SZ

Raubüberfall auf Frau in Achenbacher Furt
Wurden die Zeugen eingeschüchtert?

Hat der 29-jährige Angeklagte die Zeugen vor ihrer Vernehmung eingeschüchtert?

cs Siegen. Der Angeklagte schien gute Laune zu haben. Immer wieder konnte sich der 29-Jährige, der im März dieses Jahres im Bereich der Achenbacher Furt eine junge Frau brutal überfallen und ausgeraubt haben soll (die SZ berichtete), ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. Ob die Aussagen der Zeugen, die sich am Montag vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts äußerten, den Angeklagten be- oder entlasten, muss sich allerdings noch herausstellen. Im Raum steht der Verdacht, dass der Deutsche, der neben dem Raubüberfall zahlreiche weitere Delikte begangen haben soll, zumindest einen der Zeugen im Vorfeld seiner Vernehmung massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert hat.

cs Siegen. Der Angeklagte schien gute Laune zu haben. Immer wieder konnte sich der 29-Jährige, der im März dieses Jahres im Bereich der Achenbacher Furt eine junge Frau brutal überfallen und ausgeraubt haben soll (die SZ berichtete), ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen. Ob die Aussagen der Zeugen, die sich am Montag vor der 1. großen Strafkammer des Siegener Landgerichts äußerten, den Angeklagten be- oder entlasten, muss sich allerdings noch herausstellen. Im Raum steht der Verdacht, dass der Deutsche, der neben dem Raubüberfall zahlreiche weitere Delikte begangen haben soll, zumindest einen der Zeugen im Vorfeld seiner Vernehmung massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert hat.

Polizeibeamter kontaktierte Informanten "aus der Szene"

Zunächst saß ein 34-jähriger Polizist im Zeugenstand. Der Beamte war der zuständige Sachbearbeiter für den Raubüberfall in der Achenbacher Furt und besuchte das Opfer nach eigener Aussage kurz nach der Tat fast täglich im Krankenhaus. In diesem Zuge habe die junge Frau gleich ein Missverständnis ausgeräumt. In einem ersten Bericht der Polizei, den damals auch die Siegener Zeitung veröffentlichte, war von einem südländischen Erscheinungsbild des Täters die Rede. Mehrfach habe die junge Frau klargestellt, dass sie ihren Peiniger nicht genau erkannt habe, „sie konnte aber genau beschreiben, wie sie gepackt und geschlagen wurde“, berichtete der Polizist. Er habe sich anschließend „in der Szene umgehört“ und einen Informanten kontaktiert, der am Montag ebenfalls aussagte. Dieser habe angegeben, den Angeklagten kurz nach dem Überfall mit einer roten Lederhandtasche gesehen zu haben. Ob dieses Detail in den Medienberichten genannt worden sei, habe er nicht überprüft, erklärte der 34-Jährige auf Nachfrage von Vorsitzender Richterin Elfriede Dreisbach.

Opfer identifizierte den Angeklagten anhand seiner Stimme

Weil dem Opfer eine solche Handtasche entwendet worden sei, habe er die junge Frau mit der Vorlage acht verschiedener Lichtbilder konfrontiert. So habe sie in Bezug auf den Angeklagten geäußert, dass dieser „vom Typ“ als Täter infrage komme. „Sie hat sich sehr prägnant den Wortlaut eingeprägt und war sich sicher, dass sie den Täter anhand der Stimme wiedererkennen würde“, erklärte der Ordnungshüter weiter. Im Zuge einer anderen Festnahme sei er über Bekannte des Angeklagten an eine WhatsApp-Sprachnachricht gekommen. Nachdem er ihr diese vorgespielt habe, sei sich die junge Frau ganz sicher gewesen, dass es sich dabei um den Angeklagten handele, den sie somit als Täter zu identifizieren glaubte.

Verteidiger Rühlmann kritisierte das Vorgehen als "suggestiv"

„Da haben wir Probleme“, meinte Elfriede Dreisbach, schließlich habe man dem Opfer nur diese eine Sprachnachricht vorgespielt. „Haben Sie einen Gedanken daran verschwendet, dass ein solches Vorgehen suggestiv sein könnte?“, fragte Verteidiger Christoph Rühlmann (Düren) und kritisierte das Vorgehen des Beamten. Dieser hatte zuvor angegeben, mit der Sprachnachricht an das Opfer mit dem Hinweis herangetreten zu sein, dass es sich dabei potenziell um den Täter handeln könnte. „Warum haben Sie meinem Mandanten keine acht verschiedenen Stimmen vorgespielt?“, wollte der Rechtsanwalt weiter wissen. Dazu habe man auf der Wache nicht die technischen Möglichkeiten, erklärte der Polizist abschließend.

Aussage des Informanten wirft viele Fragen auf

Mit Spannung erwartet wurde die Vernehmung des Informanten. Der 26-Jährige sitzt derzeit in der JVA Remscheid ein – und nahm den Angeklagten zunächst auffällig deutlich in Schutz. Ja, es habe einen Vorfall gegeben, bei dem der 29-Jährige Schulden bei ihm einzutreiben versucht, dabei mit einem Messer auf das Türblatt seiner Zimmertür in der Weidenauer Wohnung eingestochen und gedroht habe, ihn abzustechen. „Aber das kann man ja verstehen, das hat er sicher nicht so gemeint.“ Außerdem habe sich der Angeklagte später bei ihm für dieses Verhalten entschuldigt. Von seiner Aussage, den Angeklagten selbst mit der roten Handtasche gesehen zu haben, wollte der junge Mann nichts mehr wissen. „Das war eine Falschaussage, da habe ich Scheiße erzählt“, gab er zu Protokoll und erklärte außerdem, an einer geistigen Behinderung zu leiden.

"Ich habe einfach Schiss"

Im Zeugenstand sagte er am Montag aus, lediglich die Lebensgefährtin des Angeklagten mit der Handtasche gesehen zu haben. „Sagen Sie das hier aus Angst vor körperlichen Repressalien?“, fragte Staatsanwalt Waldemar Gomer nach. „Ja“, erklärte daraufhin der Zeuge, „ich habe einfach Schiss, hier auszusagen.“ Auch der 23-Jährige, der einst mit dem Informanten in einer WG in Weidenau lebte, achtete im Zeugenstand behutsam darauf, den Angeklagten nicht zu belasten. „Sie lavieren hier herum – ist vorher jemand auf Sie zugekommen und hat Ihnen gedroht?“, fragte Gomer offensiv nach. „Nein, ganz sicher nicht“, flüsterte der junge Mann und schüttelte hektisch den Kopf.
Der Prozess wird am Montag, 18. November, um 13 Uhr fortgesetzt. Dann sollen die vielen Vorstrafen des Angeklagten thematisiert werden.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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