»Wurzeln erhalten und der Zeit anpassen«

Leder-Jaeger feiert sein 125-jähriges Bestehen / Auf inzwischen fünf Geschäfte erweitert

juwi Siegen. »Beim 125-Jährigen stellt man sich etwas ganz Verstaubtes vor, aber wir haben uns immer weiterentwickelt und unsere Kraft in die jungen Läden gesetzt.« So beschreibt die Nachfahrin in vierter Generation, Sabine Jaeger-Weissner, das Erfolgsrezept des traditionsreichen Geschäfts mit Stammsitz in der Siegener Oberstadt. Gemeinsam mit Mann Thomas Weissner leitet sie seit 1987 die Geschicke von Leder-Jaeger.

Angefangen hatte alles 1878. Da hatte der Schuhmacher Wilhelm Jaeger (geb. 1851) gemeinsam mit seiner Frau einen Lederhandel am Marburger Tor eröffnet. Das Geschäft lief gut. So zog das Ehepaar 1880 in größere Räume am Kornmarkt um, neun Jahre später in ein größeres Haus an der Marburger Straße 32. Schon am Kornmarkt hatte Wilhelm Jaeger der Lederhandlung eine Schäftefabrik angegliedert. Dort fertigte er mit einem Meister und einigen Stepperinnen Schäfte für Schuhe an, die von Schuhmachern aufgekauft wurden. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Wilhelm Jaeger 1899 Julie Richter, die Tochter eines Porzellan- und Tonwarenkaufmanns.

1901 kaufte das Ehepaar das Haus in der Kölner Straße 13. Es besaß – was damals selten war – große Schaufenster und ein Hinterhaus für die Schäftefabrikation. Im selben Jahr wurde Sohn Erich geboren. Mit großer Energie stürzte sich Wilhelm Jaeger in die Arbeit: Zeitweise beschäftigte er drei Meister, neun Stepperinnen und vier Büroangestellte. 1925 kam es zu einer entscheidenden Neuerung: Sohn Erich hatte vorgeschlagen, Lederwaren aus Offenbach ins Sortiment aufzunehmen. Die modischen Handtaschen, Koffer und Aktentaschen verkauften sich bald besser als die Rohware und verdrängten im Laufe der Jahre den eigentlichen Geschäftszweig. 1938 starb der Firmengründer, Erich Jaeger übernahm jetzt die Geschäfte.

Am 16. Dezember 1944 zeigte der Krieg sein grausames Gesicht: Bei dem verheerenden Bombenangriff brannte das Fachwerkhaus bis auf die Kellermauern nieder. Das ganze Grundstück war mit Schutt bedeckt. Bei einer Familie in Volnsberg fand die Familie zeitweise Unterkunft. Erst 1949 konnten Ladengeschoss und Wohnräume wieder bezogen werden. Hans-Jürgen Jaeger hatte inzwischen in Offenbach das Feintäschnerhandwerk erlernt. 1952 trat er in die Firma ein und nahm 1967 gemeinsam mit Ehefrau Gretel die Fäden in die Hand. Im selben Jahr noch eröffneten sie eine Filiale in der Bahnhofstraße. 1965 schon hatte seine Schwester Anneliese in Bad Berleburg eine Filiale übernommen. 1984 traten Tochter Sabine und ihr Mann ins Geschäft ein. Sabine Jaeger war nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei »Werner und Ulrich« ein halbes Jahr lang in Paris im Einzelhandel tätig gewesen und hatte anschließend an der Textilfachschule in Nagold studiert. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Nach dem Studium wurden noch Erfahrungen in Unternehmensberatung bzw. bei einem Einkaufsverband gesammelt.

Auf die gelernten Betriebswirte würde Firmengründer Wilhelm Jaeger heute stolz sein: Zum Stammgeschäft in der Oberstadt sind vier weitere Läden hinzugekommen: 1992 ein »flac«-Laden mit junger Mode sowie eine »Görtz 17«-Filiale im Lüdenscheider Einkaufszentrum »Sterncenter«, 1998 ein »flac« in Bochum, 1999 ein weiterer »flac«-Laden in der Siegener Bahnhofstraße. 1997 schon waren Weissners in die Produktentwicklung eingestiegen. Unter den Namen »Cas8« und »Spooky« verkaufen die »flac«-Läden inzwischen zu 35 Prozent eigene Produkte.

Thomas Weissner: »Eine Preisschiene darunter und trotzdem keine Ramschware.« So gehöre Leder-Jaeger inzwischen zu den 30 größten Lederwarengeschäften in Deutschland, nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen jedes Jahr 200 bis 300 Geschäfte der Branche schließen. Fragt man die tüchtigen Erben nach ihrem Rezept, so haben sie schnell eine Antwort parat: »Die Wurzeln erhalten und permanent der Zeit anpassen.« Die Produktpalette habe man um Lederbekleidung und Schuhe erweitert, viermal im Jahr werde die Kollektion gewechselt. Wichtiger noch das intensive Mitarbeitertraining. Trotz allem wolle man an alten Werten wie fairen Preisen und individueller Beratung festhalten und damit die Seele des Geschäfts erhalten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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