sie seien aber zumindest zurückhaltender in den Fächern.

Daraus ergibt sich die Frage, wo eigentlich die Defizite der Mädchen im Unterricht liegen. So merkwürdig es klingt: Ein »Defizit« sind die Jungen. Sie haben eine ganz andere Art sich einzubringen und dominieren dadurch diesen Unterricht. Sie sind energischer und haben mehr Durchsetzungsvermögen. Während Mädchen noch nachdenken, ob ihre Antwort wohl richtig ist, sind die Jungen längst vorgeprescht. Das zweite »Defizit« ist in den Mädchen selbst begründet: Sie zeigen sich eher zurückhaltend und dafür sehr gründlich in dem, was sie tun. Doch gerade das nimmt ihnen oft die Chance, sich und ihre Interessen in den Unterricht einzubringen.

Unter solchen Umständen kommt noch etwas anderes hinzu: Jungen fühlen sich erst dann richtig männlich, wenn sie den Mädchen als rettende Engel zu Hilfe eilen und so ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Nur fühlen sich viele Mädchen von dieser Art und Weise eingeschüchtert. Sie trauen sich in der Gegenwart von Jungen nicht das zu sagen, was sie vielleicht sonst gesagt hätten.

Aufgrund dieses Unterschieds der Geschlechter findet zur Zeit in der 10. Klasse des Gymnasiums der Informatikunterricht getrennt statt. Die Mädchen werden von Dr. Lachmann unterrichtet, die Jungen lernen beim Schulleiter, Oberstudiendirektor Wolfgang Kempf. Auf die Frage, was denn besser sei an einem reinen Mädchenkurs, antwortet Frau Dr. Lachmann ohne zu zögern: »Es ist auf jeden Fall stressfreier.« Das typische Konkurrenzverhalten der Jungen findet dabei eben nicht statt.

Die Resonanz des Projekts ist durchaus positiv. Die Nachfrage beim Mädchenkurs ergab, dass sie sehr zufrieden mit der Situation sind und »der Unterricht viel lockerer ist«. Auch bei den Jungen hält sich der Wunsch in Grenzen, den Informatikunterricht wieder gemeinsam zusammen mit den Mädchen zu besuchen. »Die wissen ja nicht mal, wie der Computer angeht« , so die Bemerkung eines Kursteilnehmers. Der Schulleiter gibt jedoch etwas ganz anderes zu bedenken: Mädchen seien in gemischten Kursen oft sogar schneller als die Jungen, sie arbeiteten zielgerichteter und verzichteten auf unnötigen Schnickschnack, wenn es um ernsthafte Aufgaben gehe.

Wer also ist im Nachteil? Darüber lässt sich streiten. Sind es die Mädchen ihrer zurückhaltenden Art wegen oder die Jungen, weil die Mädchen gesondert gefördert werden? Sie machen im Prinzip nichts falsch – sie sind eben so wie sie sind. Tina Falkenhain, Gymn. Auf der Morgenröthe

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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