Wundervolle Freundschaft

gmz Siegen. Ein ungewöhnliches Bild bot sich da am Samstagabend im Gläsersaal: Seite an Seite mit den Musikern der Philharmonie Südwestfalen saßen junge Musiker des Jugendsinfonieorchesters der Fritz-Busch-Musikschule der Stadt Siegen und spielten Dvoáks Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der neuen Welt“. „Hand in Hand, Side by Side“ hieß das Projekt auch, das, wie es Russell N. Harris, Chefdirigent der Philharmonie, zu Beginn des von der SZ präsentierten Konzertes formulierte, für ihn die Erfüllung eines großen Wunsches darstelle und das am Ende, unter dem begeisterten Applaus der Zuhörer im gut besetzten Gläsersaal, in den Wunsch mündete, dieses Konzert möge den „Beginn einer langen und wunderbaren Freundschaft“ markieren.

Das wäre sicher spannend, denn die Profis und die Nachwuchsmusiker interpretierten die bekannte und immer wieder begeisternde Sinfonie mitreißend und von großer emotionaler Intensität geprägt. Sie feuerten sich gegenseitig an! Antonin Dvoák komponierte das Werk 1893 während seines insgesamt dreijährigen Amerika-Aufenthaltes, wie Reinhold Felthaus in seiner informativen, von Musikbeispielen unterlegten Einführung in die Sinfonie ausführte. Dvoáks Ruhm hatte ihm die Berufung als Leiter des New Yorker Konservatoriums eingebracht, mit der die Erwartung verbunden war, die Grundlagen für eine eigenständige, amerikanische klassische Musik zu legen, was ihm, nach Ansicht des New Yorker Musikpublikums wohl auch gelungen ist. Er verwendete Gospel-Melodien (Harris ging an dieser Stelle kurz unter die Gospelsänger und intonierte zu Demonstrationszwecken gekonnt „Swing Low“!) und Melodien der Indianer, nutzte ein indianisches Epos als Vorlage, um eine Liebesgeschichte in der Weite der amerikanischen Landschaft zu platzieren, nutzte typische Rhythmen der schwarzen Musik, griff aber auch, als „kleiner böhmischer Musikant“, der er immer bleiben wollte, auf traditionelle Tänze seiner Heimat zurück.

Und schuf damit ein Werk, das von großer emotionaler Intensität geprägt ist – und von den Musikern unter der mitreißenden Leitung von Russell N. Harris auch genauso umgesetzt wurde. Der wunderbar fragende, von erwartungsvoller Spannung getragene Cello-Kontrabass-Auftakt führt in ein breites Gemälde der Erwartungen, das zwischen unruhiger Aufgewühltheit und optimistischer Aufbruchsstimmung changiert, in einem fulminanten Schluss endet.

Diese gewaltige Spannung wird im 2. Satz aufgenommen, wird dann kontrastiert mit der sehnsuchtsvollen (bekannten) Melodie, die vom Englischhorn (toll!) vorgegeben wird, die von den anderen Instrumenten weitergetragen wird, bis sie verhaucht und als fröhliche Vogelstimme neu ansetzt und in ein Landschaftspanorama mündet, das den Horizont, den echten und den der Erwartungen, als zarten Hoffnungsstreifen malt.

Der sehr fröhliche, heiter unbeschwerte 3. Satz mit der abwechslungsreichen Orchestrierung schwelgt außer in feschen Tänzen auch in wehmutsvollen Anklängen an die tschechische Heimat, die aber in einer furiosen Note enden, die im 4. Satz aufgegriffen wird. Der fanfarenartig stürmische Auftakt, kombiniert mit witzigem off-Beat, schafft eine positive Grundstimmung, die sich zu monumentaler Größe steigert, zur beschwörenden Intensität zurückfindet, sich die Freiheit der Gestaltung, die vom Tatendrang zugedeckt zu werden drohte, zurückerobert – unter anderem mit dem faszinierenden Zitieren der Motive aus den ersten Sätzen – und die kurz vor dem pathetischen Überschwang in den zupackenden Appell zurückfindet. Toll!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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